Alpencross 2017 | Markus

Alpencross 2017    (16.06.-21.06.2017)

Strecke: St. Anton – Galtür– Scuol – Livigno – Maloja – Colico

Einführung:

Beim diesjährigen Alpencross habe ich etwas länger benötigt, um die endgültige Strecke festzulegen. Ein Kollege erzählte mir von seinem Alpencross an den Comer See. Nach diesen Erzählungen war ich Feuer und Flamme. Doch die erste Hochstimmung wurde durch die doch saftigen Preise in der Schweiz und die schlechte bis nicht vorhandene Verfügbarkeit eines Shuttles zum Ausgangsort gedämpft.
Also plante ich zweigleisig auch noch einen anderen AlpenX an den Gardasee. Doch der Comer See ging mir einfach nicht aus dem Kopf und so schmiss ich alles wieder um.
Also doch der Comer See!
Wir entschlossen uns nach vielen erfolglosen Anfragen für ein Shuttle dazu, selbst mit zwei Autos zu fahren. Eines stellten wir am Zielort ab, das Zweite ließen wir am Startort stehen.

Super. Jetzt konnte es losgehen. Oder?!

Meinen ersten Defekt hatte ich dieses Mal schon vor Beginn der ersten Etappe und zwar zu Hause…
Bei der Überprüfung meines Fahrzeugs fiel mir auf, dass in meinem rechten Hinterreifen eine Schraube im Profil steckte. Da wir einen Feiertag hatten, konnte ich den Reifen nicht mehr reparieren lassen und so bin ich mit Schraube darin losgefahren. Bei den Serpentinen am Splügenpass war mir etwas mulmig zumute. Doch eine Überprüfung des Luftdrucks an diversen Tankstellen ließ uns gut in Colico ankommen. Nach kurzer Stärkung bei unserer eigentlich letzten Unterkunft fuhren wir nun mit Sonjas Auto nach St. Anton zu unserer ersten Unterkunft.

Das Hotel Villa Schlosskopf in St. Anton ist günstig (55€) und dafür vollkommen ausreichend. Da wir ein wenig zu früh in der Saison waren (letztes Jahr waren wir etwas zu spät), hatten wir wieder Mühe ein offenes Restaurant zu finden… aber wir sind im Maximilian lecker satt geworden.

Infos:
Alle angegebenen Preise für die Unterkünfte verstehen sich für das Zimmer, nicht pro Person.
Bei der Ansichtskarte und dem Höhenprofil in den Berichten wurde die GPX aus meinem Garmin Edge importiert. Wenn man dem Wikiloc-Link folgt, gelangt man auf einen externen Anbieter, bei dem die Kartendarstellung meiner Meinung nach gigantisch ist. Leider weichen aber die Höhendaten ein wenig von Garmin ab. Entscheidet selbst, welche Daten ihr bevorzugt.

 

Tag 1:
St. Anton (AUT) – Galtür (AUT)

Am Morgen sind wir zur ersten Etappe gestartet. Von St. Anton aus ging es erst einmal nur bergauf, am Fluss Rosanna entlang und über Verwall und Schönverwall an traumhaften Bergseen vorbei. Das Panorama war die ganze Zeit absolut perfekt. Wir haben Rehe, Murmeltiere, Eidechsen und Kröten gesehen. Wie sind durch Schneefelder gestapft und hatten Tragepassagen. Das Wetter hat ebenso seinen Teil dazu beigetragen, dass wir einen unvergleichen Start in unseren AlpenX hatten. Nach Ankunft in unserem Hotel in Galtür bekamen wir den Tipp, dass wir im Hotel und Restaurant Sabine essen gehen sollten. Und der Tipp war richtig gut. Wir haben dort sehr lecker gegessen und sind am Abend mit vollem Bauch ins Bett gefallen und träumten vom nächsten Tag…
Auch unsere Räder durften sicher die Nacht in einem Skiraum verbringen.

Unterkunft: 
Frühstückspension & Ferienhaus Fädnerspitze
Galtür 49b
6563 Galtür/Österreich
Prei
s: 64 Euro

Tag 2:
Galtür (AUT) – Scuol (CHE)

Nach einem guten Frühstück starteten wir in die 2. Etappe. Und die begann nach kurzem Einrollen gleich knackig, immer bergauf. Viele nehmen hier die Seilbahn, um sich die ersten Höhenmeter zu sparen. Bei uns stand das von Anfang an nicht zur Debatte, da unter anderem die Bahn noch nicht in Betrieb war. Außerdem wollten wir uns die Höhenmeter und die Aussicht „erfahren“. Nachdem wir den doch langen Anstieg geschafft hatten, fuhren wir durch das schöne Verwalltal.
Es ging vorbei am Gasthof Bodenalpe und wir wechselten von Österreich in die Schweiz und fuhren bis zur Heidelberger Hütte. Nach einer leckeren Stärkung machten wir uns zu Fuß auf den Weg über den Fimber Pass…das Rad immer schön geschultert erklommen wir Höhenmeter für Höhenmeter. Anschließend kam ein langer Downhill, der für uns aber oft nicht fahrbar war aufgrund von Beschädigungen am Weg nach der Schneeschmelze. Alles in allem hat der Trail aber trotzdem richtig Spaß gemacht und war hier und da eine echte Herausforderung…bleibe ich im Sattel oder steige ich doch lieber ab.
Als uns die Berge dann das erste mal wieder ausgespuckt haben, fanden wir nicht den richtigen Weg und sind sicherheitshalber auf der Straße Richtung Tal gebrettert. Anschließend mussten wir die ganzen Tiefenmeter wieder hinauf strampeln.
In Scuol angekommen suchten wir unsere Unterkunft, welche ich nicht empfehlen kann. Von außen schaut es ja ganz hübsch aus. Aber von innen hat es den Charme einer Flüchtlingsunterkunft bzw. einer Armeebaracke. Und ein gebuchtes Frühstück bekamen wir ebenfalls nicht. Schade!
Wenigstens die Räder konnten wir sicher in einem Velo-Raum im Haus abstellen…..nachdem wir sie vorsichtshalber auch noch mit einem Schloss gesichert haben!

Unterkunft:
Hotel Quellenhof
Vi 335
7550 Scuol/Schweiz
Preis: 138 Euro

 

Tag 3:
Scuol (CHE) – Livigno (ITA)

Heute sind wir extra früh aufgestanden, da wir die längste und schwerste Tour vor uns hatten mit der Überquerung von drei Pässen. Nach einer Stärkung aus der sehr guten örtlichen Bäckerei (wie gesagt, ein Frühstück gab es im Hotel ja nicht) ging es von Anfang an nur bergauf bis nach S-charl. Auch für diese Strecke bevorzugen manche mit der Seilbahn z.B. bis zur Mittelstation zu fahren, um sich die ersten Höhenmeter zu sparen. Aber wir wollten fahren…außerdem war auch hier die Seilbahn noch nicht im Betrieb.
Man fährt lange Zeit durch einen Nationalpark bis zum Passo Costainas. Anschließend stand der zweite Pass des Tages, der Döss Radond, auf dem Programm.
Doch vorher stärkten wir uns mit alkohlfreiem Weißbier und Spaghetti Bolognese im Landgasthof Staila in Fuldera.
Dabei haben wir einiges über das Liebesleben von Spatzen erfahren, da ein Hobbyornithologe am Nachbarstisch mit Fernglas saß… 🙂
Mit neuer Kraft pedalierten wir auf den Döss Radond und dort folgte anschließend der für mich schönste Trail bergab auf der gesamten Tour! Davon werde ich noch lange zehren!
Aber das sollte es noch nicht gewesen sein. Schließlich standen drei Pässe auf dem Höhenprofil. Also nochmal rauf zum Pass Alpisella. Oben angekommen ging es im Anschluss (fast) nur mehr bergab ins Tal Richtung Livigno. In einer sehr netten Unterkunft haben wir völlig entkräftet Quartier bezogen. Tolles Hotel. Die 2 Sterne, die das Hotel trägt, sind für mich unverständlich…die waren noch nie in Scuol….
Unsere Bikes wurden in der hauseigenen Garage geparkt.

Unterkunft:
Hotel Garni Gimea
Via Saroch 1578
23030 Livigno/Italien
Preis: 80 Euro

Tag 4:
Livigno (ITA) – Maloja (CHE)

Von Livigno ging es nach einem super Frühstück in Richtung Maloja. Für mich war das eine besondere Etappe, da in Maloja der Inn entspringt und in meinem Wohnort Passau endet.
Wollte schon immer mal den Inn-Radweg abfahren…. Jetzt eben ein Teilstück davon!

Aber erst einmal zurück nach Livigno. Anfangs ging es ein Stück bergauf am Waldrand entlang. Schöne Trails mit teils knackigen Steigungen. Auf dem Weg zum Passo Forcola haben wir eine nette Schweizerin kennen gelernt, die alleine unterwegs war und den Weg nicht gefunden hat. Wir halfen ihr kurz mit dem Hinweis auf den richtigen Weg aus, nur damit sie sich später doch verfahren sollte. Da sie uns aber auf dem anderen (richtigen) Weg gesehen hat, hat sie die gefressenen Höhenmeter wieder in Tiefenmeter verwandelt und ist uns gefolgt.
Am Pass angekommen berieten wir uns kurz mit ihr, da wir unsere Strecke von hier aus auch noch nicht ganz fix hatten…ich hoffe, sie hat noch den Einstieg in ihren Trail gefunden.
Wir sind auf jeden Fall die Passstraße mit knapp 75 Sachen runter gerast, um anschließend den Bernina Pass hinauf zu klettern. Von da wieder die Passstraße runter und bei Bernina Suot immer auf flowigen Trails Richtung der Silvaplana Seen, wo ich im noch jungen und eiskalten Inn meine Füße wieder auf Betriebstemperatur gebracht habe. Am späten Nachmittag kamen wir dann bei unserer Unterkunft in Maloja an. Das Haus kann ich auch sehr empfehlen, bei logischerweise Schweizer Preisen. Und da immer noch keine wirkliche Saison war, waren wir fast alleine im Haus.
Auch hier gab es einen extra Raum, in dem unsere Bikes sicher über Nacht stehen konnten.

Auch heute machten wir viele nette Begegnungen mit Wanderern in allen Altersklassen. Und wieder einmal kann ich diese Hatz auf Mountainbiker, die derzeit in manchen Teilen Österreichs und mittlerweile auch in Deutschland betrieben wird, nicht verstehen. In einem Bericht, den ich letztens auf ARTE gesehen habe, meinte ein Mountainbiker: „Je höher man kommt, um so netter sind die Begegnungen mit den Wanderern!“. Dem kann ich nur zustimmen.

Unterkunft:
Hotel Pöstli
Hauptstrasse 24
7516 Maloja/Schweiz
Preis: 156 Euro

Tag 5:
Maloja (CHE) – Colico (ITA)

Mit der fünften und letzten Etappe stand eine Leichtere auf dem Programm. Wir hatten fast 1700 Tiefenmeter zu absolvieren und nur wenige, kleinere Anstiege vor uns.
Nach einem ausgiebigen und sehr guten Frühstück im benachbarten Hotel Schweizerhaus (4 Sterne) hieß es rauf auf die Räder – der Comer See ruft!
Immer wieder brausen wir abwechselnd einmal direkt auf der Passstraße, zum anderen auf Schotter- und Waldwegen hinunter ins Tal. Und immer vor tollem Bergpanorama.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Colico, doch die letzten Kilometer zogen sich wie Kaugummi. Wir hatten Gegenwind und die Hitze machte uns zu schaffen.
Die erhoffte Abkühlung mit Eis an der Promenade des Comer See half da auch nur wenig. Es war einfach zu heiß und die Strapazen der letzten Tage hingen in den Oberschenkeln und der Hintern schmerzte.

Bei Ankunft am Hotel durfte ich leider feststellen, dass mein Autoreifen komplett platt war und ich wohl am nächsten Tag das Ersatzrad aufziehen muss.
Nach einem Reifenwechsel mit Tücken konnte ein Reifenhändler in Colico den beschädigten Reifen zum Glück flicken und gab uns als Andenken die Schraube aus dem Reifen und einen eingedrückten Schweller am Auto mit. 🙁
Aber auf jeden Fall sind uns viele Kilometer mit 80 km/h auf der Autobahn erspart geblieben…
Am Comer See hatten wir dieses Mal aber zwei Übernachtungen eingeplant, damit wir den Ort auch etwas länger genießen konnten. Da es uns aber nicht gleich wieder auf die Räder zog, machten wir eine kurze Wanderung zum nahe gelegenen Zisterzienser-Kloster Abbazia di Piona. Mit einer Tasche voll Honig und Likor machten wir uns auf den Heimweg. 🙂
Ob es  eine Abstellmöglichkeit für die Bikes beim Albergo Conca Azzurra gibt kann ich nicht sagen, da wir sie gleich im Auto deponiert hatten. Aber sicher hätte Sara (die Besitzerin des Hotels) ein Platz für die Räder gefunden!

Unterkunft:
Albergo Ristorante Conca Azzurra
Via Abbazia di Piona 119
23823 Olgiasca LC/Italien
Preis: 180 Euro für zwei Übernachtungen

Fazit:
Das war ein toller Alpencross. Anders und etwas einfacher als der Erste an den Gardasee, aber trotzdem sehr schön.
Man fährt wesentlich länger auf Hochplateaus und vor gewaltiger Bergkulisse.
Die Preise in der Schweiz machen die gesamte Tour etwas teurer, schmälern aber nicht wirklich das Erlebnis. Jedoch gestaltet es sich mit dem Shuttle zum Ausgangsort wesentlich komplizierter und man sollte sich rechtzeitig darum kümmern. Aber während der Saison ist das vielleicht ein wenig einfacher.
Mal sehen, wo es uns das nächste Mal hinzieht…vielleicht die Ostalpen…durch Slowenien bis an Mittelmeer? Wir werden es sehen, denn der Ruf der Berge ist klar und deutlich zu hören!

Für mich bleibt von dieser Alpenüberquerung vor allem die Gastfreundlichkeit und die Begegnungen mit vielen netten Leuten in Erinnerung, mit denen wir immer super ins Gespräch gekommen sind. Egal ob Wanderer, Gastwirte, Hotelbesitzer oder Mountainbiker.

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