Trailwochenende – Bikepark Livigno | Madritschjoch | Bikerepublic Sölden

 

Trails Trails Trails

 

Wir waren gerade mitten in unserer diesjährigen AlpenQ 2018, als Tom uns anrief und fragte, ob wir mal demnächst Zeit hätten. Er plane ein Trailwochenende und je mehr Leute, desto besser.

Für Markus stand schnell fest: Des wird nix! August ist mit Arbeit ausgebucht.

Ich jedoch hatte noch die Möglichkeit das Wochenende per Zusatzurlaub zu blocken. Aber zunächst einmal die quälende Frage: Soll ich? Darf ich? Bin ich nicht ein Klotz am Bein und ist es überhaupt fair, wenn ich alleine mitfahre? Reizen würde es mich schon g’scheid und mein neues Radl, welches urplötzlich vor der Tür stand, wollte unbedingt auf 160mm Federweg im Enduro Bereich mal erprobt werden…

Ich holte mir also von allen Beteiligten das Okay ein, schließlich sollte ich dann doch das einzige Mädel in der Runde sein. Trotzdem war ein klein wenig schlechtes Gewissen Markus gegenüber dabei und selbst war ich mir auch nicht mehr so sicher, ob das eine gute Idee gewesen sei. Schließlich hatte ich im „Downhill“ Bereich wirklich null Erfahrung und bin in Bikeparks bis auf den heimischen Flow Country Autobahn Trail noch nie in der Richtung etwas gefahren. Letztendlich waren wir auch nur zu dritt mit Jonas, Tom und meiner Wenigkeit. Einen Tag lang sollte zwar noch ein „Oida Lago Biker“ von Tom mit von der Partie sein, aber sonst war’s eine beschauliche Runde in der man sich nicht wirklich verstecken konnte.  Allen Gedanken zum Trotz, die Neugier und Abenteuerlust siegten eindeutig.

Einen Tag vor unserer Abreise also fuhr ich mein Radl zu Tom nach Hause, damit wir mit vereinten Kräften ein Konzept der Radlbefestigung am Träger erarbeiten konnten. 45 Minuten und etliche Spanngurte, Klettbänder und Handtücher zwischen div. Gabeln und Streben später stand also das Auto mit absolut gegen Wegnahme gesicherten 3 Radeln in Toms Garage.

Sauber montiert, abfotografiert für jede weitere Neumontierung und mit guten Gefühl konnte es also um 0300 Uhr in der Nacht losgehen. Die Nacht bis dahin war für alle etwas bescheiden. Und ja, Aufregung war bei mir zumindest sicherlich auch mit dabei. So schlief im Auto die Fahrt über wohl fast niemand so richtig und wir kamen am Etappenziel in Livigno beim Carosello3000 am Vormittag recht müde an.

Aber die Müdigkeit verflog ganz schnell. Spätestens beim Ticketkauf musste ich mir ein Schmunzeln verkneifen. Die Verkäuferin fragte unentwegt, ob Tom denn nicht Englisch sprechen könne. Doch dieser plauderte munter auf bayerisch weiter, dass er gerne 2 Tagestickets für sich und seinen Sohn haben möchte und vielleicht ja doch Ermäßigung…ach, und beide Gondeln, oder nur eine?…Der leicht verzweifelte Blick der Kassiererin in meine Richtung jedoch konnte ihm dann doch ein paar Worte Englisch entlocken und der Fahrt ins Unbekannte konnte nichts mehr im Weg stehen.

Erstmal ging es mit der Gondel bergauf. Für mich absolute Premiere und ich schielte immer wieder misstrauisch auf mein schönes neues Radl draußen am Haken.

Und dann ging es los, der erste echte Trail in einem Bikepark in Italien…oh mei! Was is jetz da los? Ich zitterte mich um die Kurven, welche den Trail in leichten Anliegerstil nach unten schlängeln ließen. Meine Bremsen glühten, ich stand stocksteif auf dem Radl, welches mir doch noch arg ungewohnt war und war drauf und dran das Ding nach unten zu schieben. „Ja leck, des kann was werden!“

Dann legte es Tom in einer Schotterkurve auch noch so saublöd hin, dass er ein kleines Andenken am Schienbein mitnahm. Glücklicherweise konnte es weiter gehen, aber ich war erstmal durch.

Sauer über mich und mein blödes Hirn sah man mir unten angekommen den Frust wohl sehr deutlich an, denn auch Tom und Jonas fragten sich, ob das mal gut gehen würde.

Aber nun waren wir da und kneifen galt nicht! Ab nach oben ging es wieder. Sie versicherten mir, dass man erstmal reinkommen müsse und dass wir mal den oberen Trail probieren, der sei etwas leichter. Ich haderte stark mit mir und war etwas geknickt, weil ich ein so unglaublich unsicheres Gefühl hatte, aber eigentlich doch so gern Trails fahren und den beiden sicher nicht ihr Wochenende versauen möchte!

Und dann war alles wie weggefegt vom Fahrtwind! Der andere Trail, ich glaube es war der Bikers United war erstmal gut und flowig zu fahren. Ich fand langsam Gefallen an leichten Anliegerkurven, machte die Bremse immer öfter auf und wippte vorsichtig über kleine Rampen mit dem Bike mit. Was für eine Erleichterung, es ging ja doch!

So fuhren wir einen Trail nach dem anderen und wechselten auch mal zwischen Sessellift und anderen Gondeln. Stimmungsvolle Namen wie Blueberry Line und Coast to Coast stand auf dem Programm. Der Sessellift ließ mich nochmal zittern, denn mein Bike machte sich selbständig und wanderte immer mehr über die Hakenspitze der Aufhängung drüber…blieb aber dann doch lieber oben.

Andere wiederum fanden in der Gondel ohne Aufhängung ihre kommunikative Herausforderung und riefen in feinstem Bayerisch-Englisch: „Bike in, oda!?“ … Ein Schlachtruf, der noch eine Zeit lang bei uns Anklang finden sollte 😊

Jonas zeigte uns, wie das so mit den Holzanliegerkurven ist und Tom nahm immer mal wieder gerne eine Abkürzung durchs Gras. Ich hatte echt Gaudi und freute mich über jede noch so kleine Steigerung beim Fahren durch die Trails. Einmal kurvten wir auch durch das Dorf Livigno, da wir uns auf der Panoramica etwas verfranzten und ich schwelgte in Erinnerungen an unseren AlpenX 2017 und fand sogar das Restaurant von damals wieder.

Und schon war es später Nachmittag und wir beschlossen, die Radl wieder aufs Auto in patentierter Weise zu montieren und uns auf den Weg nach Schlanders zu machen. Ein paar Stunden sollten das ja noch an Fahrt werden und Tom wollte über das Stilfser Joch fahren. Wir schwelgten beide während der Fahrt in Erinnerungen an diverse AlpenX Routen und wollten irgendwie schon wieder losziehen, trotz Toms Aussage, dass er dieses Jahr nicht einen Höhenmeter mehr fahren wird.

In Schlanders angekommen waren wir ziemlich k.O. und Alex, der „Oide Lago Biker“ musste erstmal noch vertröstet werden. Wir aßen zu Abend und ich verabschiedete mich zeitig in mein Zimmer und schlief recht bald ein…ich hätte partout kein Bier mehr an der Bar trinken können, ohne mit dem Kopf am Tresen aufzuschlagen.

 

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Durch den Tunnel
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Das Madritschjoch

Mit einem guten Frühstück gestärkt ging es mit dem Bike Shuttle zur Gondel in Sulden nach oben Richtung Madritschjoch. Wir wollten ja keine hM fahren 😉

Ziemlich zapfig war’s dort oben schon und es sollte ja noch gondelunterstützt ein wenig höher gehen. Die letzten 400hm zum Joch allerdings mussten schiebend, tragend oder ab und zu doch mal leicht auf dem Rad strampelnd (zumindest für’s Foto) bewältigt werden. Ich zog es bald mal wieder vor zu tragen, die Schieberei ging mir einfach auf den Geist. Ich stellte mich da aber auch mal wieder blöd an und rammte mir ein um das andere Mal das Metallpedal in die Waden…Venter Höhenweg Gedächtnis Waden halt.

Am Madritschjoch auf 3123m waren wir leider nicht allein. Eine geführte Wandergruppe wartete gespannt auf unsere spektakuläre Abfahrtsshow. Diese mussten wir ihnen aber erstmal tragend und schiebend bieten und erst ein paar hundert Höhenmeter tiefer wagten wir es von Zeit zu Zeit auf’s Radl. Und ich fand es gelinde gesagt geil! Geil deswegen, weil ich für mich persönlich einfach viel mehr fahrend bewältigen konnte, als ich es noch vor einem Jahr hätte fahren können. Das neue Rad, die Übung am Trail am vorherigen Tag und ein wenig Ehrgeiz, da die anderen vor mir fuhren taten ihr übriges dazu. Ich stieg noch viel ab, Jonas und Tom hingegen zirkelten gekonnt um Felsblöcke, blieben auch mal auf dem Rad balancierend stehen und bezwangen die ein oder andere Steilkurve. Alex beeindruckte mich mit seinem Bike mit deutlich weniger Federweg als unsere und wie er trotzdem sauber mithielt. Es war ne wahre Schau!

Nach einer Asphaltsause ging es auch bald wieder in Trails über, teilweise sehr staubig und mit ausgefahrener Rinne. Diese sollte dann Alex doch noch zum Verhängnis werden. Ich konnte ihn nicht fallen sehen…aber hören. Und man konnte direkt hören wie staubig es war! Dusel hatte er schon, sein Helm hat einiges abgehalten. Er selbst sah ziemlich erdig aus, aber zum Glück ist nicht viel passiert.

Und so kam unser Hotel irgendwie doch eher als gedacht. Leider wurde es auf Grund von neuen Bestimmungen zum Bike Shuttle mit dem Holy Hansen nichts mehr und wir verabschiedeten uns nach einer Dusche in der Sauna von Alex und fuhren gen Sölden, unserem nächsten Ziel für den Montag. Wieder ging es durch altbekannte Gefilde wie Naturns und Plaus und ich deutete begeistert auf die Hügelreihen rechts von mir…dort irgendwo war die Naturnser Alm, welche Markus und ich erklommen haben. Tom verstand meine Begeisterung…Jonas dachte sich vermutlich nur seinen Teil 😊

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Die Berge sind einfach nur grandios
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Bike Republic Sölden

 

Hier merkte man deutlich, dass man in Sölden eine ganz andere Liga seitens Vermarktung im Trail Geschäft spielt. Es gab einen Bike Republic Pass, Tickets um an Gewinnspielen teilzunehmen und auch sonst wurde hier alles spektakulärer aufgezogen. Und ja, wir wurden gefangen von diesem „Touri-Nap“ und fanden Gefallen am Sammeln von Stempeln, den lustigen Trail Namen und den präparierten Pisten.

Wir bezwangen Trails mit den Namen Ollweite Line, Ohn Line, Eebme Line, Harbe Line, Lettn Line und noch ein paar Lines, deren Stempel wir nicht gefunden hatten. Der Leiterberg Trail zog mir den Zahn, denn auf diesem Naturtrail konnte ich nicht wirklich oft fahren. Spaß hat er dennoch gemacht. Jonas zeigte uns, wie das mit den Spitzkehren so ging und auch sonst ließ er uns bzw. mich oft nur staunend glotzend zurück. Auch ein kleiner Abflug über den Lenker konnte seinen Fahrspaß nicht trüben und er zirkelte geschickt um Felsblöcke herum und wirbelte die Wurzeln runter.

Aber die Ollweite Line hatte es uns einfach angetan mit ihren felsigen Platten, rauen Gegenanstiegen und teilweise engen Anliegerkurven. Auch ein kleiner Schmusekurs zwischen Fels und meinem Lenker (ja, der Lenker mal wieder) war mal kurz geboten, aber dieses Mal war der Abflug nicht einem Abgrund entgegen, sondern nur ins nächste Gebüsch.

Leider gingen mir dann einfach die Kräfte aus, ich verkrampfte immer mehr in den Fingern und wurde zunehmend unkonzentrierter. So anstrengend hätte ich mir Bergabfahren auch nicht vorgestellt. Ich ließ Tom und Jonas noch eine Männerrunde mal ganz ohne mich genießen und fuhr schon mal zurück zum wirklich nahe gelegenen B&B. Auch hier durften wir wieder in der Sauna duschen und das tat so richtig gut!

Auf Tom und Jonas musste ich nicht lange warten und nachdem auch sie mit dem Duschen fertig waren ging es dann auch schon wieder gen bayerische Heimat.

Ich kann nur sagen, dass es mir brutal gut gefallen hat und ich nach Startschwierigkeiten ganz eindeutig Blut geleckt habe in Sachen Enduro. Mein neues Radl passt perfekt dazu und ich freu mich direkt schon auf den heimischen Flow Country (und evtl. mehr?) am Goasskopf…den ich nun hoffentlich mit der Erfahrung aus diesem Wochenende ganz anders angehen kann.

Jonas, Tom: Merci, dass ihr mich mitgenommen habt’s! BIKE IN! dad I song…

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Und weil es so schön war, klickt doch gleich mal hier drauf und schlängelt euch zum TrailX 2018! Da bekommt ihr dann das Ganze aus der Sicht vom Tom vom AlpenX-XL.de zu Lesen! Und paar andere Bilder sind auch dabei, es lohnt sich!

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