Alpencross 2017 | Sonja

Auch dieses Jahr sollte es mit dem Rad mehrere Tage über die Alpen gehen. Da ich relativ entspannt in der Zielführung war dieses Mal, war ich gleich Feuer und Flamme über den Vorschlag, doch mal an den Comer See zu fahren. Hauptsache ein paar Tage auf „Luxus“ und Komfortzone verzichten und Körper und Geist mit purem Radeln herausfordern.
Es war allerdings irgendwie im Vorfeld schon anders, als letztes Jahr: Der AX war früher, d.h. ich war noch sehr untrainiert und wenig im Sattel gesessen und zudem vom Kopf her noch nicht wirklich so weit. Arbeit und andere Gedanken haben mich dieses Mal etwas mehr beansprucht, so dass ich mich zwar auf den Alpencross letztendlich schon gefreut hatte, aber so wirklich drauf vorbereitet war ich nicht.
Das hat sich schon beim Packen des Rucksacks bis hin zu den restlichen Vorbereitungen verdeutlicht. Der Rucksack ist sau schwer geworden, trotz 2 Tage weniger Fahrt und ich selbst war etwas unstrukturiert, da wir logistisch auf zwei Autos verteilt waren und man für unterschiedliche Situationen packen musste. Letztendlich hat es funktioniert, auch wenn der Evoc diesmal eindeutig zu schwer war. Das hab ich die 5 Tage auf dem Radl zu spüren bekommen, aber auch meine Lehre daraus gezogen.
Mit dem „Bald-Platten“ an Markus‘ Auto und meinem wandernden Riss in der Windschutzscheibe im Hinterkopf fuhren wir also in der Nacht los. Die Fahrt an sich verlief reibungslos…anstrengend, aber soweit war alles im grünen Bereich. Zum Glück sind wir beide lange Autofahrten gewohnt. Aber am Abend wieder an unserem Startpunkt angekommen, war ich froh, dass ich das Lenkrad vom Auto erstmal gegen das eines Radls tauschen werden würde. Zumal sich die Fahrt von unserem späteren Zielort Colico bis zu unserem Startpunkt St. Anton als seeeeehr mühselig erwiesen hatte, da die Straße gefühlte 300 Baustellen hatte, welche auf eine Fahrbahn verengt natürlich im Ampelbetrieb aufrecht erhalten wurde…und wie soll es anders sein: 299 dieser Baustellenampeln waren IMMER rot…für Stunden! (*hüstel* okay, ich neige zur Übertreibung, aber der geneigte Leser soll merken, dass einige Autofahrer vor mir, welche des Serpentinenfahrens nicht mächtig sind, echt Dusel hatten, nicht von ’ner Aggrotante im weißen Mazda an den Ampeln angepöpelt geworden zu sein)
Wie gesagt, einige Baustellen und verbale Aussetzer später kamen wir in St. Anton an und hatten gleich wieder das Problem mit den Restaurants: Diesmal waren wir also zu früh in der Vorsaison und viele Betriebe hätten uns eine Maurerkelle voll Mörtel geben können, aber kein Abendessen. Das gefundene Restaurant war dafür völlig in Ordnung und der Fußmarsch dort hin kam uns gerade recht.

 

Route | St. Anton – Galtür – Scuol – Livigno – Maloja – Colico | 16. Juni 2017 – 21. Juni 2017

 

306.05 km Distanz
28:42:18 Zeit in Bewegung
6.873 m Positiver Höhenunterschied

 

 

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AX Etappe 1 | St. Anton – Verwalltal – Schönverwall –  Galtür

38.15 km Distanz
1.195 m Positiver Höhenunterschied

Es konnte losgehen: Das Auto war umgeparkt, damit es die nächsten paar Tage nicht allzu sehr im Weg stehen würde, die Radl nochmal kurz mit Kettenwachs versehen, die Rucksäcke verzurrt und auf den Rücken gewuchtet und die Schuhe eingeklickt. Die ersten paar Höhenmeter gingen auf Asphalt dahin und ich merkte das ordentliche Gewicht des Rucksacks. Ich wusste ja, dass er zum Einen leichter werden würde, weil die Trinkblase noch gut gefüllt war und zum Anderen erstmal der Rücken sich wieder daran gewöhnen musste. Aber trotzdem knabberte man die ersten paar Meter doch ziemlich am Zweifel herum, aber davon beirren lassen war keine Option! Alles würde gut gehen, zur Not halt einfach mal bissl langsamer.
Wir kamen bald auf Schotter an und der Weg ließ mich frei aufatmen: Endlich unterwegs! Ein Unimog überholte uns, darauf waren Kühe verladen und glotzen wiederkäuend zu uns herab. Da schau her, die Kühe ham also noch nen Shuttle erwischt!

Für mich neu waren die Barrieren für die Kühe auf den Schotterwegen. Bekannt waren mir bisher Kuhgitter am Boden oder eben richtige Gatter. Hier setzte man auf Plastik“gerten“, welche horizontal links und rechts den Weg absperrten, aber durch die man ohne anhalten zu müssen durchfahren konnte, da sie mittels Feder wieder schließten. Wir rätselten noch ein wenig, wie man die Kühe dazu brachte, da nicht durchzugehen, als auch schon die Erste Anstalten machte, auf uns zu zugehen. Schneller tretend fuhren wir an ihr vorbei…die Kühe hier dürfen nämlich teils noch Hörner haben und viele haben nebst Bullen auch noch die Kälber dabei.

Landschaftlich hatte der erste Tag unseres AX es schon wirklich super auf den Punkt gebracht. Man ist recht schnell im alpinen Bereich, umgeben von Gebirgen mit Schneespitzen. Bergbäche und -flüsse waren unsere Begleiter. Zum ersten Mal konnte ich das Pfeifen der Murmeltiere hören und als ich dann auch endlich eins sehen durfte, war ich hin und weg. Die Viecher hatten es mir angetan und bei jedem Weiteren deutete ich begeistert hin.

Wir kamen von breiter Schotterstraße zu einem Singletrail neben Flußbächlein und merkten schnell, dass man heute schon das erste Mal tragen durfte. Aber das gehört für mich zum AX einfach dazu und Tragen ist mir allemal lieber als Schieben. Warum auch immer, aber beim Schieben stell ich mich einfach zu blöd an. Diesmal war die erste Tragepassage zwar gewöhnungsbedürftig und irgendwie fand ich noch nicht die richtige Position, aber im Laufe des AX war das dann wieder ein gewohnter Bewegungsablauf geworden und zur Routine übergegangen.

Immer wieder stapften wir durch teils sulzige Schneefelder und sanken dabei nicht nur einmal bis zum Oberschenkel ein. Ich war froh, dass ich mir Knieschoner zugelegt hatte, denn die fanden definitiv ihre Bestimmung an diesem Alpencross. Markus hätte bei einer Versenkung auch lieber welche angehabt, denn einmal stieß er sich schmerzhaft das Knie an einem Felsen dabei an. Ich muss sagen, dass ich diesmal ohne blaue Knie nach Hause gekommen bin und nehme gerne sämtliche doofen Blicke auf mich dafür, da ich die Dinger auch beim Uphill getragen hatte (wie übrigens die Jacke auch), da es mir irgendwann zu doof geworden war, die Sachen ständig an- und auszuziehen. Zudem waren es zwar 5 extrem heiße Tage, aber oberhalb der 2000er Grenze wehte doch der ein oder andere Wind und da ich ganz leicht dezent dazu neige bei Anstrengung (kann auch schon mal das bloße Schuhezubinden sein) einen leichten Schweißfilm zu bilden (mit anderen Worten: Gebirgsbäche fließen!), war die Jacke tatsächlich nötig, um nicht ne Erkältung zu erwischen.

Oben am Plateau war dann ein wunderbarer Gebirgssee, auf dessen Ausblick es sich wirklich lohnt. Wir ließen die bewirtete Hütte, auf die es unsere Mitstreiter zog, links liegen und fuhren weiter unseren Weg. Wir hatten noch ein paar km, welche teils auf Schotter, teils auf Asphalt zu einem nächsten Stausee und einem kurzen Zwischenstopp an einer Imbissbude führten. Für mich gab es Pommes mit viel Salz (ich hatte wohl echt viel geschwitzt) und Markus füllte seine Speicher mit einem Germknödel auf. Es war okay, denn von einer Imbissbude mit Mikrowelle konnte man nicht mehr erwarten.

Viele Höhenmeter erwarteten uns aber nicht mehr und nachdem uns ein Einheimischer auf einem E-MTB vor einem Verbotsschild davor warnte, trotzdem den Schotterweg zu fahren, fuhren wir zusammen mit ihm auf Asphalt gen Galtür. Bergab blieb er hinter uns, aber spätestens bei einer längeren Gerade war die Motorunterstützung einfach unschlagbar und wir sahen nur noch die Hinterreifen.

In Galtür angekommen riefen wir die Wirtin der Pension wie vereinbart an und hatten wieder eine super nette Begegnung. Die Zimmer waren sehr gut, die Essenempfehlung mal wieder der Hit!

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Der erste Berg spitzelt schon durch
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AX Etappe 2 | Galtür – Bodenalpe – Heidelberger Hütte – Fimberpass – Scuol

53.02 km Distanz
 1.668 m Positiver Höhenunterschied

Tag II begann in lockerer Atmosphäre im Frühstücksraum. Wir waren mal wieder die Ersten…ob es an unserer Verfressenheit oder unserem Tatendrang  liegt, das sei mal dahingestellt. Auf alle Fälle gab es alles, was das Herz begehrt und die Besitzerin war ausgesprochen nett und zuvorkommend. Sie gab  uns auch den Hinweis, dass die Fimbabahn noch nicht fahren würde. Somit brauchten wir unsere Touripässe dann doch nicht, welche sie uns extra (zur Sicherheit) ausgestellt hatte. Ich war eh nicht so begeistert von der Idee, die Bahn bis zur Mitte zu nehmen. Warum auch immer, solche Dinge kratzen an meiner Ehre und obwohl ich weiß, dass die Fahrt nach Oben absolut keinen Reiz haben würde, ging es mir doch um meinen sportlichen Ehrgeiz. Somit packten wir unsere 7 Sachen und richteten unsere Radl her. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass mir der Lenker zu weit nach vorne geht für meine „Stumbalarme“, denn ich konnte beim normalen Fahren irgendwie nie bequem mit beiden Händen die Griffe sauber umschließen. Also gab mir Markus den Hinweis, dass ich meinen Sattel noch ein gutes Stück nach vorne montieren könnte. Am Vorbau lässt sich in der Hinsicht eh nix mehr machen, der ist schon die kürzeste Option (bitte die Gedanken wieder aus der Gosse nehmen :-). Also, gesagt getan: Sattel nach vorne gerutscht. Allerdings hob es damit auch meine deutliche Absenkung der Sattelnase auf, mit der ich einfach besser klar komme. Somit war der Sattel wieder parallel, wie es sich eigentlich gehörte. Welch bösen Fehler ich dadurch begangen hatte, wurde mir schon nach wenigen Kilometern bewusst, aber ich zog es durch.

Auf dem Schotterradweg zur Seilbahn begegneten wir einige Mitradler, welche ebenfalls mit schwerem Rucksack unterwegs waren. Aber so richtig ins Gespräch sind wir nicht gekommen. Wir nahmen unterschiedliche Wege, sollten uns aber bald schon wieder sehen.

Die Fahrt zur Mittelstation erwies sich als optisch unspektakulär und war sportlich eine Herausforderung. Selbst Serpentinen ziehend schraubten wir uns die Asphaltstraße nach oben und irgendwie fuhr ich mit angezogender Handbremse: Ich kam einfach nicht in meinen Rhythmus und das sollte sich auch bis zum Ende des AX nicht ändern. Mein Kopf spielte nicht mit und verlangte immer wieder den kleinsten Gang, denn schließlich erwartete uns noch eine „Mördertour“ am 3. Tag und außerdem sind es diesmal 2 Tage weniger bei gar nicht so viel km und hm Unterschied und außerdem bist du voll untrainiert und was ist wenn du kränkelst und so richtig mit der Strecke auseinandergesetzt hast du dich ja auch nicht…blah blah blah…mein Hirn wollte einfach nicht die Klappe halten. So kam es, dass ich den Titel „Bergziege“ diesen AX definitiv an Markus übergeben hatte. Der zog es fleißig durch und man sah, wie es im taugte! So sollte es sein und ich gönnte ihm den „Flow“.

Wir gingen bald auf Schotter über, welcher uns landschaftlich schön zur Bodenalpe brachte. Diese ließen wir aber liegen und zogen unsere Spur weiter bis zur Heidelberger Hütte. Dort gönnten wir uns eine Pause und aßen ein paar Kohlehydrate. Die Hütte war gut besucht und bald füllte sich die Terrasse mit Gleichgesinnten. So schön es auch in den Strandstühlen war, wir mussten weiter. Wir sahen unsere andere Gruppe schon den Pass nach oben schieben und da mussten wir auch noch hin. Aber für uns stand fest: Wir tragen! Das ging mir diesmal auch schon besser von der Hand und oben an einem Hochplateau angekommen, versuchten wir es mal mit Fahren. War auch soweit machbar, wenn man nicht mit den Pedalen zwischen zwei Grasbüscheln hängen bleibt…in Zeitlupe viel ich zur Seite. Aber ich hatte ja Knieschoner an 😉 Nix passiert, lachen und weiter geht’s!

Oben angekommen freuten wir uns über den Ausblick und auf den bevorstehenden Trail. Aus Erzählungen wussten wir, dass er super sein sollte…ja: Sollte. Denn leider war er etwas zerstört durch Schneeschmelze und Geröllabgängen, so dass für uns oft nur Tragen und Klettern übrig blieb. Aber den restlichen Weg, welcher immer mal wieder von Löchern durchzogen war, über die man kurz hinwegkletterte, konnten wir durchaus genießen. Wir stellten fest, dass wir schon mehr schwierige Passagen fahrend bewältigen konnten diesmal, als beim ersten AX2016.

In Scoul erwartete uns eine der teuersten Unterkünfte. Und die Ernüchternste! Der Wirt war nur die Vertretung, das gebuchte Frühstück gab es nicht. Dafür hatten wir 15 CHF Erlass bekommen…das möchte ich sehen, wie er für 2 Personen in der Schweiz ein Frühstück für 15 CHF herzaubert!? Aber nun gut, wer weiß, was wir da dann aufgetischt bekommen hätten. Die Zimmer waren so lala, der Weg dorthin optisch einer uralten Schule gleich, welche dann für Asylbewerber umfunktioniert worden war und danach zur Bundeswehrbarracke wurde…und irgendeiner dachte sich: Mach ich mal ein teures Hotel draus und bastel Bäder in die Zimmer. Denn das war nämlich der schönste Ort in dem Hotel. Ich hab eigentlich keine besonderen Ansprüche, aber es sollte dem Preis gerecht sein. Schweizer Preise hin oder her, aber das Hotel war überzogen teuer und absolut keine Empfehlung!

Das Abendessen gegenüber im Restaurant war zwar für unsere Begriffe teuer, aber angemessen für die Schweiz und dafür sehr lecker und die Bedienung mit Witz und Charme.

Wir stellten im Zimmer fest, dass es die GPX Datei auf Markus‘ Garmin zerschossen hatte und bemühten uns um eine Alternative. Höhenprofil im Old School Modus auf Papier und die Ursprungs-GPX als digitale Unterstützung mussten genügen. Zumal die morgige Strecke ein Teil vom Nationalpark Marathon war, waren wir recht guter Dinge. Kurz überlegten wir, ob wir bis S-Charl den Postbus nehmen sollten, damit wir uns ein bisschen unspektakuläre Höhenmeter und Kilometer sparen konnten, aber auch hier kratze es an meiner Ehre…und dem Geldbeutel. Die Fahrt wäre mit 30 CHF pro Nase nicht sehr günstig gewesen und die Gefahr, keinen Platz für die Radl zu bekommen zu groß. Auf geht’s, des fahr ma!

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Herrlicher Blick
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AX Etappe 3 | Scuol – Passo Costainas – Döss Radond – Alpisella – Livigno

76.46 km Distanz

2.259 m Positiver Höhenunterschied

Gesagt…getan! Mit einem leckeren Frühstück vom örtlichen Bäcker im Bauch (die Dinkelsemmal waren ein TRAUM! Deutschland, guckt euch das mal ab!) rollten wir los. Die markierte Strecke „444“ fanden wir schnell und es ging auch bald gut bergauf. Nationalpark durfte es sich wirklich nennen und es war schön, durch die Wälder zu Radeln. Den Postbus sahen wir auch ein paar mal, aber ich bereute es nicht. Noch. Denn bald zogen sich die Höhenmeter auf Schotter neben einem Rinnsal von Fluß dahin. Man sah es nicht…aber es ging bergauf. Stetig und unermüdlich. Wie Kaugummi knirschten die Reifen durch den groben Schotter, so dass ich nie wusste, ob ich den Dämpfer jetzt ausschalten sollte, oder doch lieber beibehielt. Ca. 600hm und ein paar Stunden später kamen wir in S-Charl an. Der Weg führte uns den Wanderweg entlang und für 3km hatte ich einen netten Begleiter namens „Olaf“ auf meinem Handschuh mit dabei. Er sonnte sich und genoss den Fahrtwind, bis es ihm dann doch irgendwann zu doof wurde und er davon flog. Auf dem Wanderweg gab es wirklich auch nicht ein einziges Mal Probleme mit Wanderern! Man begegnete sich mit Respekt und grüßte. Ich finde man kann es nicht oft genug betonen, aber jeder sollte einfach dem Anderen gegenüber respektvoll und mit Verständnis begegnen. Als Radler brech ich mir nichts ab, einfach mal langsam zu fahren und als Wanderer bedeutet es keine große Anstrengung, einen Schritt auf die Seite zu gehen. Idioten gibt es auf allen Seiten, man muss nur genug Ehrgeiz haben und selbst keiner sein! Egal wie die Begegnung aussieht.

Die Höhenmeter pumpten sich in unsere Oberschenkel und die Sonne brannte erbarmungslos nieder. Bei einer kleinen Hütte machten wir einen Zwischenstopp: Mein Sattel musste wieder geändert werden. Es ging absolut gar nicht! Klar, dass einem der Hintern ein wenig weh tut auf so einer Tour, aber DAS war nicht auszuhalten für mich und ich wurde immer langsamer, da ich öfter aus dem Sattel stieg. Beim Halt montierte ich den Sattel auf meine gewohnte schräge Nase um, fluchte über mein Multitool, welches ich schon lange durch ein besseres austauschen wollte, futterte einen Riegel und blickte gespannt auf den weiteren Verlauf der Strecke: Alles war bisher wirklich super gut ausgeschildert und eine Orientierung stellte nie ein Problem dar.

Am Passo Costainas angekommen trafen wir auf ein Schweizer Pärchen und kamen kurz ins Gespräch. Was wir so machen, wohin sie so fahren etc. Sie fragten uns, warum wir unsere Jacken anhätten und wieviel Gepäck wir dabei hätten. Als wir dann was von 8-10kg für eine 5 Tagestour murmelten, meinte der ältere Mann, dass er auch immer sein 5 Tagestour Gepäck mit im Schlepptau hätte und klopfte sich auf seinen doch wohl geformten Bauch. Aber ich musste schon vorher feststellen: er zog die Fahrradtour durch und das nicht so langsam! Ohne E-Bike! Sie fragten, ob wir für den Marathon trainieren würden? Da musste ich lachen und wir verneinten…ein wenig geschmeichelt fühlte ich mich aber doch, dass sie es uns annähernd zutrauten, da überhaupt mitzufahren. Im Netz habe ich mich erkundigt, was da so die besten Platzierungen für die große Strecke sei: 5 1/2 h für 4026hm und 137km…wir haben für die Hälfte, die doppelte Zeit benötigt *lach*

Wir fuhren weiter den Pass hinunter und genossen diese Wahnsinnskulisse! Murmeltiere pfeiften und wir kamen auf einen Trail, der sich für mich als mentale Herausforderung darstellte. Mit Schotter hatte ich es seit meinem Sturz nicht so und so kam es wie es kommen musste, dass durch meine Vorsicht das Rad wegrutschte und meine Moral in den Keller sank. In Fuldera angekommen, war ich froh diese Passage überwunden zu haben und es gab Spaghetti Bolo und ein alkoholfreies Weizen…zu Schweizer Preisen. Beim Zahlen der 60 Euro freute ich mich bereits auf Italien!

Pass zwei an diesem Tag war der Döss Radond, der sich mit einer Mischung aus Schotterschieben und Schotterfahren bezwingen lassen konnte. Was danach allerdings kam, war ein saugeiler Singletrail! Trotz Schotter konnte sogar ich ihn genießen und es war der bisher beste Trail seit meinen AX-Touren! Er hat wirklich Spaß gemacht und wenn man ausgeruht und mit Vorwissen diesen Trail nochmal fahren könnte, ich glaube, dann würden wir drüber fliegen!

So konnte man den dritten Pass des Tages angehen, welcher dann ab Italien leider nicht mehr so schön ausgeschildert war. Wir fuhren durch ein Schotterfeld und der Wind pfiff durch die Bergschneise uns entgegen. Wir kamen an alten Baracken und einem riesigen Stausee mitten in den Bergen an und bewunderten das Bauwerk. Der Pass Alpisella war dann für mich meist nur noch schiebend machbar. Die Oberschenkel waren Quark. Aber trotzdem war ich stolz auf die Leistung, auch wenn ich sehr langsam unterwegs war und freute mich in Livigno angekommen zu sein. Dort war die Suche nach der Unterkunft zwar eine kleine Orientierungsprobe mit vielen Richtungswechseln, aber letztendlich sind wir in einer netten, schönen und gemütlichen Unterkunft angekommen. Eine nette Frau erwartete uns, zeigte uns die Garage für die Radl und gab uns unseren Schlüssel. Das Zimmer war herrlich und wir bekamen mal wieder eine super Empfehlung zum Essen. Dort waren viele Einheimische, was schon mal ein gutes Zeichen war. Ohne viel Schnickschnack wurde man hier bedient und ich fühlte mich mit dem saloppen Umgang sau wohl! Mit vollen Bäuchen kugelten wir zur Unterkunft zurück und am nächsten Morgen gab es ein wunderbares Frühstück in toller Atmosphäre. Wir waren froh, dass der Stromausfall, welche die Schließanlage der Haupttür lahmlegte, erst nach unserer nächtlichen Ankunft war. Sonst wären wir schön blöd da gestanden.

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AX Etappe 4 | Livigno – Passo Forcola – Bernina Pass – Silvaplana See – Maloja

63,02 km Distanz
 1.386 m Positiver Höhenunterschied

Heute stand die Etappe nach Maloja an, auf die sich Markus ganz besonders freute. Denn hier entsprang der Inn aus mehreren Bergquellen. Da wir dort wohnen, wo der Inn aufhörte, war das für uns etwas Besonderes.

Der Weg dorthin führte uns zunächst zum Passo Forcola über einen schönen Weg neben der Fernpassstraße. Ich fand diesen Weg sehr schön, auch wenn viele immer meinen, dass sie die Nähe zur Passstraße stören würde. Ich muss sagen, dass man davon so gut wie nichts mitbekommt und optisch der Schotter-/Singletrail durchaus was zu bieten hatte. Wir trafen auf eine etwas desorientierte Schweizerin, welcher wir den Weg zum Passo zeigten. Leider verfuhr sie sich dann doch nochmal, aber oben angekommen warteten wir auf sie. Leider war ihre Tourikarte etwas ungenau und sie suchte einen bestimmten Trail. Die Zöllner konnten da auch nicht weiter helfen und da sich aber oben unsere Wege trennten, können wir nicht mehr sagen, ob sie nun den richtigen Trail gefunden hatte, oder nicht.

Wir schossen die Passstraße nach unten, ließen ein Rennradfahrerpärchen hinter uns, welche uns dann aber bergauf zum Bernina Pass wieder überholten. Dort fand ich zeitweise wieder in meine alte Form zurück und das erste mal auf diesem AX hatte ich das Gefühl, dass wieder alles stimmte. Begleitet von einem Schweizer Rennradteam, welche uns bergauf überholten um anschließend von der anderen Seite wieder entgegen zu kommen, fuhren wir auf den Silvaplana See zu.

Bei einem Singletrail begegnete uns wieder ein älteres Schweizer Pärchen mit Hund und diese bedankten sich herzlich, dass wir für ihren Hund langsamer fuhren. Ein anderer Mountainbiker sei einfach an ihnen vorbeigeschossen. Wir kamen ins Gespräch und fanden raus, dass die beiden lange Zeit mit dem Renner unterwegs waren, aber nun auf E-Bikes umgestiegen seien. So bekamen wir die Geschichte zu hören, wie der Mann eines Tages mit dem E-Bike den Pass hinauf fuhr und vor sich ein Rennradteam hatte. Einer aus dem Team wollte ständig, dass er überholte und er ihn dabei filmen konnte. Aber um die Worte beim Schweizer zu bleiben (Schweizer Dialekt bitte dazu denken): „Das hätt ich schon machen können, ich hätte nur eine Stufe höher schalten müssen. Aber das wollte ich nicht! Da hätt ich ja die Jungs total demoralisiert zurück gelassen!“…herrlich.

Wir fuhren weiter, hielten unsere Patschen in den kleinen Inn und kämpften uns beim Gegenwind am Silvaplanasee vorbei. Die letzten Kilometer zogen sich im Gegenwind und ich hatte immer im Hinterkopf, dass da vom Höhenprofil her nochmal ein knackiger Anstieg warten würde…trotz Markus‘ beschwichtigenden Worten wollte ich es nicht so einfach wahrhaben. Und behielt recht: Wir fuhren nochmal eine geschmeidige Passage nach oben, folgten einem Trail am Wiesenhang und starteten letztendlich unseren Downhill auf Maloja zu. Maloja ist klein. Wirklich klein! 300 Einwohner in etwa, aber davon haben wir nicht viel mitbekommen, trotzdem wir einmal das Dorf auf und ab gewandert sind.

In einem Nebenhotel gab es Abendessen und super tolles Frühstück und in unserem Unterkunftsgebäude waren wir so gut wie alleine.

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AX Etappe 5 | Maloja – Colico

75.40 km Distanz
 365 m Positiver Höhenunterschied

 

Die letzte Etappe starteten wir erstmal an einer Baustelle direkt vor unserem Hotelausgang. Was aber irgendwie witzig war, denn statt ner schnöden Ampel fungierte ein Bauarbeiter als Anhaltesignal. Wir hielten den Verkehr hinter uns ein wenig auf bei der Baustellen durchfahrt und ließen es anschließend bergab krachen. Da blieb nur ein mutiger Italiener hinten dran, wobei er es auch erst in einer Geraden schaffte, an uns vorbei zu ziehen. Die Kurven haben eindeutig wir gewonnen 🙂

Da wir die meisten Höhenmeter bereits gegen Ende der letzten Etappe gefressen hatten, waren sie heute recht überschaubar. Zwischendrin wichen wir immer mal wieder von der Straße auf Waldwegschotter und ein paar Höhenmeter aus, aber alles in allem war die Fahrt nach Colico unspektakulär. Auf Asphalt ließen wir es rollen und kamen bald auf gerader Strecke an. Das ist vielleicht dann doch der größte Unterschied zum Gardasee: Die letzten 20km ziehen sich hier nach Colico langweilig durch Ortschaften mit Gegenwind. Beim Gardasee ist da doch immer wieder der Blick zwischen den Bäumen auf das Wasser die Serpentinen hinab. Und hat man dann den Downhill vollbracht, geht es recht bald zum See.

Nach Colico waren es noch lange und viele Kilometer, auch wenn wir deutlich Gas gaben mit unserem groben Profil. Aber die Hitze war erbarmungslos und das Eis am ersten Seepunkt verpuffte. Leider hatten wir dann doch nochmal 5km mit Anstieg zum Hotel. Aber einmal von der Hauptstraße runter gingen die Serpentinen recht locker von der Hand. Unangenehm war einfach nur die Straße bis dort hin. Die meisten Italiener haben es nicht so mit Abstand zu Radlern.

Unser Hotel kannten wir ja bereits und wie zu erwarten war, der Hinterreifen von Markus‘ Auto war platt. Das sollte dann aber erst morgen unser „Problem“ werden. Wir verstauten die Radl, begrüßten unsere nette Hausherrin und erkundeten die Umgebung. Sogar ins Wasser konnten wir noch springen und die nächsten zwei Tage gestalteten sich als entspannt und ertragreich (1,5kg Honig und a bissl an Likör)

 

Der Weg nach Hause ging diesmal über die Schweiz…diese Baustellenstrecke wollten wir uns nicht mehr antun. Die Fahrt war lang und in München erwartete uns der obligatorische Stau. Aber den hätten wir so oder so erwischt, auch mit Shuttle.

Alles in allem war es ein gelungener AX, trotz einigen Schwierigkeiten und Organisationsgeschick. Es hat alles geklappt, keine groben Stürze und bis auf den Platten am Auto auch keine technischen Defekte!

Danke Markus und als nächstes kommt die Kalkalpenrunde im Oktober! 😀

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4 Antworten

  1. Tom Tom sagt:

    Hey,
    wisst ihr was guad ist?

  2. Tom Tom sagt:

    In 281 Tagen steht der AX2018 aufm Programm… 🙂

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