Imst-Latschenhütte

Gesamtkilometer 23,27 km | Positive Höhendifferenz 1002 m | Zeit in Bewegung: 2:36:01

Der Start in unser Jahrestreffen Wochenende soll eine kleine Mountainbike Tour werden. Da wir für Samstag und Sonntag jeweils bei Lemming Tours gebucht haben, sollte der Einstieg auch dort beginnen, um unnötige Fahrerei mit dem Auto zu vermeiden. Außerdem wollte ich mir gleich einen Parkplatz beim Veranstalter und Hotel sichern, da diese nur arg begrenzt verfügbar sind.

 

Also schnell die Zimmer beziehen und die Radl startklar machen. Den Weg fanden wir relativ schnell und schon ging es die ersten paar Meter auf Asphalt bergauf. Aber wirklich nur ein paar Meter, denn der Wald mit Schotterboden ließ nicht lange auf sich warten. Ein Panorama entlang am Hang lässt uns schon in Gedanken an den AlpenX im September schwelgen und ich konnte mir ein Grinsen einfach nicht verkneifen: Jap, für diesen Ausblick bin ich Mountainbikerin! Berge, Täler, schneebedeckte Gipfel, so stell ich mir das vor. Dazu ein schöner Wechsel zwischen kleinen Bergabfahrten.

Ein Gatter versperrte uns den Weg und nachdem ich kritisch meinen überbreiten Lenker mit dem Drehkreuz verglichen hatte war schnell klar: Drüber heben, anders wird des nix! Dem war dann auch so und als ich dann ohne Radl schon halb im vor Rost strotzenden und lautstark quietschenden Drehkreuz fast stecken blieb, strich ich die geplanten Pommes am Abend vom Speiseplan.

Weiter geht es über Brücken und Bäche, klare Gewässer und immer mit Blick auf die Berge rings herum. Ich konnte mich nicht satt sehen! Immer wieder lugte ein Kuhkopf aus den Gebüschen hervor oder am Wegrand blickte ein Augenpaar mürrisch auf uns Ruhestörer um dann mit Gebimmel am Hals sich wieder dem Gras zu widmen.

Wir radeln kleinere Pfade entlang, durch eine Ferienwohnungsiedlung, vorbei an der mit viel Touris überlaufenen Hochalm und schlängeln unseren Weg bergauf durch den Wald. Das Ziel sollte die Latschenhütte sein, doch mehrere Schilder wiesen uns bald darauf hin, dass diese derzeit wegen Umbaumaßnahmen geschlossen sei. Die Enttäuschung war schnell überwunden. Zwar hätte ich mich sehr auf ein Getränk oben am Ziel als Belohnung gefreut, aber die Gier auf die Höhenmeter war stärker, so dass meine Motivation nicht abgedämpft wurde.

Und die hatte ich bitter nötig, denn der Anstieg wurde schnell nicht mehr locker flockig mit Wechselspiel bewältigt, sondern ging gnadenlos nach oben. Asphalt und Schotter zeigten uns ohne Erbarmen, dass sie uns sehr leicht die Körner aus den Oberschenkeln ziehen konnten. Eine kleine Zwischenpause mit Oat Snack war obligatorisch und der Blick auf den Höhenmesser verriet mir: A bissl was hamma scho no vor uns. „Einen Ulrichsberg noch!“ schnaufte ich, denn das ist irgendwie immer noch meine Maßeinheit von der Trainingsstrecke zu Hause.

Obwohl die Hütte oben gesperrt war, herrschte reger Autoverkehr. Ich ärgerte mich innerlich bei jedem PKW, den ich an mir vorbeiziehen lassen musste und nicht nur einmal landeten wir mit einem Fuß vom Pedal in der Schotterrille, weil beide einfach nicht genug Platz hatten. Ich redete mir ein, dass das alles Bauarbeiter und Anwohner sind, wurde aber oben eines Besseren belehrt. Dort gibt es nämlich einen Parkplatz für Wanderer, oder solche, die sich so schimpfen. „Faule Säcke!“ mein sauerstoffarmes Hirn empfand das als Frechheit.

Die letzten Höhenmeter zur Latschenhütte hatten es in sich. Grober Asphalt mit Grasbewuchs in der Mitte zog sich schonungslos in Schlangenlinien nach oben und ich pumpte nochmal all meine Kraft in die Oberschenkel. Ich wollte partout nicht absteigen!

Oben angelangt trugen wir schwer atmend unsere Räder einen kleinen grasbewachsenen Hang hinauf um dort die Aussicht auf einer Bank zu genießen. Bei einem Riegel und Wasser lauschten wir andächtig dem rauschen des Gebirgsbaches, dem Wind über den Gipfeln…und der Kreissäge der Bauarbeiten der Latschenhütte.

Die Rückfahrt wurde kurzerhand umdisponiert. Wir hatten keine Lust die restlichen Höhenmeter der geplanten Strecke durch den Stadtverkehr von Imst zu strampeln und fuhren kurzerhand den gleichen Weg wieder zurück, wie wir ihn gekommen waren.

Ich hatte Mordsrespekt vor dem weichen Schotteruntergrund, der durchzogen war von Rillen und Auswaschungen und mein Sturz auf eben solch einer Strecke vor einem Jahr spukt mir doch noch im Hinterkopf herum. So gaben bald meine Bremsen lautstark ihren Protest kund, aber es half alles nix. Da mussten sie durch.

Der sog. Flow blieb aber trotzdem nicht aus, denn den Panoramaweg, gesäumt von Kühen und Ponys konnte ich doch noch mit offenen Bremsen genießen. Auch wenn mich die vielen Höhenmeter dazwischen doch ein wenig irritierten: Sind wir vorhin tatsächlich so viel bergab gefahren?

Alles in allem war es ein gelungener Auftakt für unser Actionwochenende und abends saßen wir glücklich mit unseren Freunden am Tisch bei Steckerlfisch und Radler und freuten uns auf die Canyoningtour und den Klettersteig, welche noch folgen sollten.

 

Imst (1 von 11)
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