Kalkalpentour XL (Nationalpark Kalkalpen)

Einleitung:
Vor längerer Zeit sind Sonja und ich im Nationalpark Kalkalpen in Österreich auf die Hohe Dirn gefahren, um den Ausblick von der Anton-Schosser-Hütte zu genießen.
Bei der Fahrt vielen uns diverse Schilder auf, die auf eine Kalkalpentour in verschiedenen Schwierigkeitsgraden hinwies.
Da uns die Fahrt auf die Hohe Dirn damals gefallen hat, recherchierten wir im Netz nach diesen Varianten. Dabei stießen wir unter anderem auf die Kalkalpentour XL, die mit ca. 260km und 7000hm beschrieben wurde.
Da reifte in uns die Idee, dass wir die Tour ja mal als Saisonabschluss fahren könnten, da sie auch nicht all zu weit von unserem Wohnort entfernt liegt und von den Eckdaten fast mit einem Alpencross zu vergleichen ist. Landschaftlich natürlich nicht ganz. Aber von den Daten her, stellte ich mich auf eine „knackige“ Tour ein, da wir sie auf vier Tage fahren wollten…auch wenn sie laut dem Land Oberösterreich als „Genusstour“ beschrieben wird! Und nachdem ich bei der Planung am PC auf einen Fehler in der GPX stieß und darauf hinwies, bekam ich eine aktualisierte Version direkt per Mail zugesandt. Was sollte da noch schief gehen?
Es kam dann aber alles etwas anders als erwartet – dazu komme ich aber später!

Etappe 1: Garsten – Damberg – Losenstein – Molln
76,22 km / 2149 hm / 8:57 Std.

Auf der ersten Etappe der Kalkalpentour XL warteten laut bestelltem Flyer beim Land Oberösterreich ca. 69 km und ungefähr 1500 Höhenmeter.
Laut meinem Garmin stimmten zwar die Kilometerangaben halbwegs, die Höhenmeter wichen aber um schlappe 600 Höhenmeter ab. Aber das hat oft nichts zu heißen und war eigentlich auch halb so schlimm, da wir einen Teil der ersten Etappe ja schon von unserem in der Einleitung beschriebenen Tripp auf die Hohe Dirn kannten.
Doch was wir nicht ahnten war die Tatsache, dass nach 55 km der Anstieg zum Schoberstein anstand, den wir knapp unterhalb des Gipfels passierten. Und dieser Anstieg hatte es in sich und war nach den Anstrengungen zuvor nicht komplett fahrbar, auch aufgrund der Steilheit. Also blieb uns nichts anderes übrig als zu schieben.
Selbst ein uns entgegenkommender MTBler meinte bei unserem Anblick: „Macht’s eich nix draus, I du mir beim oba foahrn scho schwer“.

Außerdem war Sonja offensichtlich nicht ganz fit und schwächelte und ich habe dann auch noch blöderweise einen meiner Bügel der Radlbrille verloren… Die Tour stand irgendwie unter keinem guten Stern.

Wenigstens hatten wir uns vorher in einem Landgasthof eine leckere Suppe gegönnt, sonst wären uns die Körner wahrscheinlich schon früher ausgegangen.
Nachdem wir dann endlich über dem Berg waren, wurden wir mit einer langen Abfahrt belohnt und schossen teils auf Schotter, teils auf Asphalt ewig ins Tal.
Endlich angekommen und total entkräftet hatten wir dann zwar noch ein wenig Stress mit unserem gebuchten Zimmer, da der Gasthof eigentlich Betriebsferien hatte und wir den angeblich hinterlegten Schlüssel nicht finden konnten. Aber das klärte sich relativ schnell und wir hatten das Haus ganz für uns allein.

Den Abschluss der ersten Etappe machten wir nach einem kleinen Fußmarsch ins Zentrum von Molln bei einer kleinen Pizzeria mit dem Namen „Milano“. Leider war der Raucher-/Nichtraucherbereich schlecht getrennt, die Pizza war dafür aber super lecker….und groß!

Unterkunft:
Landgasthof Klausner, Hafnerstraße 30, 4591 Molln
Preis: 77 Euro pro Nacht/Zimmer ink. Frühstück.

Pizza
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Etappe 2: Molln – Annasberg/Trailing – Jagahäusl – Windischgarsten – Spital am Pyhrn
60,31 km / 1641 hm / 7:17 Std.

Eine extra für unser Frühstück aktivierte (und sehr nette) Mitarbeiterin tischte uns auf, was das Herz begehrte. So starteten wir mit vollen Mägen in die 2. Etappe.
Nach den gestrigen Extra-Höhenmetern im Vergleich zur Tourbeschreibung waren wir etwas skeptisch, was auf uns am heutigen Tag zu kommt.
Aber immerhin stand ein (der Einzigste übrigens) Singletrail auf dem Programm, auf den wir uns schon freuten.
Doch als erstes mussten wir nach etwa 30 Minuten feststellen, dass die Streckenführung verändert wurde.
Laut der mir zugesandten neuen GPX-Datei auf meinem Garmin sollte es auf der Straße geradeaus weiter gehen in Richtung Breitenau.
Doch in der Realität sagte uns die Beschilderung, dass wir rechts  in den Wald abbiegen sollten…und bergauf.
Was jetzt? Asphaltstraße geradeaus und relativ eben oder rechts in den Wald und rauf strampeln? Hilft ja nichts – wir folgten der Beschilderung, da in Österreich nicht alle Fortswege für Fahrräder freigegeben sind. Und da wir Beide keine Lust hatten ewig lang in der Prärie umher zu fahren, um dann vor einem Verbotsschild zu stehen, gingen wir auf Nummer sicher und folgten dem Schild.
Nachdem wir der Beschilderung viele Kilometer und auch Höhenmeter gefolgt waren, die auch hier und da gänzlich fehlte im Wald, kamen wir an diversen Wegegabelungen vorbei, bei denen wir ohne unser Navi verloren gewesen wären. Aber wir fanden den richtigen Weg. Doch als wir einen Forstweg nach unten auf eine Kreuzung im Wald rollten, hatte ich plötzlich ein deja vu-Erlebnis. Hier waren wir doch schon! Ein Blick aufs Navi und Sonja und ich dachten, uns trifft der Schlag. Nach der ganzen Stramplerei in einer zugegeben landschaftlich schönen Gegend würden wir nach ca. 2 Stunden 500 Meter von dem Punkt wieder auf der Straße landen, wo wir zuvor rechts abgebogen waren. Umpf, das war frustrierend. Sooo schön war die Landschaft dann doch nicht.
An der Straße wieder angekommen fuhren Sonja und ich dann schimpfend wie ein Rohrspatz um die beiden Berge herum, die wir zuvor in einer Acht überfahren und umrundet hatten.
Jetzt brauchten wir erst mal eine Stärkung.  Wir machten an einem Schild eine Pause und drückten uns auf die schnelle einen Riegel rein.
Anschließend folgten wir der Straße weiter bis zum „Jagahäusl“, wo wir uns noch für den bevorstehenden Singletrail eine Suppe kauften. Bekanntlicherweise geht es ja meistens erst mal bergauf, damit man den Trail genießen kann.
Ein von mir versuchter Scherz bezüglich dem alkoholfreien Bier (Eggenberg Freibier) gegenüber der Bedienung des Jagahäusl ging nach hinten los…hatte wohl ihren Humor zu Hause vergessen. Kann doch nix dafür, dass das Bier so heißt. 😉

Vollen Mutes fuhren wir weiter und nach kurzer Fahrt kam dann auch der Anstieg zum Singletrail. Der Weg wurde immer steiler und verblockter und teilweise auch so eng, dass ich vorzog mein Corratec an dem Felsblock vorbei zu schieben, um nicht mit einem Pedal hängen zu bleiben und den Abhang runter zu purzeln.
Und je länger wir nach oben strampelten, fragten wir uns, wie wohl der Trail aussehen wird. Sonja hegte schon die Vermutung, dass das der Singletrail sein sollte. Ich meinte darauf, dass man ja irgendwo wieder runter muss, wenn man die ganze Zeit bergauf fährt. Leider hatte Sonja Recht behalten. Der verflixte Singletrail ging bergauf. War ich geladen. Veräppeln kann ich mich alleine. Und die Mini-Abfahrt konnte mich auch nicht mehr umstimmen.
Wir kämpften uns also weiter Richtung Windischgarsten, wo wir wieder die Hilfe eines halbwüchsigen Anwohners benötigten, da mal wieder die Beschilderung nicht passte. Er begleitete uns mit seinem Mini-Cross-Motorrad und zeigte uns den richtigen Weg und hatte sichtlich Spass dabei.

Als wir endlich wieder in der Zivilisation waren, mussten wir uns zu unserer Unterkunft nochmals einen Berg hinauf quälen…sehr zur Freude von Sonja.
Dafür war der Ferienhof um so besser und die Betreiber super nett! Begrüßt wurden wir von zwei Schweinen, die sich sichtlich wohl fühlten in ihrem Schlammloch.
Da wir nicht viel besser rochen, suchten wir als erstes die Dusche auf. Danach bekamen wir ein extra für uns hergerichtetes Abendbrot mit selbst gebackenem Brot. Die Wurst und der Most waren natürlich auch selbst gemacht.

Unterkunft:
Ferienhof Breitenbaumer, Seebach 20, 4582 Spital am Pyhrn

Preis: 74 Euro pro Nacht/Zimmer inkl. Frühstück.

Bikes
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Etappe 3: Spital am Pyhrn – Oberweng – Hengstpass – Hirschkogelsattel – Großraming
83km / 2050 hm / 8:32 Std.

Nachdem wir uns während dem Frühstück besprochen hatten, ob wir abbrechen oder fortsetzen, schwangen wir uns in die Sättel und rollten den gestern bezwungenen Berg zur Unterkunft wieder hinab. Ein paar Höhenmeter lagen heute noch vor uns. Laut Tourbeschreibung standen heute die meisten Kilometer und die meisten Höhenmeter an, schließlich ging es über den Hengstpass.
Nach kurzem Einrollen ging es auch gleich wieder bergauf Richtung Oberweng. Wieder einmal durften wir an mehreren Stellen fehlende oder fehlerhafte (zumindest laut Navi) Beschilderung feststellen. Und nach etlichen Höhenmeter folgte der nächste Hammer.
Nicht, dass wir die letzten Kilometer eh schon einer anderen Beschilderung gefolgt waren, da unsere Schilder fehlten. Jetzt kamen wir an eine Kreuzung, an der gefühlt 20 Rad- und Wandermarkierungen hingen – nur nicht unser blaues Schild und auch nicht das „alte“ Kalkalpentour-Schild. Dieses Mal vertrauten wir dem Navi, da die Beschilderung, der wir zuvor folgten in die falsche Richtung weiter ging.
Und als ging es nicht noch schlimmer, kamen wir auf unserer „Genusstour“ an eine Schiebepassage, die wirklich richtig steil bergauf ging. So steil, dass ich mein Rad einen Teil des Weges wie bei einem AlpenX getragen habe. Ich möchte mal den eBiker sehen, der DA sein 25kg-Bike hinaufschleppt. IRRE!
Und dabei ist die Tour ausgwiesen mit einem „mittleren“ Konditionsanspruch.
Jedenfalls haben wir uns über zig Berge geschleppt, um zur Hengstpass-Straße zu gelangen. Da es direkt am Pass nichts zu essen gab, befragten wir die Mitarbeiterin im Shop. Die gab uns die Auskunft, dass ca. 1,5 km bergab die Karl-Hütte ist, bei der man warme Speisen bekommt. Und was für welche! Solltet ihr mal den Hengstpass fahren, haltet an und esst dort was. Selten so leckeres Essen gehabt.
Mit schwerem Magen (dank Kasspatzen) sausten wir mit knapp 70 Sachen die Passstraße hinunter ins Tal. Unten folgten wir zwei Flussradwegen in Richtung Großraming, auf denen auch noch diverse Höhenmeter zu bewältigen waren.
Völlig entkräftet kamen wir dann mit schmerzenden Hintern bei unserer Unterkunft an.
Bei dem leckeren Abendessen beschlossen wir dann, dass wir die vierte und letzte Etappe nicht fahren und mit dem Zug zurück zu unserem Startort shutteln. Auch ich war mittlerweise gesundheitlich nicht mehr ganz taufrisch und Sonja brütete offensichtlich etwas aus.

Unterkunft:
Gasthaus Hanusch, 7 Schellnau, 4463 Grossraming

Preis: 64 Euro pro Nacht/Zimmer inkl. Frühstück.

Am nächsten Morgen radelten wir nach dem Frühstück mit schweren Beinen und kratzendem Hals zum Bahnhof. Da wir noch ein wenig Zeit hatten, enterten wir noch ein Sportgeschäft in der Nähe. Hier durften wir dann nach kurzem Gespräch mit dem Mitarbeiter feststellen, dass uns anhand der Streckenänderung ein toller Radweg durch beleuchtete Tunnel verwehrt wurde, den er uns mehrfach als sehenswert anpries. Tja, schade!

Fazit:
So sehr ich mich auf diesen Saisonabschluss gefreut hatte, so enttäuschend war er. Die Landschaft und die Leute waren super nett, was das Ganze etwas erträglicher macht.
Die Streckenführung, Streckenbeschreibung und -beschaffenheit lässt jedoch zu wünschen übrig. Eine Strecke, die etappenweise fast 90 km und über 2000hm hat, würde ich nicht als Genusstour bezeichnen. Zumal die Wege zu 90 Prozent aus grobem Schotter oder auf Asphalt verlaufen. Über den Singletrail möchte ich gar keine Worte mehr verlieren…
Im Grunde muss man sagen, dass die Tour eher MTB-unfreundlich ist und mir kam es so vor, als hätte man manche Wege nur freigegeben, weil die sowieso niemand fahren will. Dann sind sie für die MTB-Fahrer ja gut genug! Auch erhärtete sich der Verdacht, dass es zwischen den beiden Nationalparks Kalkalpen und Gesäuse darum ging, wer die meisten Kilometer und Höhenmeter in seinem Bereich zusammen bekommt. Und so wurde jede nur erdenkliche Strecke irgendwie zusammengestöpselt. Schade, denn das ginge wesentlich besser, wenn man wöllte. Aber wir sind ja keine Wanderer, die auf Premiumwanderwegen extra Geld bezahlen, damit sie sich in der Natur bewegen dürfen.

Sorry, wenn ich ein bissl gallig rüber komme. Aber ich bin schon oft in Österreich und anderen Ländern mit dem Bike unterwegs gewesen und es war IMMER super.
Aber diese Tour bin ich definitiv das letzte Mal gefahren.

Panorama
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