Klettersteig Drachenwand am Mondsee

3.71 km Distanz | 4:30:07 Zeit | 658 hm (+)

Relativ spontan entschieden wir uns zu dieser Tour. Um genau zu sein eigentlich am Morgen des Startes, da wir für die eigentlich geplante Mountainbiketour in Zeitstress geraten waren.

Also packten wir in der Früh unsere Sieben Sachen zusammen, welche man eben so für einen Klettersteig benötigte, und fuhren gen Mondsee nach St. Lorenz.

Dort angekommen fanden wir auch gleich links vom Parkplatz in St. Lorenz den Einstieg zur Via Ferrata. Man kann den Gipfel auch auf „normalem“  AV-Weg Nr. 12a erklimmen, aber ob das viel weniger anstrengend bzw. anspruchsvoll ist, sei mal dahin gestellt.

Der Klettersteig ist mit B/C und einigen Stellen D angegeben und grundsätzlich für Anfänger ohne Bergführer nicht geeignet. Da wir uns aber mittlerweile doch recht sicher in Sachen gut gepflegten Klettersteigen fühlten und die Grundsätze wissen und ausüben, wagten wir es auf eigene Faust. Ein wenig ein schlechtes Gewissen hatte ich ja schon, denn wir hatten einem Kollegen versprochen, dass wir ihn mitnehmen würden, sobald wir die Drachenwand mal gehen würden. Aber die Aktion war so spontan, dass ich gar nicht erst auf die Idee kam, ihn damit zu belästigen.

Der Einstieg zum Klettersteig erfolgt nach ca. 200hm Zustieg über Wurzelpassagen und einigen Felsblöcken im eingetrockneten Bachbett. Das Anziehen der Klettersteigsachen wurde durch eine wirklich nett angelegte Stelle mit Baumstämmen als Bank erleichtert.

Zum Einstieg gab es eine Leiter, welche man erklimmen musste und oben angekommen wurde ich erst einmal von dem glatten Gestein überrascht. Die ersten paar Höhenmeter sollte man wirklich aufpassen, denn der Grip unter den Schuhen konnte durchaus mal weg sein. Deshalb gingen wir mit großer Vorsicht weiter und das Problem der ausgewaschenen Steinen löste sich mit jedem bewältigtem Höhenmeter mehr auf.

Die Aussicht auf den Mondsee, welchen man immer mal bei einer Kehre des Klettersteigs bewundern durfte, war schon beeindruckend.

Obwohl der Klettersteig nicht allzu schwer war, griff ich doch ungewohnt oft in das Drahtseil ein, um mich dort festhalten zu können beim Klettern. Lose Gesteinsbrocken lösten sich gerne mal unter den Fingern auf und ein paar Mal rieselte es etwas auf meinen Helm, als Steine von Markus losgetreten wurde. Vorallem die Passagen, bei denen er mich vorsorglich mit einem „Vorsicht, der Stein hier ist wackelig!“ warnen wollte, dabei aber an dem Brocken rumwackelte um es mir zu demonstrieren, entschied ich mich ziemlich schnell dazu, nicht nach oben zu gucken 😊

Ansonsten ist der Weg unglaublich gut präpariert und „leicht“ zu begehen. Manchmal sind Abstände etwas weit, dafür gibt es Passagen, bei denen eine Seilsicherung nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Ein durchweg gesicherter Steig eben. Nur die Hitze an diesem Tag war vielleicht etwas unangenehm und ich merkte doch ab und zu, dass der Kreislauf jetzt unbedingt mal ne Trinkpause brauchte. Generell waren meine 1,5Liter viel zu wenig.

Das Highlight der Drachenwand ist natürlich die „Hängebrücke“, welche man aber auch umgehen kann, für diejenigen, die eventuell doch ein Problem mit der Höhe haben. Sie schwankt und wackelt aber keineswegs, man kann sich links und rechts am Drahtseil festhalten. Wobei ich befürchte, dass wir uns falsch angeseilt haben…nämlich genau am Handlauf. Vielleicht wäre aber das Seil darüber eher dafür gedacht, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich kann mich auch nicht mehr erinnern, wie das bei den diversen Hochseilgärten bisher immer war. Wir haben uns wohl gefühlt und es war ein fantastisches Gefühl auf der kleinen Plattform in der Mitte zu stehen und sich den Abgrund und die Weitsicht zu gönnen…

Und wer möchte, der kann sich auch auf dem Sitz im Felsen eine Pause gönnen. Das haben wir dann allerdings übersprungen und sind gleich weiter am Felsen entlang gekraxelt.

Anschließend wartet ein Minigrat auf die Bergsüchtigen, welcher aber nicht freihändig gelaufen werden muss, da sich links und rechts immer wieder höhere Felsen befinden, an denen man sich entlanghangeln kann.

Und dann folgt auch schon sehr bald der Gipfel und eine unglaublich tolle Aussicht auf den Mondsee, Dachstein und Schafberg wartet als Belohnung.

Es war wieder eine herrliche Tour. Anstrengend, aber nicht überfordernd. Unsere Bekanntschaften am Berg waren absolut sympathisch und bereichernd und der kleine Smalltalk am Gipfel sehr lustig.  Ohne die beiden Mitkraxler wären wir beim Abstieg auch prompt am Drachenwandloch vorbeigelaufen. Da musste natürlich noch ein Fotostopp her!

Der Abstieg gestaltete sich dann als herausfordernder als der Klettersteig selbst. Zumindest für uns, da wir es beide mit dem Bergabgehen aus verschiedensten Gründen nicht so haben. Auch ein kleiner Gegenanstieg von ca. 80hm ließ uns nochmal ordentlich pusten und schwitzen.

Um wieder beim Parkplatz unten anzukommen, mussten doch ordentliche Stufen, Leitern und Seilsicherungen (ohne dass man sich anseilen muss, das Klettersteigset kann man getrost am Gipfel ausziehen) überwunden werden und die Oberschenkel wurden langsam zu Pudding. Loses Gestein-Erdgemisch machte es ab und zu auch nicht einfach, mal eben mit Schwung nach unten zu gehen.

Unten am Parkplatz angekommen dann die Ernüchterung: Der Gasthof hatte Montag und Dienstag Ruhetag. Und wir waren aber doch fast am Verdursten! Also blieb uns nichts anderes übrig, als den örtlichen Hofer mit einem Sixpack 1,5l Flaschen Wasser und jeweils einer Saftflasche zu plündern. Der Rubel rollte noch an der Kasse, da standen wir schon gierig gulpend im Kassengang. Geschwitzt hatten wir viel, ja!

 

 

 

Das könnte Dich auch interessieren …