Alpencross 2016 | Markus

Alpencross 2016    (14.09.-20.09.2016)

Strecke: Ehrwald – Sölden – Vent – Plaus – St. Gertraud – Dimaro – Tione di Trento – Torbole

Einführung:

Sonja plante schon seit längerem einen Alpencross mit dem MTB – dabei sollte auf jeden Fall der Similaungletscher bezwungen werden. Da ich noch nicht so lange MTB fahre und von der Rennrad-Fraktion komme, war ich erst einmal skeptisch mein Bike auf über 3000 Meter Höhe zu schleppen, um es auf der anderen Seite wieder ein gutes Stück herunter zu tragen.

Aber gereizt hat mich der Gedanke schon und so plante ich mit Hilfe von Garmin, Outdoor active und Rudis Strecken einen Alpencross. Herausgekommen ist dann der folgende Trip über die Alpen, der wirklich unvergleichlich war. Natürlich gab es auch Höhen und Tiefen, aber dazu später mehr…..

Angefangen hat das Ganze auf jeden Fall damit, dass wir einen Tag zu früh angereist sind und das erst an der Eingangstür des Hotels festgestellt haben, als wir nochmal die Reiseunterlagen hervorholten.
Ich hatte im Vorfeld mehrere Male Buchungen, Stornierungen bzw. Umbuchungen getätigt, bis die endgültige Route stand. Dabei bin ich wohl in Gedanken irgendwie mal auf dem falschen Anreisedatum hängengeblieben und es ist mir auch nicht mehr aufgefallen.

Aber halb so schlimm, haben wir halt noch einen Wandertag auf dem Wasserfall-Rundweg in Ehrwald eingelegt. Im Nachhinein war der Zusatztag eigentlich ganz ok.
Nun aber zu den eigentlichen Etappen!

Tag 1:
Ehrwald – Sölden

Wir starteten die Tour nach einem ausgiebigen Frühstück gegen 08:00 Uhr.
Das sollte in etwa immer unsere Startzeit sein, damit wir nicht zu spät wegkommen und genügend Zeit für die Etappen haben. Außerdem war es die kilometermäßig Längste mit ca. 85 km.

Wir waren relativ schnell den Fernpass hinaufgeradelt und auf der anderen Seite wieder runter. Das läuft ja gut, dachten wir. In Vorfreude auf das Ötztal, das wir von anderen Ausflügen her kennen, radelten wir Richtung Imst.
Da kam dann auch schon mein erster Defekt! Mir ist unterm Fahren einfach mal der Sattel unter dem Hintern weggebrochen….. die Befestigungsschraube war abgerissen!

Also erst mal stehender Weise das nächste Radgeschäft in Imst gesucht, um sich eine neue Schraube zu kaufen. Kann ja nicht so teuer sein?! Tja.
Wenn denn mal die Schraube vorrätig gewesen wäre. Der Verkäufer meinte, er könnte sie bestellen! Doch wir wollten weiter und so wurde aus einer neuen Schraube für wahrscheinlich 3 Euro eine neue Sattelstütze für 30 Euro. Ging ja noch…

Auf der Anfahrt nach Sölden merkten wir Beide, dass uns langsam der „Saft“ ausgeht. Also stürmten wir eine Pizzeria und futterten erstmal ein geschmacklich mittelmäßiges Risotto.
Frisch gestärkt konnten wir dann den neuen Radweg zwischen Längenfeld und Sölden fahren, der sehr schön angelegt wurde! Da könnten sich deutsche Radwegplaner mal eine Scheibe abschneiden.

Aber nun sollten wir uns langsam Richtung Unterkunft aufmachen, denn die Dusche ruft!
Die Unterkunft jedoch schaute von Außen etwas baustellenmäßig aus und Innen war es auch etwas merkwürdig.
Das Zimmer war soweit ok….bis auf die seltsame Bettwäsche.

Die Unterkunft würde ich nicht weiterempfehlen, aber der Vollständigkeit halber wird sie hier doch genannt:

Haus Saskia
Lochlehnstraße 8
6450 Sölden / AUT
Preis: 55 Euro / DZ, Frühstück

« 1 von 5 »

Tag 2:
Sölden – Vent

Frisch gestärkt ging es heute nach dem Frühstück gegen 08:30 Uhr los in Richtung Vent.
Auf dem Plan stand eine „nur“ 25 km lange Strecke, die aber mit ordentlich Höhenmetern.
Unter anderem ging es die Ötztaler Gletscherstraße hinauf und durch den Rosi Mittermaier – Tunnel.

In meiner irrigen Annahme, es ginge dann über den Panoramaweg Vent nur noch bergab und man kann es „rollen“ lassen.  Stattdessen haben wir die meiste Zeit das Bike geschoben und getragen, da der Weg zu verblockt war und zumindest für uns an ein Fahren meist nicht zu denken war….aber wir haben eine Wandergruppe, die uns zuvor überholt hat wieder ein- und überholt. Und die hatten kein Rad huckepack auf den Schultern!

Die Tour heute war für mich eine der schwersten Touren, die ich bis jetzt gefahren bin. Denn eine so lange Zeit habe ich mein Fahrrad noch nie schieben oder tragen müssen – vor allem nicht so einen Weg. Meine Waden waren anschließend verkratzt und blau durch die Pedale, die man sich ständig in dieselben gerammt hat.

Endlich in Vent angekommen, haben wir uns unten erst mal an einer Karte orientieren wollen.
Ich klicke mit dem linken Fuß aus dem Pedal aus, erwische noch einen blöden Grasballen und falle nach rechts um. Mann, bin ich doof und peinlich war es noch dazu, denn eine Wanderin hatte auch gerade die Karte studiert. Ich habe mir auf jeden Fall einen abgelacht, denn zuvor hätte man auf dem Höhenweg allen Grund gehabt sich samt Rad hinzulegen. Aber nein, mir passiert dieser „Anfängerfehler“ im Ort an der Karte……

Nun schnell zur Unterkunft und etwas zum Essen finden, denn wir waren heute schon ziemlich „blau“ und mussten unsere Akkus wieder auffüllen. Hoffentlich rächt sich das morgen nicht, dachte ich mir und hoffentlich spielt das Wetter mit.

In unserer Unterkunft holten wir uns dann Tipps zum Essen bei unseren tschechischen Vermietern, die super nett und hilfsbereit waren. Erst musste er mir mit Sekundenkleber aushelfen, mit dem ich meine Schuhe zu kleben versuchte und dann hat er uns in ein absolut tolles Restaurant verwiesen.

Solltet ihr jemals in Vent sein, geht in das Restaurant Wildspitz. Dort gibt es eine Riesenpizza und super leckeren Nachtisch. Alles hausgemacht.
Und unser Hotel ist auch super gemütlich.

Die heutige Unterkunft:
Garni Stefanie
Marzellweg 5
6458 Vent / AUT
Preis: 60 Euro / DZ, Frühstück

« 1 von 4 »

Tag 3:
Vent – Naturns

Nach einer etwas durchwachsenen Nacht hatten wir ein leckeres Frühstück.
Im Anschluss ging es gleich los, den heute stand der Similaun auf der Liste. Die Similaunhütte liegt auf 3019 Meter und war unser heutiges Zwischenziel.

Mein erster 3000er und das mit dem Bike. Wegen dem Wetter hatte ich ein bissl Bammel, aber nach kurzer Absprache zwischen uns und einer Aufmunterung von einem Wanderer, den wir kennen gelernt haben, gingen wir es an. Und das Wetter hat gehalten.
Erst bei Einfahrt von Plaus (Naturns) fing es an zu tröpfeln.

Aber nochmal zurück zum Similaun. Das heißt, eine sehr lange und steile Zeit das Rad geschultert den Berg hinauftragen. Nur, um es auf der anderen Seite runterzutragen…

Es war anstrengend und schön. Auch wenn die Sicht gleich Null war und das Thermometer ebenso viel Grad anzeigte. Viele der Wanderer machten ein dummes Gesicht, als sie uns mit unseren Rädern sahen und wir ernteten den einen oder anderen verständnislosen Blick.
Wir fanden es geil!!!

Aber wir waren dann schon froh, als wir endlich wieder auf die Räder steigen konnten und mit 65 Km/h Richtung Naturns durch das Schnalstal donnerten. Nach einem kurzen Stück auf der viel befahrenen Landstraße kamen wir happy in unserer Unterkunft an.

Leider hatte Sonja heute einen Abflug, bei dem mir fast das Herz stehen geblieben ist. Sonja ist ganz banal mit dem Lenker auf einem engen Weg (Unsere Frau) an einem Baum hängen geblieben.
Ich drehe mich nach ihr um und sehe nur noch, wie sie einen Abflug samt Bike einen wirklich steilen Abhang hinunter macht. Zum Glück ist sie in einer Ansammlung von vielen Ästen gelandet, die sie halbwegs „sanft“ aufgefangen haben. Puh, das hätte auch anders ausgehen können….

Unterkunft:
Gasthof Mondschein
Stein 20
39025 Naturns / ITA
Preis: 80 Euro / DZ, Frühstück

« 1 von 3 »

Tag 4:
Naturns – St. Gertraud

Am heutigen Tag stand der von den Höhenmetern schwierigste Teil auf dem Programm.
Laut meinem Garmin mussten wir über 2200 Höhenmeter absolvieren.

Also ging es wieder mal früh los, um das Tagespensum zu schaffen.
Nach einem kurzen Einrollen von Plaus bis Naturns folgten sofort ca. 1400 hm am Stück hinauf zur Naturnser Alm. Zum Glück wartete dort ein echt leckeres Essen auf uns, um uns wieder zu stärken.

Weiter ging es teils schiebend, teils tragend durch einen tollen Wald und auf ein Hochplateau mit genialer Fernsicht. Den Anblick mussten wir erst einmal ein paar Minuten genießen!

Ein kleiner Umweg war dann auch noch fällig, da wir irgendwo eine Abfahrt verpasst hatten.
Durch das wunderschöne Ultental  durch kamen dann doch sehr zähe 11 km nach St. Gertraud.

Wir waren schon ziemlich gezeichnet, es fing an zu regnen und zu guter Letzt durften wir feststellen, dass unsere Unterkunft auch noch an einem heftigen Berg liegt, den wir dann schiebend hinaufkrochen.

Oben angekommen und total fertig stellten wir dann fest, dass wir Beide total blank waren und eine Kartenzahlung in der Unterkunft nicht möglich war. Doch unsere super nette Vermieterin fuhr uns einfach nochmal mit ihrem Auto zurück in die nächste Ortschaft, damit wir wieder liquid waren….lag ja auch in ihrem Interesse 🙂

Ein super leckeres Essen beendete diesen anstrengenden aber schönen Tag im Restaurant Arnstein.

Unterkunft:
Garni Villa Elisabeth
Winkelweg 116
39016 St. Gertraud im Ultental / ITA
Preis: 70 Euro / DZ, Frühstück

« 1 von 5 »

Tag 5:
St. Gertraud – Dimaro

Diese Etappe sollte die letzte richtig anstrengende Aufgabe für uns werden, da wir von St. Gertraud über das Rabbijoch (2480m) nach Dimaro mussten. Anstrengend auch deshalb, da Sonja und ich ein wenig lädiert waren von den letzten Tagen.

Außerdem war die Gesamtverfassung ziemlich unten, zumindest bei mir….

Doch dann fuhren wir auf das Talende und dem Rabbijoch zu und die Landschaft flashte mich auf ein Neues. Wunderschön…..und alle Anstrengungen waren fast vergessen.

Als wir dann das Rabbijoch bezwungen hatten, führte uns ein relativ neu angelegter Trail hinunter Richtung Male. Kurz nach der Hütte hatte ich dann meinen Abflug an einem steilen Hang. An einem relativ einfach zu befahrenden Stück bin ich zu weit nach rechts geraten. Alle Manöver schlugen fehl und es hat mich den Hang samt Fahrrad hinunter gelassen. Da die Wiese steil und feucht war, kam ich erst nach einer kleinen Rutschpartie zum Liegen. Auch ich bin glücklicherweise nur mit ein paar kleinen blauen Flecken und einem kaputten Handschuh davongekommen.

Von da an ging es aber eigentlich nur noch bergab, so dass wir zeitig in Dimaro ankamen.
Das brachte uns ein wenig mehr Zeit zum Auswaschen der Kleidung, denn so langsam konnten wir uns schon selbst nicht mehr riechen.
Außerdem trugen unsere Radtrikots von der heutigen Etappe diverse Spuren von Schaf- bzw. Kuhauswurf, durch den wir durchgefahren sind.
Und unser Zimmer war zum Glück auch groß genug, um alle Sachen zum Trocknen aufhängen zu können.

Unterkunft:
Hotel Kaiserkrone
Piazza Serra 3
38025 Dimaro / ITA
Preis: 66 Euro / DZ, Frühstück

« 2 von 6 »

Tag 6:
Dimaro – Tione di Trento

Die geplante Route führte uns heute von Dimaro nach Tione di Trento, einmal durch die Brenta.
Die Landschaft und die Wege waren wirklich genial. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus….

Zuerst einmal mussten wir aber einige Höhenmeter bewältigen, um nach Madonna zu kommen. Auf dem weiteren Weg hatten wir dann mal Probleme denselben zu finden. Denn Waldarbeiter hatten da ganze Arbeit geleistet und der gefühlte halbe Wald lag quer über dem Weg. Dieser war nicht mehr erkennbar…… war da nicht auch ein Schild, dass die Durchfahrt verboten ist…..Lebensgefahr!!!????

Nachdem uns aber ein Waldarbeiter bei seiner Pause nur kurz angeschaut und nix weiter gesagt hat, sind wir kurzerhand über die Bäume und Äste geklettert und konnten anschließend voller Harz unseren Weg fortsetzen.

Immer durch die traumhaft schöne Brenta. Kaum fuhr man um die nächste Kurve, hatte man den nächsten genialen Ausblick auf die Dolomiten. Super!

Zum Schluss sind wir die letzten 12 km auf einem neu angelegten Radweg Richtung Tione di Trento gerollt. Herrlich. Auch hier könnten sich einige Wegeplaner mal eine Scheibe abschneiden…

Mit einem letzten Schlussanstieg erreichten wir unsere heutige Unterkunft.
Auch hier wieder ein Glückgriff.

Ein Dank nochmal an den Schreiber der Bewertung bei Booking.com, die zum Teil einen Ausschlag gab bei mir für die Buchung. Er betitelte die Unterkunft als eines der Highlights seines Alpencross.
Und dank der Lage und Franca, der Besitzerin, war es das auch.

Unterkunft:
Bed and Breakfast Cappeler
Localita Cappeler
38079 Tione di Trento / ITA
Preis: 62,60 Euro / DZ, Frühstück

« 1 von 7 »

Tag 7:
Tione di Trento – Torbole

Der letzte Tag…..wehmütig denken wir an die letzten und an die nächsten Tage.
So anstrengend es auch war, aber was sollten wir MORGEN machen, wenn wir nicht mehr biken können??? Schon verrückt!

Die Schlussetappe stand ganz im Zeichen nach Torbole einzurollen. Gespannt blickten wir schon Kilometer vorher, ob wir den Gardasee von weitem sehen können. Doch erst ziemlich zum Schluss ließ er sich blicken. Nach einem kurzen Fotostopp ging es weiter Richtung See.

Dort gönnten wir uns erst einmal ein Bier auf die hinter uns liegenden Tage und streckten die nackten Füße in den See. Herrlich! Die Strapazen waren vergessen und mit Stolz geschwellter Brust schlürfen wir unser Bier…..in unseren Gedanken sagen wir uns immer wieder: „Wir haben es geschafft! Wir haben einen Alpencross gefahren“

Ein klasse Gefühl! Und es soll auch bestimmt nicht das letzte Abenteuer dieser Art gewesen sein!

In unserer Unterkunft angekommen machen wir uns frisch und schauen nach einer Shuttle-Möglichkeit, um nach Hause zu kommen. Das war der einzige Punkt, der noch nicht bis ins Detail geplant war. Nach ein paar Anrufen und ein paar Metern entlang der Promenade war auch das geschafft und wir suchten die von den Vermietern empfohlene Pizzeria auf.

Die Pizzeria Linfano lag praktischerweise unweit unserer Unterkunft und hatte das wohl beste Meeresfrüchte-Risotto, das ich bisher gegessen habe. Wir ließen es uns noch bei einer Flasche Rotwein (Lagrein) gut gehen und wankten zufrieden nach Hause.

Außer der neuen Sattelstütze, die ich in Imst kaufen musste, war ich nach dem Trip durch Torbole auch um ein paar neue Radschuhe reicher und ein paar Euronen ärmer.

Unterkunft:
B&B Carly’s Rooms
via Linfano 54
38062 Nago-Torbole / ITA
Preis: 70 Euro / DZ, Frühstück

« 1 von 4 »

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.