Alpencross 2016 | Sonja

Seit ich das Mountainbiken für mich entdeckte, war immer mal wieder die Frage nach mehrtägigen Touren aufgekommen. Durch Tom lernte ich erst den Alpencross kennen. Jährlich fuhr er ihn mit großer Begeisterung und schwärmte in seinen Berichten über dieses Abenteuer. Es pflanzte sich immer mehr der Gedanke bei mir ein, sowas auch machen zu wollen.

Markus teilte meine Begeisterung und übernahm auch gleich die Planung der Strecke. Anfänglich noch eher im leichten Modus, aber ich wollte alpine Erfahrungen machen. Also wurde die Strecke mit Hilfe von Tom weiter ausgebaut und letztendlich sind wir also doch eine mittelschwere Tour gleich zum Einstieg gefahren. Im Nachhinein war es genau richtig, auch wenn wir vorher eine ordentliche Portion Respekt davor hatten und auch weiterhin haben sollten. Es war anstrengend, teilweise mit körperlicher und mentaler Grenzerfahrung. Aber der Virus Alpencross hat mich ergriffen und ich glaube nicht, dass ich so schnell davon geheilt werde.

Nachdem wir mit einem kurzfristig organisierten Shuttle wieder zurück in Ehrwald waren und ich in meinem eigenen Auto mehr als 3 Stunden Zeit hatte, nochmal alles Revue passieren zu lassen, kam unglaubliche Schwermut in mir auf. Und jetzt? Wie geht’s weiter?

Mal sehen, es stehen noch viele Touren an. Wir haben Blut geleckt!

 

Route | Ehrwald-Sölden-Vent-Plaus-St. Gertraud-Dimaro-Torbole | 14.September 2016 – 20.September 2016

 

330.25 km Distanz
35:13:00 Zeit in Bewegung
9,787 m Positiver Höhenunterschied

 

[Ich verzichte hier auf einen gpx Download der Strecke. Man sieht unten in der Karte die geplante Strecke per Garmin Basecamp, welche aber nicht ganz fahrbar ist und so auch nicht ganz stimmt. Ich gebe den Hinweis, dass diese nicht bearbeitet sind und sämtliche Irrwege und falsche Routen mit beinhalten. Leider wollte die Garminaufzeichnung sich nicht mit der Kartenansicht vertragen, somit konnte ich diese nicht einspielen.

Wer sich an Strecken orientieren will, der kann gerne bei Tom oder anderen Seiten vorbeischauen. Ich denke, im Netz wird man ganz sicher fündig]

 

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AX Etappe 1 | Ehrwald – Nassereith – Imst – Sautens – Winklen – Längenfelden (Abbruch Garmin Aufzeichnung) – Sölden

70.58 km Distanz (bis zum Abbruch)
9.5 km/h Ø Geschwindigkeit
7:27:18 Zeit
1,300 m Positiver Höhenunterschied

 

 

Endlich ist es soweit, der Alpencross 2016. Lange haben wir darauf hingefiebert und hingezittert: Wie wird das Wetter? Sind wir fit genug? Machen die Bikes das mit? Machen unsere Körper das mit? Verfahren wir uns? Alles Ängste, die sich in den letzten Wochen und Monaten aufgebaut hatten und darauf warteten, endlich durch pures Radeln abgebaut zu werden.

Wir hatten von vornherein einen Tag Anreise geplant. Die Deluxe Variante sozusagen. Dann konnten wir in Ehrwald in der Früh nach einem Frühstück gestärkt und ausgeschlafen unseren ersten Alpencross angehen. So der Plan!

Gesagt getan: Laut Plan sind wir um die Mittagszeit herum von zu Hause aus mit Sack und Pack gestartet um ca. 3,5h später in Ehrwald anzukommen. Wir fanden die Pension „Haus Edith“ auf Anhieb und klopften und klingelten. Niemand machte auf. Verwirrt kruschtelte Markus seine Notizen mit allen Buchungen und unserer Streckenführung aus dem Rucksack, um festzustellen: Wir sind nen Tag zu früh!

Schmunzelnd und kopfschüttelnd stellten wir uns auf die neue Situation ein und verbrachten fast 2 Tage in Ehrwald mit Shoppen und Wandern zu einem Wasserfall ohne Wasser. Einzig und allein mein Drang nach dem „Jetzt geht’s endlich los!“ war beleidigt und musste sich auf einen Tag später vertrösten lassen. Der Rest genoss den Extratag in dieser schönen Gegend.

Aber dann: der Tag der ersten Etappe war gekommen! Mit etwa 86km die längste Strecke, welche mich zunächst nicht abschreckte. Wir schnürten unsere Rucksäcke und Radlschuhe und freuten uns auf eine schöne und anstrengende Woche auf den Rädern.

Nicht weit von der Unterkunft entfernt wartete eine Kuhweide, welche den Schotterweg Richtung Fernpass barg und schon für das erste Foto sorgte: Grüne Wiese auf der ein Wald stand und Kühe weideten. Kein Waldboden, nein: Wiese! Und dort entlang der Schotterweg mit den ersten paar Höhenmetern. Es rollte dahin, ich spürte das ungewohnte Gewicht des Rucksacks. Ohne fahr ich eigentlich eh nicht, aber 8,5kg machen sich dennoch erstmal bemerkbar. Ich nahm es hin, da ich wusste, dass ich mich dran gewöhnen werde. Tribut musste mein Rücken eh schon zollen, da das Bett in der Unterkunft einfach nicht meins war und er von vornherein schon etwas zickte. Das sollte sich bis zum Ende des AX nicht ändern, man wird halt alt 😉

Wir schlängelten uns durch den Wald, mal karg, mal dichter. Eine kurze Passage auf der Fernpassstraße ließ uns kalt: Wir dachten, es würde länger auf Asphalt und schnellem Verkehr werden und wurden aber überrascht, dass es nur ein paar Meter waren.

Der Weg führte uns auf einen schönen Trail, der eigentlich als Schiebepassage ausgeschildert war. Wir ignorierten dies und fuhren immer mit Hinblick auf Wanderer und Gegenverkehr weiter. Meine Federgabel bekam das erste Mal was zu tun. Auch landschaftlich war was geboten und so war ich versöhnt mit den anfänglichen Zickereien meines Körpers und brachte ihn vorerst zum Verstummen.

Weiter geht’s nach Imst. Ein Teil der Etappe, auf den Markus und ich uns besonders freuten, da wir hier schon drei Mal ein gemeinsames Wochenende mit Freunden mit Canyoning, Rafting und Klettersteig verbracht hatten. Der Inn und die Ötz sind mit uns schon per Du, so oft wie wir darin schon baden gegangen sind.

Wir fuhren einen kleinen Trail bei Imst, als ich ein lautes Knacken hörte, gefolgt von fliegenden Teilen von Markus‘ Rad: Der Sattel lag mit Einzelteilen auf dem Boden verstreut, Markus war zum Glück gerade im Stand am Treten gewesen. Das hätte dumm ausgehen können! Mit allem haben wir gerechnet: Platten, Bremsklötze, Kettenriss und verstellte Gangschaltung. Aber dass einem der Sattel unterm A… wegplatzen würde, das war jetzt dann doch neu. Schnell war der nächste Fahrradladen per App am Handy ausfindig gemacht und Markus radelte im Stand weiter. Natürlich ging es bergauf! Ich hab mich so in die Situation mit eingelebt, dass ich aus Reflex mich selbst nicht mehr auf den Sattel setzte und im Stand radelte.

Im Radlgeschäft wurde uns erklärt, dass sie leider nicht die nötige Schraube, welche gebrochen ist, parat hätten und dass wohl eine komplette Sattelstütze her müsse. Zähneknirschend gingen die 30 Euro über die Ladentheke und Markus montierte seinen Sattel neu. Ihm erging es besser als dem Schüler, der mit seinem Lehrer im Laden stand und 330 Öken hinblättern musste, damit er ein neues Laufrad montiert bekommen sollte. Sie waren mit einer Gruppe Schülern auf dem AlpenX unterwegs, als das Laufrad den Geist aufgab. Von dem her kamen wir noch gut weg! Ab sofort bekam ich allerdings bei jedem Geräusch, welches mein Rad unbekannter Weise machte, Paranoia und dachte gleich an einen technischen Defekt.

Nach dem ungewollten Stopp radelten wir auch gleich weiter, ohne an eine Mittagspause zu denken. Das war dann wohl ein Fehler: Ich kam langsam aber sicher in einen Hungerast, den auch die mitgebrachten Müsliriegel nicht mehr in den Griff bekamen. Es wurde zunehmend schwieriger in die Pedale zu treten, auch wenn mich der Anblick der Ötz immer wieder davon ablenkte. Ich hatte es unterschätzt, denn zu Hause konnte ich lange ohne groß Zwischenmahlzeiten radeln. Auch anstrengende Passagen waren für mich eigentlich energietechnisch nie das Problem. Somit übersah ich die ersten Warnhinweise und schleppte mich bis auf Längenfelden. Dort war dann die Pause zwingend nötig und der Tank wurde mit Reis und Radler aufgefüllt. Mein Ego und Selbstbewusstsein bekamen einen gehörigen Dämpfer und ich fragte mich, wie ich die restlichen viel anstrengenderen Etappen durchstehen sollte.

Die letzten 15 km auf Sölden zogen sich wie Kaugummi und jeder noch so kleine Anstieg fühlte sich wie 1000 hm an.

Endlich in der Unterkunft in Sölden angekommen wollte ich zunächst gar nicht mehr vom Bett aufstehen. Aber der Hunger auf Pasta siegte und ich wollte nicht den gleichen Fehler zweimal machen: Heut wird geschaufelt!

Die Suche nach einem Restaurant erwies sich in Sölden als schwierig. Außerhalb der Saison werden wohl die Bürgersteige hochgeklappt. Ein einziger Italiener hatte offen, den wir dann nach zweimaligen Auf- und Abgehen des gesamten Dorfes gefunden hatten. Dieser war dann dementsprechend gut besucht, aber wir bekamen noch einen Platz auf der Terrasse und holten uns die verdienten Kohlehydrate.

AX16 (1 von 106)
AX16 (1 von 106)
Das alles sollte da rein
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AX Etappe 2 | Sölden – Ötztaler Gletscherstraße – Vent

23.47 km Distanz
3.0 km/h Ø Geschwindigkeit
7:50:29 Zeit
1,644 m Positiver Höhenunterschied

Tag II startet wieder mit einer kleinen Orientierungsprobe. Aber wir fanden den kleinen Trampelpfad über die Wiese und fuhren durch nasses Gras. Doch dann ging es recht schnell in eine Schiebepassage: Ein Wanderweg zog sich durch Höfe und Vogelbeerenbäumen rauf zum Wald. Schilder verrieten uns: Das ist der Kreuzweg, mit anschaulichen Bildern von Jesus‘ Anstrengungen verdeutlicht. Na das kann ja heiter werden! Was zunächst sich als Schiebepassage zeigte, wurde dann doch bald zum Kreuzweg: Das Radl wurde den MTB Trail mehr hochgewuchtet, als geschoben. Von oben kamen uns 3 Biker den Singletrail entgegen und meinten verwundert: Es gibt ja echt noch Leute, die den Weg hochschieben!

Joah, laut Garmin Streckenführung sollte der wohl auch befahrbar sein. Kein Hinweis auf Singletrail…naja. So schob ich also fast einen ganzen Ulrichsberg mein Rad zum Warmwerden nach oben und freute mich direkt, eine Asphaltstraße zu sehen. Wir warfen die Pläne des Garmin über Bord, zeigten ihm einen Vogel und wichen auf die Asphaltstraße aus: Was für eine Wohltat. Endlich saß ich wieder auf dem Rad und konnte die Muskeln mal anders beanspruchen. Der Weg ging in Schotter über und war zeitweise steil. Aber ich kam in Fahrt, glückselig endlich Höhenmeter treten zu dürfen! Das war mein Ding, auch wenn ich sie etwas verhaltener angehe wie sonst: Der gestrige Tag mit dem Leistungseinbruch war mir nur allzu deutlich eine Lehre.

Oben angelangt gab es auf der Gampe Alm eine Heidelbeermilch in uriger Atmosphäre. Die Hütte war super gemütlich und der Wirt sehr nett, aber leider mussten wir auch schon wieder weiter. Mit dem Fahren hatte es sich dann leider erstmal wieder, denn Garmin schickte uns schon wieder etwas verquer. Und als wir uns auf dem Wanderweg auf die Sättel schwangen, gaben uns einige Wanderer den Weg nicht frei, sodass wir hinter ihnen herschoben. Allerdings nur ein paar Meter, dann wartete die Ötztaler Gletscherstraße auf uns. Wir entschieden uns für den Asphalt und wieder bekam ich meinen „Höhenrausch“. Langsam und kontinuierlich schraubten wir uns die Serpentinen rauf und die Pausen hielten wir kurz. Es nieselte leicht und die Luft wurde merklich kälter. Wir sahen unseren Atem und ein leichter Nebel zog auf. Der Wind machte es im Stehen ungemütlich, also fuhren wir „schnell“ weiter.

Oben am Rettenbachgletscher stellten wir uns die Frage, ob wir hier oder am Tiefenbachgletscher etwas essen sollten. Wir entschieden uns nach dem Tunnel für den Tiefenbach und fuhren bis kurz davor. Dort wartete ein schöner Ministausee und trotz Kälte und Wind musste ich hier einen Fotostopp einlegen. Zumal wir uns eh für den Rosi-Mittermeier-Tunnel aufrüsten mussten. Wir zogen Beinlinge, lange Fingerhandschuhe und mehrere Bufftücher an. Ich war froh, alles dabei zu haben, denn mit 0°C und kaltem Wind war es ziemlich zapfig. Mein neongelbes Shirt befestigte ich von außen an meinen schwarzen Rucksack, denn schlauerweise hatte der nur ein schwarzes Regencover ohne Reflektoren oder Signalfarbe (das einzige Manko an dem Evoc) und meine Stirnlampe vorne am Lenker. So konnten wir den schlecht beleuchteten Tunnel angehen.

Mir fielen die geschriebenen Worte meines Kollegen ein, als er in seiner Tourenbeschreibung seine „Ängste“ in dem Tunnel beschrieb. Mit lautem Getöse und unglaublich respekteinflößend fuhren die Kipplaster und Bau LKW an uns vorbei und bei jedem hoffte ich, dass er uns sah und nicht mit den riesigen Rädern überrollte. Denn schnell ging‘s hier nicht; der Tunnel verbarg nochmal paar geschmeidige und sich langziehende Höhenmeter. Das Licht am Ende wollte partout nicht näher rücken.

Dann die Ernüchterung nach dem Tunnelabenteuer: das Tiefenbachgletscherrestaurant hat zu! Also geht es mit Müsliriegel zwischen den Kiemen rauf zum Venter Panoramaweg. Zeitgleich kam eine Gruppe Wanderer an den Höhenweg. Zunächst noch in dem Glauben, dass wir es rollen lassen könnten, fuhren wir als erstes los. Nur um festzustellen: Hier is nix mit fahren! Ist das der Weg, den Tom uns als meistens unfahrbar beschrieben hatte? Oh ja, er ist es! Und ja, ich dachte sehr sehr oft an ihn und seine blumige Beschreibung, wie die Pedale sich nicht nur einmal in die Waden oder ins Schienbein verbissen. Als menschlicher blauer Fleck hatte man es anschließend nicht leicht: Ich sah aus wie ne verprügelte Banane. Überall blaue Flecken und ein Metallpedalbiss in der rechten Wade. Der Weg war für uns kaum befahrbar und trotz schöner Aussicht zog er sich am Berg dahin ohne enden zu wollen. Als wir dachten das Schieben und Tragen hätte ein Ende (die Wandergruppe hatte uns zwischenzeitlich mal überholt, nur damit wir sie später bei einer Pause doch noch „abhängen“ konnten) wurde der Weg sogar noch verblockter und ich landete einmal Gebüsch. Lachend wuselte ich mich aus dem Gestrüpp und wünschte mir ein bisschen mehr Fahrtechnik herbei.

Endlich ging es auf den Schotterweg, welchen wir schon von Weitem erahnten. Aber um ehrlich zu bleiben: Der hat’s nimmer rausgerissen, denn Arme und Beine taten vom Tragen und Schieben und Pedal in den Waden selbst bei der Abfahrt dann schon weh.

Glücklich und erleichtert kamen wir in der Garni Stefani an und diese ist definitiv eine Empfehlung wert. Nette Besitzer, super Essensempfehlung und schöne Zimmer!

Nach einer super leckeren Pizza im Ort gingen wir in unsere verdiente Ruhephase über.

AX16 (22 von 106)
AX16 (22 von 106)
Schaut ganz schön düster aus
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AX Etappe 3 | Vent – Plaus

40.70 km Distanz

5.2 km/h Ø Geschwindigkeit

7:46:54 Zeit

1,259 m Positiver Höhenunterschied

Tag III ging gleich mal ins Eingemachte. Der Weg zur Martin Busch Hütte empfing uns sozusagen vor der Haustüre und wir strampelten und schoben mit kalten Muskeln eine ordentliche Steigung hoch. Keuchend und schwitzend sahen wir uns fragend an: Is das denen ihr Ernst? Doch der Weg wurde milder und der Schotter knirschte geschmeidig unter unseren Reifen. Wir bekamen trotz wehem Hintern wieder Lust auf’s Radeln und bewunderten die Landschaft. Eigentlich war zu dem Zeitpunkt der offizielle Weg zur Martin Busch Hütte wegen Steinschlag gesperrt, aber wir bekamen den Tipp, dass er nur noch nicht wieder freigegeben wurde, aber durchaus befahrbar wäre. Wir kamen bald an die Absperrung und widersetzten uns den Verbotsschildern. Eine halbe Stunde nur Schieben und Tragen auf der Ausweichstrecke stellte für uns keine Option dar. Wir wollten schließlich auf die Similaun Hütte und die Wetterprognose ließ keine Verzögerung zu. Also rollten wir alleine parallel zum Ausweichwanderweg gegenüber am anderen Berg dahin und freuten uns, die richtige Wahl getroffen zu haben. Zudem uns eine kleine Kletterpassage über Geröll eh nicht mehr abgeschreckt hätte, nach dem gestrigen Panoramaweg. So kam es, dass wir ohne Klettern nach 1h40min an der Martin Busch Hütte ankamen. Dort der sorgenvolle Blick Richtung Similaun Hütte.

Ich wollte da hoch, unbedingt. Das war eines meiner großen Ziele für diesen AX. Doch Markus zog noch nicht so ganz, hatte er doch arge Bedenken zwecks der Sicht dort oben und dem bevorstehenden Abstieg. Unterstützung bekam ich jedoch von einem Wanderer, der uns gestern schon begegnet ist und uns vor der Hütte ansprach. Er ging den E5 und war ziemlich interessiert an unserem Alpencross. Mit den Worten: „Jetz sad’s scho da, freilich geht’s es auffe!“ waren Markus‘ Bedenken gebrochen und ich stapfte glücklich grinsend hinter ihm her Richtung Similaun. Mit einer Mischung aus Tragen und Schieben verging die erste Stunde recht schnell, neben uns der laut tosende Gebirgsbach. Bald konnten wir wieder Wandergruppen hinter uns ausmachen und bei einer kleinen Ratschpause mit dem uns eingeholten E5’ler, erkannten wir die gleiche Gruppe von gestern. Die einen freuten sich, die anderen staunten. Wir ließen sie vorbeiziehen, ehe wir unsere Räder schulterten und die felsigen Steige zur mittlerweile im Nebel nicht mehr sichtbaren Similaunhütte fortführten. Wir kletterten, im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Klickerschuhen und ca. 22kg auf dem Rücken durchaus eine Herausforderung, aber ich wollte das so. Das war der Plan und im Gegensatz zu gestern hatte ich mich auf diese Passage eingestellt. Mir war bewusst, dass ich oben keine belohnende Aussicht genießen werde, aber dennoch war für mich die „Bezwingung“ dieses Berges mit dem Mountainbike ein Bedürfnis. Immer wieder wurden wir von den Wanderern ermutigt und angefeuert. Einige fragten erstaunt, wieviel wir denn da hochschleppen würden an Gewicht. Andere meinten aufmunternd, dass wir ihnen dafür später wieder davonfahren würden.

Letztendlich war ich aber doch froh, als wir unsere Räder vor der Hütte abstellen und schnell ins Innere huschen konnten. Dort war’s voll…mehr als voll. Und ich bekam das erste Mal sowas wie Abneigung und Unverständnis zu spüren. Einige der anderen Wanderer tuschelten hinter vorgehaltener Hand, aber dennoch so laut, dass ich es hören konnte. Deutlich negativ gemeinte Worte wie: „Ich verstehe nicht, was das bringen soll!“ oder „Wozu macht man denn sowas?“ höre ich auf Hochdeutsch von der Seite. Zunächst ärgere ich mich darüber, dann muss ich lächeln. Warum wir das machen? Weil wir’s können! So schaut’s aus, meine Fingernägel lackierten und blasierten, geschminkten weiblichen Artgenossinnen mit Gepäckservice.

Ich stelle mich für zwei riesige Teller Spaghetti an und sehe im Eck eine der Wanderinnen von gestern. Sie jubelt mir zu, stupst ihren Nebenmann an und sagt: „Yeah, sie sind oben!“ Ich grinse, juble mit und freu mich, dass es auch nette und unkomplizierte Menschen gibt.

Nach dieser mehr als ausreichenden Stärkung ging es an den Abstieg. Wir wussten, die ersten Höhenmeter sind unfahrbar. Teilweise mit Drahtseilen abgesicherte Abschnitte überwanden wir aber mittlerweile gekonnt. Das Fahrrad auf den Schultern balancierend konnte ich teilweise sogar beide Hände freibekommen. Dort wurden wir dann auch zum Fotomodell diverser Mitabsteiger, welche hektisch ihre Kamera hervorkramten und uns zuriefen, dass wir doch bitte mal kurz stehen bleiben sollten.

Der Blick auf den Vernagt Stausee von oben als plötzlich die Nebelwand aufriss werde ich nie mehr vergessen. Das Bild hierzu reicht nicht mal annähernd aus, wie diese Stimmung auf uns gewirkt hat. Von allen Seiten war ein Raunen zu hören, als der tief türkisblaue See sich auftat. Wir rollten ihm später entgegen und freuten uns am Anblick.

Weiter ging es auf einem Wanderweg hinter dem See Richtung „Unsere Frau“. Der Weg war schmal und teilweise verwurzelt, aber im Prinzip fahrbar. Eigentlich…wenn man die Breite seines Lenkers bedenkt. Links von uns ging es immer wieder mal sehr steil und steinig bergab und gerade in einem Moment der Unachtsamkeit war es passiert. Ein Baum stellte sich mir in den Weg, klammerte sich rechts an meinem Lenker fest und warf mich in hohem Bogen nach links ab. Ich machte einen Purzelbaum in der Luft, das Fahrrad jagte mir hinterher. Reflexartig warf ich die Hände nach vorne und über das Gesicht. Das Radl prallte daran ab. Während ich flog, dachte ich mir noch: „Oh scheiße, da geht’s weit runter.“ Doch ich hatte unverschämtes Glück. Reisig und trockene Zweige waren genau an dieser Stelle angehäuft und so wurde mein Fall nicht mal 2 Tiefenmeter später relativ weich abgebremst. Ich setzte mich an den Rand, ließ die Beine baumeln und hob noch schnell den Arm, damit Markus sehen konnte, dass ich noch lebte. Kurze Sammelphase, Radl wurde auf den Weg zurück gewuchtet, ich inspizierte Technik und Körper und nachdem ich nur eine blutende Wunde am Knie und diverse Abschürfungen und Prellungen verspürte, konnte es dann auch schiebend weitergehen. Fahren wollte ich dann doch erstmal wieder auf etwas breiteren Wegen.

Wir kamen auf Asphalt Straße an und jagten mit mehr als 60 Sachen fast 10 km unserem nächsten Zielort Plaus bei Naturns bergab entgegen. Dort angelangt, waren wir zunächst etwas enttäuscht von unserer Unterkunft. Direkt an einer stark befahrenen Straße, von außen eher als Absteige und Bar zu bezeichnen, waren wir sicher, dass wir hier nicht viel Schlaf abbekommen würden. Doch es stellte sich heraus, dass die Zimmer sehr schön neu hergerichtet waren und mit Lage zum Berghang vollkommen ruhig. Das Essen war klasse und die Bedienung mal wieder ausgesprochen nett und zuvorkommend!

AX16 (43 von 106)
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Hier lässt es sich leicht treten
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AX Etappe 4 | Plaus – Naturns – Naturnser Alm – Ultental – St. Getraud

51.83 km Distanz
6.4 km/h Ø Geschwindigkeit
8:06:28 Zeit
2,243 m Positiver Höhenunterschied

Heute merkte ich ein wenig die Nachwehen von gestern. Der ein oder andere Blaue Fleck kam durch den Sturz dazu und die Schürfwunden zogen ein wenig. Aber alles war im Rahmen, solange ich Arme und Beine bewegen konnte. Und das konnte ich.

Das Frühstück war sehr reichlich an Auswahl, aber ich tat mir auch heute in der Früh wieder schwer, etwas zu essen. Frühstück kurz nach dem Aufstehen war noch nie mein Ding und heute empfand ich sogar das Kauen meines Müslis als anstrengend. Grundsätzlich brauch ich morgens immer etwas Anlauf und normalerweise trinke ich 2-3 Kaffee, was aber hier vielleicht eher kontraproduktiv sein könnte, es sei denn man hat schnell nen Wald beim Fahren zur Verfügung 😉

Dieses Mal hatten wir ein leichtes Einrollen. Wir fuhren eine Nebenstraße nach Naturns zurück, entlang einer Apfelplantage nach der anderen. Die Äpfel sahen dermaßen einladend aus, dass wir schon kurz überlegten, ob wir uns nicht einen stibitzen sollten. Gut, dass wir das nicht gemacht hatten, denn später stellten wir fest, dass diese unter Strom standen. Wahrscheinlich hätt’s uns ordentlich eine gewischt oder irgendwo wäre der Alarm losgegangen. Dann wären die Vinschgauer mit Mistgabeln und Fackeln hinter uns her und dieses Wettrennen hätten wir vermutlich apfelkauend verloren.

Wir fahren die Asphalt Straße immer dem MTB Uphill Schild folgend nach oben. Wir haben dazu gelernt und nicht mehr auf Garmin gehört. Der wollte uns schon wieder quer den Wanderweg hochjagen, doch diesmal haben wir ihn ausgeschmiert. Nach 1400hm sollte uns dann die Naturnser Alm erwarten. Wir gehen es locker an, fahren fast schon technisch. Ich achte auf Puls und einigermaßen runden Tritt und alle 250hm suchen wir uns einen schönen Punkt für eine Trinkpause mit Aussicht. Leider hatte es gestern mein Knie erwischt und so merke ich bald, dass jeder Druck ins Pedal schmerzhafter wird. Ich geh in den ersten Gang und fahre mit wenig Kraft auf dem linken Bein. Geht auch, das rechte Bein muss eh noch bissl was aufholen! Ich genoss es, freute mich auf den heutigen Tag und die Höhenmeter, welche sich schön radeln ließen.

Nach ca. 600hm wechselte der Asphalt auf Schotter und so zogen wir unsere Serpentinen weiter mit knirschenden Reifen hinauf. Ein kurzer Kuhalmabtrieb verschaffte uns eine kleine Zwischenpause und schon ging es weiter.

Oben auf der Alm verpflegten wir uns ausgiebig und trafen nette Wanderer. Diese gingen mit ihrem schwarzen Labrador noch ein kleines Stück mit uns mit, als wir unsere Radl mal wieder einen kleinen Wanderweg hochtrugen. Wir unterhielten uns, bis sich dann auch schon unsere Wege trennten. Atemberaubende Aussicht auf einem Hochplateau ließen uns Glückshormone ausschütten. Ja, so hatte ich mir das vorgestellt. Fast jede Anstrengung wird bei so einem Alpencross belohnt. Ich war selig. Auch als wir wieder einen Wanderweg runterschieben und tragen mussten, konnte meine Stimmung nicht wirklich trüben, auch wenn ich hochkonzentriert jede Rutschbewegung vermied. Zu Hause wäre ich auf solchen Wegen wohl etwas experimentierfreudiger und hätt’s fahrend probiert.

Wir erreichten Schotter und anschließend Asphalt, welchen wir mit hochgezogenen Bufftüchern über dem Mund herunterjagten. Ein Bauer hatte sein Odelfass einfach auf der Straße ausgekippt und bevor uns die stinkende Brühe wieder einholen konnte, fuhren wir lieber schnell weiter. Leider hatten wir uns da etwas in der Strecke verirrt und mussten einen Anstieg wieder nach oben. Dieser fiel mir schon deutlich schwerer zu drücken und langsam kamen Zweifel auf, ob ich den AX zu Ende fahren konnte. Das Knie wurde dick und heiß, jeder Druck auf das Pedal schmerzte heftiger. Beim Gehen hatte ich keinerlei Probleme, also überlegte ich fieberhaft, wie sehr uns das zeitlich nach hinten werfen würde, wenn ich starke Anstiege absteigen und schieben müsste. Ich beschloss es auf mich zukommen zu lassen und diverse Alternativen im Hinterkopf zu behalten. Eine Etappe mit dem Bus? Taxi? Auto aus Ehrwald holen und zum Gardasee bringen, um dort Markus aufzusammeln? All diese Varianten spukten in meinen Gedanken rum, als wir langsam aber sicher auf St. Gertraud durch das Ultental zu rollten. Die wunderbare Landschaft riss mich immer wieder aus den düsteren Überlegungen und konnte mich ablenken.

Wir hatten wirklich Glück mit dem Wetter. Auch wenn uns gegen Ende der Etappe die letzten 5 km ein leichter Nieselregen einholte, so waren wir nie auch nur annähernd in einen Wolkenbruch oder gar Gewitter geraten. Das ist dann vielleicht doch ein Vorteil vom September.

St. Gertraud wollte nicht so recht heranrücken, die leichte aber stetige Steigung zerrte an unseren Kräften. Als wir dann auch noch einen letzten heftigen Anstieg zur Unterkunft bewerkstelligen sollten, zog ich es vor zu schieben.

Unser Zimmer lag diesmal versteckt hinter einer Holztreppe, an der wir uns vorbeidrücken mussten. Zunächst noch mit Rucksack auf dem Rücken. Nachdem ich lachend steckengeblieben war, doch lieber zuerst Rucksack, dann ich.

Die nette Besitzerin fuhr uns später mit den Worten „damit ich mich auch mal wieder auslüften kann, hock ja sonst nur da im Haus“ mit ihrem alten Fiat Panda wieder zurück nach St. Nikolaus, damit wir dort Geld vom Automaten holen konnten, da wir komplett ausgebrannt waren. Wieder einmal eine unglaublich nette und zuvorkommende Geste!

AX16 (56 von 106)
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Diesmal folgen wir dem MTB Schild
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AX Etappe 5 | St. Gertraud – Rabbijoch – Male – Dimaro

36.59 km Distanz
6.9 km/h Ø Geschwindigkeit
5:18:12 Zeit
1,098 m Positiver Höhenunterschied

 

Dass die Unterkunft so hochgelegen war, war nun taktisch doch nicht mehr so schlimm. Wir mussten eh rauf auf einen schönen Trail Richtung Rabbijoch. Der Weg war herrlich, noch nass vom Regen und ein Gebirgsbach plätscherte an uns vorbei. Einmal war wieder ein kleiner Abstecher durch Tragepassagen im Wanderweg, da wir wieder den falschen Weg nahmen. War nicht weiter schlimm, denn so sahen wir eine schöne verwunschene Märchengegend. Später kraxelten wir wieder auf den Schotterweg rauf und rollten zwischen Bergen im Tal stetig aufwärts. Ich konnte mich an den Hängen und von Nebelschwaden durchzogenen Wäldern und Berggipfeln nicht satt sehen und war schon wieder eins mit mir und dem Alpencross.

Nach ca. 400 hm gelangten wir an die Kaiser Alm, an der wir nur kurz stehen blieben und eine kleine Verschnaufpause einlegten. Wir versuchten noch ein paar Meter weiter zu fahren, gaben aber letztendlich doch auf. Die Frischesten waren wir halt nimmer und so sparten wir uns die Körner und schoben ab hier zum Rabbijoch. Der Weg wurde steiler und von Weitem sahen wir Schäfer, welche ihre Schafe am Hang zusammenhielten. Bald war Almabtrieb, ein großes Fest und sie mussten langsam aber sicher die Herde zusammentreiben, damit später kein Vieh abhanden kommen konnte. Der Weg war voll mit Schafhinterlassenschaften und so begann bald alles danach zu stinken. Rad, Handschuhe und Jacke konnten sich nicht dagegen wehren, aber irgendwann machte einem das auch nichts mehr aus.

Leider zog es sich immer mehr zu und als wir dann bald am Stoananden Mandl oben am Rabbi ankamen, sahen wir nicht mehr viel vom Tal. Es war trotzdem schön. Eine mystische Stimmung kam auf und wir traten die letzten paar Höhenmeter über den Passo zu Fuß an. Ich bewunderte immer wieder die schönen Quarzsteine am Boden.

An einer kleinen Hütte orientierten wir uns an den Schildern. Hier gibt es einen „neuen“ MTB Trail, den wir auch gleich antraten. Lange und schön zog er sich am Hang entlang. Wäre es nicht so rutschig durch die Nässe, dann hätten wir uns mehr zugetraut. Leider überschätzte Markus an einer Geraden die Breite des Weges, als er für die nächste Kurve ausholen wollte. Ich sah noch, wie sein Vorderrad den Hang runter eintauchte. Er versuchte sich zu fangen, stützte sich mit dem rechten Bein ab. Aber der Weg war unter seinen Füßen weg und ich sah machtlos zu, wie er den Hang runterpurzelte und anschließend ins Rutschen kam. Er selbst wäre vermutlich sogar eher zum Stehen gekommen, aber das Rad bekam ein Eigenleben. Er konnte es hinterherrutschend greifen und festhalten. Das wäre ein weiter Weg zu Fuß geworden, bis wir es wieder vom Berg zupfen hätten können.

Gemeinsam schafften wir es, dass wir es den steilen Hang zurück auf den Weg wuchten konnten. Kurze Inspektion, soweit alles in Ordnung. Handschuh hat gelitten und wird wohl zu Hause ausgemustert. Aber mehr als 2 Blaue Flecken und ein leicht geprelltes Handgelenk ist zum Glück nicht passiert.

Wir ließen uns dadurch nicht beirren und fuhren den Trail grinsend zu Ende, bis er für uns nicht mehr fahrbar war und wir abstiegen. Wir schoben die restlichen Meter auf eine Asphaltstraße, welche uns schnell und unkompliziert über Radwege nach Dimaro brachte. Wir machten keine große Pause und kamen zeitig in Dimaro in unserem Hotel an. Wir hatten genügend Zeit, um unsere Klamotten mit Waschmittel und Duschgel durchzuwaschen und so den Geruch und Dreck der Fahrt loszuwerden…annähernd.

In Dimaro ließen wir es uns gut gehen, spazierten ein wenig dort herum, tranken Wein und aßen Nudeln und Pizza. Die Welt war in Ordnung und endlich hörte ich italienische Sprache!

AX16 (66 von 106)
AX16 (66 von 106)
Wir tragen mal wieder
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AX Etappe 6 | Dimaro – Madonna – Dolomiti di Brenta Weg – Tione die Trento

47.15 km Distanz
8.4 km/h Ø Geschwindigkeit
5:36:18 Zeit
1,151 m Positiver Höhenunterschied

 

Der Tag begann mit einem Anstieg auf der Asphaltstraße raus aus Dimaro. Es war allerdings in Ordnung, die Steigung gerade recht zum Warmwerden. Und lange mussten wir eh nicht auf der Straße bleiben, da in einer Kurve der Radweg nach Madonna links auf einen Schotterweg wegging. Wir folgten den Schildern und fuhren gemütlich bis zu einem kleinen Wasserfall. Ab dort ging es serpentinenartig teilweise steil nach oben, aber auch das meisterten wir recht unkompliziert. Wir orientierten uns mehr an den Schildern, als an dem Navi und bogen rechts auf einen neuen Weg, welchen das Navi noch nicht kannte.

Dieser war optisch ein Highlight, führte durch Felsenüberhänge und-tunnel entlang vom tief gelegenen Gebirgsbach…oder Fluss…oder etwas dazwischen halt. Es machte Spaß und wir freuten uns über diese bis dahin gelungene Etappe.

Bald kamen wir an einer Bergbahn bei Madonna an und nachdem dort das Restaurant geschlossen hatte, fuhren wir gleich im Downhillmodus eine Skiabfahrt nach Madonna rein. Dort waren auch die Spuren der „Zwischen Sommer und Winter“ Pause zu erkennen. Alle Fensterläden waren geschlossen und so suchten wir uns ein kleines Café, um dort zumindest einen kleinen Snack zu ergattern.

Anschließend ging es immer mit Blick auf die Berge einen Schotterweg Richtung Tione di Trento entlang. Ich konnte mich nicht sattsehen und war begeistert von den Dolomiten und der Aussicht.

Mehrere Schilder verrieten uns, dass der Weg gesperrt wäre. Wegen Waldarbeiten. Wir machten uns keine Sorgen, denn Waldarbeiten bedeuteten bei uns eigentlich immer fahrbare Wege. Bei uns…

Wir kamen an einem Baumarbeiter vorbei, der lässig in Zweigen und Stämmen lag und uns ungerührt hinterher schaute. So dachten wir uns nichts dabei und freuten uns sogar, dass wir wohl die Mittagspause der Arbeiter erwischt hätten und so ungestört den Weg fahren konnten.

Naja, so einfach war es dann doch nicht. Baumarbeiten bedeuteten hier, dass der halbe Wald auf dem Weg lag. Fast einen halben Meter hoch türmten sich die Nadelzweige durchtrennt von noch höheren Stämmen. Wir schulterten unsere Radl und kletterten auf Zweigen wippend durch die Hindernisse. Viel Harz an den Fingern und einem Grinsen im Gesicht später verlief der Schotterweg wieder unproblematisch und im leichten Flow schlängelten wir uns abwärts auf einen asphaltierten Radweg immer entlang der Sarca.

Markus hatte eine Unterkunft in höheren Lagen auf Grund von super Bewertungen gewählt. Zunächst war ich mit dieser Entscheidung nicht glücklich, denn wir fuhren immer weiter weg von der Zivilisation und immer mehr in den Wald hinauf. Wo soll da denn bitte ein Restaurant sein?

Markus versuchte mich zu beruhigen und meinte, dass es da schon was zu essen geben würde. Ich zweifelte daran und murmelte missmutig was von „Es heißt Bed & Breakfast und nicht Bed & Full Pension!“ und radelte weiter.

Ich befürchtete schon ein Abendessen bestehend aus Riegel, welche uns schon zum Hals herausstanden und nach einer kleinen Orientierungsprobe fanden wir das abgelegene B&B. Es war schön gelegen, keine Frage! Mit Blick auf das Tal und auf die Berge.

Als uns die Besitzerin gleich mal zwei Bier in die Hand drückte und uns einen Zettel mit dem Pizzaservice hinschob, war ich ganz auf Markus‘ Seite. Er hat alles richtig gemacht, es war herrlich hier oben!

Ich kann mich einem Rezensenten aus dem Internet nur anschließen: Der Aufenthalt war ein Highlight, nicht nur wegen der schönen Lage, sondern auch wegen der tollen und ausgesprochen lustigen und netten Wirtin. Wir haben uns gut unterhalten und verabschiedeten uns am nächsten Tag per Umarmung und Handschlag.

AX16 (81 von 106)
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Der Startschuss für die Serpentinen
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AX Etappe 7 | Tione di Trento – Riva del Garda – Torbole

41.44 km Distanz
13.4 km/h Ø Geschwindigkeit
3:05:44 Zeit
677 m Positiver Höhenunterschied

 

Der letzte Tag brach an…ich war wehmütig. Einerseits freute man sich auf zu Hause: Dusche, frische Klamotten und das eigene Bett. Aber andererseits ging heute etwas vorbei, auf das wir uns monatelang gefreut und auch hintrainiert hatten.

Ich wollte den Gardasee erreichen und irgendwie auch nie ankommen. Wir haben für diesen Tag eine leichte Etappe gewählt, um zeitig und mit wenig Strapazen in Torbole anzukommen. Wir rollen uns langsam auf Asphalt ein, welcher sich dann bald in Serpentinen nach oben schlängelte. Etwas über 600hm würden es werden und kontinuierlich traten wir einen letzten Höhenmeter nach dem anderen nach oben. Ein Bauarbeiter am Straßenrand wünschte uns „Fortuna“ hinterher, ein kleines Mädchen in dem Dorf oben winkte uns ein „Ciao Ciao“ zu.

Wehmütig und doch ungeduldig fuhren wir auf einen Talschnitt zu. Bekommen wir dort einen Blick auf den Gardasee? Noch ein wenig weiter, zwei Serpentinen nach unten und ja, da war er! Wir hielten an, klatschten uns jetzt schon ab und warfen lange Blicke auf den unter uns gelegenen Gardasee zu. Das Ziel unserer Reise.

Der weitere Weg war unkompliziert, zog er sich ja immer bergab in Serpentinen nach unten. Markus führte mich sicher durch Riva del Garda und wir erreichten den steinigen Strand des Sees. Wir hatten es tatsächlich geschafft. Wir sind einen Alpencross gefahren…

AX16 (97 von 106)
AX16 (97 von 106)
Der erste Blick auf den Lago di Garda
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