Höhenberg-Donautal-Rannatal

Gesamtkilometer 45.73 km   |    Positive Höhendifferenz 934 m   |     Zeit in Bewegung: 3:38:34

Die Vorbereitung
Schon lange wollte ich in dieser Gegend wieder mal Moutainbiken und die Herausforderung suchen. Für die MTB Hero bin ich noch nicht fit genug, aber die soll es irgendwann auch unbedingt mal werden.

Also surfte ich mich durch meine diversen Portale und Seiten im Internet und blieb auf bike-perlen.de bei einer Tour hängen. Bissl was über 43 km und 1000hm, das klang vielversprechend. Der Download ging schnell…das anschließende Bearbeiten in meinem Garmin Programm eher nicht. Da muss ich wohl noch etwas üben, aber mit viel Tüfteln und einer vielleicht etwas umständlichen Methode die Wege doch dort hin zu erzwingen, obwohl meine Karte da was anderes schrie, schaffte ich es letztendlich. Die Tour ging auf meine Garmin Fenix 3…welche sich prompt aufhing. Nichts ging mehr; erst der absolute ultimative Hardreset entlockte meiner Uhr ein Lebenszeichen. Natürlich war alles gelöscht, wodurch ich sage und schreibe für diese eine Tour knapp 5 Stunden Vorbereitungszeit benötigt habe… Tja, dafür muss sie ja der Kracher werden, oder?

Der nächste Morgen

Am nächsten Morgen dann die Ernüchterung. Ich riss die Jalousien auf und erblickte…nichts. Eine graue Wand aus Dunst und Nebel flötete mir ihren morgendlichen Gruß zu. Na super, ich wollte die Tour doch wegen der schönen Aussicht fahren!

Frustriert machte ich mir bei 4 Tassen Kaffee gedanklich schon einen Haken an mein Vorhaben und beschloss einfach ein wenig die Stollen im heimischen Waldboden einzugraben.

Dazu musste ich mich wieder an den PC setzen, um dort meine geplante Tour für die „Feierabendrunde“ auf den Garmin zu ziehen. Ich wollte das mit dem Navigieren unbedingt ausprobieren! Und als ich mich an den PC setzte, hier ein wenig klickte, dort ein bisschen die Punkte verschob, blinzelte mir doch tatsächlich die Sonne durchs Fenster entgegen. Freudig packte ich meine Mountainbike Utensilien zusammen und warf etwas verspätet das Radl auf den Fahrradträger und fuhr Richtung Untergriesbach.

Die Tour

35 Minuten später war ich an meinem Startpunkt zwischen Untergriesbach und Wegscheid, den ich mir vorher auf der Karte ausgesucht hatte, angelangt. Das Radl war gleich startklar und ich selbst auch schnell ausgerüstet. Es konnte losgehen! Ja…nur wo fang ich an? Meine, sagen wir mal etwas rudimentäre Karte, ach was sag ich: der grüne zittrige Strich auf dem Display, konnte mir partout nicht verraten, in welcher Himmelsrichtung ich denn beginnen musste. Mir war noch gut im Gedächtnis, dass es durchaus Sinn machte, von der richtigen Seite her die Strecke anzugehen. Die Tragweite, wenn man dann doch falsch herum anfährt, wurde mir allerdings erst später bewusst. Also trat ich los und fand nach 3 Anläufen zumindest mal den grünen Strich. Meine Uhr quittierte das mit einem Piep und dem Zeichen „Auf richtiger Strecke“. Na immerhin. Bald wurde mir bewusst, dass ich die Tour falsch herum angehe. Aber stur wie ich bin, fuhr ich weiter.

Ich gelangte also gleich zu Beginn an den schönen Rannasee und erfreute mich an dem Anblick, der sich mir hier erbot. Malerisch und ruhig lag er da und ich zückte zum ersten Mal meine Kamera.

Weiter ging es auf Schotter immer links neben dem See entlang, bis bald eine Treppe nach oben führte. Dort hieß es absteigen und tragen. Oben abgesetzt konnte es weiter gehen, immer dem Panoramaweg entlang.

In einem kleinen Ort geht es links dem Schild Bärnloch Rundweg bzw. Eidenberger Lusen folgend bis zum ersten richtigen Anstieg. Und dort wurde mir zum ersten Mal bewusst: Runterzu’s wäre das jetzt wirklich spaßig gewesen. Eine Gruppe Mountainbiker kommt mir matschdurchtränkt und mit breitem Grinsen den Berg hinunter entgegen…Ich strampelte nach oben. Bald stellte ich bei all den Wurzeln und Felsen fest: Ich komm hier fahrend nicht mehr weiter! Und schob…lange…hoch…weit…und nicht nur einmal schulterte ich das Radl, um einen groben Felsen zu erklimmen.

Innerlich fluchend und äußerlich keuchend stand ich irgendwann am oberen Punkt bei einer Waldkapelle und ein rotes MTB Hero Schild blitze mir höhnisch entgegen…natürlich pfeilführend in meine Richtung. Ich höre es förmlich lachen: „Wadsd moi in de richtige Richtung gfoahn!“

Egal, immer weiter, jetzt mehr fahrend als schiebend und mit der Hoffnung, dass ich auch auf der anderen Seite mit einem schönen Downhill belohnt werde. Ja, bergab ging es dann auch…auf Teerstraße und gut ausgebautem Schotterweg. Ich versuchte mich am Anblick von Ziegen und dem Esel auf einer Weide zu trösten und fuhr dennoch schmollend weiter.

Der Weg führte teils auf matschigem Untergrund, teils auf wiesenähnlichen Trampelpfaden immer einem Bachlauf, welcher später in die Ranna mündet, entlang und konnte mir wieder ein Lächeln entlocken.

Dann kam ich in Oberkappel auf österreichischer Seite an und teilte mir nur kurz die Straße mit etlichen Motorradfahrern, denn ich bog auf einen Feldweg ab. Dort verpasste ich wohl irgendeine Abzweigung und musste letztendlich über den frisch angesäten Acker eines Bauern auf den „grünen Pfad“ zurückstapfen. Bald wurde aus dem Bachlauf ein ausgewachsener Fluß, die Ranna. Eine tolle Aussicht blitzte immer wieder zwischen den Bäumen hervor und auch die wurzelige Strecke bereitete meinem 140mm Fully Spaß…geräuschvoll sanken die Dämpfer ein, als ich einen Steinbrocken nach dem anderen überrollte.

Ich kam am Staudamm an, welcher imposant und gleichzeitig furchteinflößend die Gegend einnahm. Jetzt hieß es, das Radl einen kleinen Steig hinunter zu tragen. Auch das ist mit ein wenig Vorsicht kein Problem. Zwar sperrten Verbotsschilder den Weg ab, denn auf Grund der Holzarbeiten durfte man hier nicht entlang fahren oder gehen, aber das ignorierte ich einfach mal an einem Feiertag und fuhr eine schöne Strecke neben dem Fluß entlang.

Der anschließende Fahrradweg entlang der Donau Richtung Jochenstein ist unspektakulär. Bis auf den Gegenwind, der klassischerweise immer aus deutscher Richtung kommt und den geschätzten 150 Fahrradfahrern auf dem selben Weg, gibt es hier keine Herausforderung. Rechts neben mir türmt sich der Wald auf, aus dem ich gerade erst gekommen war und eine leise verzweifelte Stimme in meinem Kopf flüsterte mir ständig ein, dass ich das alles wieder hochfahren musste.

Das tat ich dann auch…wobei FAHREN hier zu viel gesagt wäre. Der Weg führt den Donausteig entlang, der durchaus im Downhill Spaß machen könnte. Hochzufahren war mir allerdings nicht mehr möglich, ich hatte bereits 2,5 Liter Flüssigkeit verbraucht und konnte partout keinen Energieriegel hinunterwürgen. Die Kernderl sind mir wortwörtlich ausgegangen. Meine Uhr teilte mir eine Zielankunftsprognose mit, welche meine Motivation in den Keller sinken lies. Mitleidig sah mich ein Wanderer mit Sohn an und meinte: „Is ganz schee steil der Berg, gell?“ Worauf ich ihm antwortete: „Ja, wia’d Sau und foisch bin I eam a no o’ganga!“ Da lachte er: „Is mir auch schon passiert, aber viel Spaß no, des werd scho!“

Naja, spaßig ist was anderes, aber ich musste ja irgendwie wieder zu meinem Auto kommen und auch der höchste Berg hat mal einen Gipfel. Berg war es zwar keiner, aber den Gipfel erklomm ich sogar mit Foto am Gipfelkreuz des Höhenberg.

Erschöpft und erleichtert fuhr ich auf Straßenuntergrund den Hügel wieder hinab. Straße und Waldwege wechselten sich ab. Als ich mal wieder an einem Waldstück ankam, hörte ich plötzlich Buschtrommeln. „Kann schon mal vorkommen, hier im tiefsten bayrischen Wald“, dachte ich mir schmunzelnd und rufte mir sämtliche Szenarien aus diversen Horrorfilmen in meinem Kopfkino auf. Das Trommeln wurde lauter und ich erkannte, dass ich mir das nicht eingebildet hatte, sondern rechts neben mir auf einer Waldlichtung Tipis und Zelte mit Lagerfeuer aufgebaut waren. „Ui toll“, dachte ich, „ein Ferienlager im Grünen für Kids!“ Nur dass da bis auf den ca. 4 jährigen Jungen, welcher gerade von seiner Mutter gestillt wurde, nur Erwachsene im „Ökostyle“ herumliefen. Nun gut, jedem das seine. Freundlich grüßend fuhr ich trotzdem lieber schnell dran vorbei, mein Kopfkino war noch zu präsent.

Der restliche Weg verlief unproblematisch und ich konnte bald meinen Startpunkt auf der Uhr erkennen. Navigieren funktioniert also auf der Uhr, auch wenn ich noch ein bisschen tüfteln muss, wie man diverse Probleme umgehen kann.

Fazit: Eine super Strecke, die ich unbedingt wieder fahren muss…nur diesmal richtig rum!

 

 

 

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