AX 2019 #MUCVCE München – Venedig | Sonja

Bei dieser AX Variante bekamen wir Verstärkung. Michael, der beste Kumpel von Markus aus Hünfeld wollte auch zum ersten Mal mit dem Rad über die Alpen. Da er aber kein Mountainbike, sondern ein Crossrad hat, wurde die Strecke mehr auf die Fahrbarkeit dafür ausgelegt. Da kam es gerade Recht, dass sich Markus schon vor geraumer Zeit mit dem Weg von München nach Venedig befasst hatte.

Auch dieses Jahr war er für die Planung, Streckenkonstruktion und Unterkunft ein verlässlicher Reiseveranstalter. Vielen Dank für deine Mühen und die gute Organisation!

Leider musste er kurzentschlossen mit dem Hardtail die Tour antreten, da sein Fully nun endgültig mit einem Rahmenbruch das Zeitliche gesegnet hatte.

Route | München – Achenkirch – Gries – Niederdorf – Carpesica – Mestre | 24. Juni 2019 – 30. Juni 2019
570 km Distanz
4.617 hm

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AX Etappe 1 | München – Achenkirch

| 106.72 km | 7:37:49 | 14.0 km/h | 930 hm

Der Tag fing früh an. Um 04:30 klingelte der Wecker und ein schneller Kaffee zwischen den letzten Dingen packen und Aufbruchsstimmung brachte noch nicht den gewünschten Wach-Effekt.

Wir schwangen uns auf unsere Radl und fuhren runter zum 5km entfernten Bahnhof. Dort verlief alles reibungslos. Der Zug stand bereit, wir hatten genug Platz für unsere Räder und setzten uns auf die Klappstühle. Ab Vilshofen wurde es merklich voller und bis wir dann in München ankamen war das Abteil gut gefüllt von Berufspendlern.

In München selbst hieß es erstmal sich zu orientieren: Wo gings zur Isar? Wo fängt der Alpencross 2019 offiziell an? Abenteuer Fahrradfahren in einer Großstadt für uns Landeier. So viele Menschen, die mit ihren Rädern zur Arbeit, Uni und Co. fuhren. Ich war so froh, als wir endlich den Schotterweg direkt am Fluss fanden und sich dort für mich die Lage etwas entspannte. Markus‘ GPS Navi fiel aus und ich war für das Lotsen durch das Wirrwarr der Stadt zuständig.

Nachdem Markus den Lezyne immer noch nicht zum Laufen bringen konnte, starteten wir trotzdem wirklich und wahrhaftig mit dem Vorhaben: München – Venedig in 5 Tagen.

Schnell war klar: Trainiert ist was anderes. Mein Hintern tat schnell weh, die Beine waren Quark von der ungewohnten Belastung. Aber es verlief human mit meinen zwei männlichen Mitstreitern. Der eine mit ca. 300kg Gepäck in den Satteltaschen seines Crossrades und der andere nur unwesentlich besser trainiert auf dem Semislick Reifen des alten Hardtails, passten sich meiner Geschwindigkeit an…gut, ich hatte ja auch das Navi 😉

Der Weg führte uns weitgehend an der Isar entlang. Mal weg durch die Münchner Villenviertel, mal über luftige Brückenkonstruktionen. Auf der Isar, so wusste uns Michael ein bis zwanzig Mal zu berichten, konnte man nämlich auch Floß fahren. Wirklich! Also ganz ehrlich! Und das wurde da auch am Flussrand gebaut…also damit man dann mit dem Floß auf der Isar fahren kann! 😀

Letztendlich kamen wir am Sylvensteinspeichersee durch einen Fahrradtunnel (nicht ganz so wie der Rosi-Mittermeier-Tunnel, aber trotzdem schön kühl) an. Die Aussicht war gigantisch, auch wenn ich schon ziemlich platt war.

Die letzten 10km nach Achenkirch waren dann auch nochmal knackig auf Schotter nach oben und gaben uns ein paar Höhenmeter in die Oberschenkel.

Nach Pizza und Bier fielen wir bald ins Bett unserer Unterkunft

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AX Etappe 2 | Achenkirch – Gries

| 99.34 km | 7:02:44 | 14.1 km/h | 1,136 hm

Leider war das Frühstück in der Pension erst ab 08:00 Uhr möglich und so kamen wir erst gegen 09:00 Uhr mit unseren Radeln wieder los.

Die Sonne brannte jetzt schon erbarmungslos nieder und der nächstbeste Supermarkt wurde überfallen, damit Michael neben Festzeltgarnitur und 4 Mann Zelt noch ein paar Flaschen Wasser in seinen Gepäcktaschen unterbringen konnte.

Bald führte uns der Radweg zum Achensee und was soll man da anderes sagen als: Traumhaft! Und leider viel zu früh. 90km später und wir wären mit Freude reingesprungen. So blieb uns nur der schöne Blick auf den See und die erbarmungslosen Kilometer des Tages im Genick, die uns weiter vorantrieben.

Nach diesem tollen Weg gings für mich und mein Enduro schonungslos auf Asphalt über. Und das mit voller Wucht und gefühlten +50°C. Bald war ans Radeln nicht mehr zu denken und wir kämpften uns Meter um Meter bis zu einem Supermarkt vor. Dort brach ich regelrecht im Schatten zusammen und verwendete mein verbliebenes Wasser in der Trinkblase, um mich wieder runter zu kühlen. Markus und Michael kamen dann mit viel Wasser und Eis wieder aus dem Laden und wir machten ganz unromantisch direkt am Parkplatz eine Pause. Mein Puls ging langsam nach unten und als wir uns wieder alle bereit dafür fühlten, ging es weiter den Berg hinauf.

Ich hatte so dermaßen Durst die ganze Strecke über, dass mir direkt schon schlecht vom Trinken wurde. An die 8 Liter wurden an diesem Tag alleine durch mich vernichtet.

Die letzten 5 km erinnerten mich dann wieder an jenen Alpencross, als Markus und ich uns durch Regen und Wind eine Steigung zur Unterkunft erkämpfen mussten, um dort festzustellen, dass es nichts zu Essen und keine Möglichkeit gab mit Karte zu bezahlen. Damals zogen sich die Kilometer auch wie Kaugummi, nur dass es diesmal nicht regnete, sondern brennend heiß war.

Wir wussten, dass unsere Unterkunft „Haus Berghof“ ihrem Namen alle Ehre machte und nochmal gute 150 hm für uns in petto hatte. Dennoch taten sie nicht minder weh.

Gelohnt hatten sie sich allemal, denn es war mit Abstand die coolste, netteste und urigste Begegnung in der Unterkunft der ganzen Tour. Herzlichst empfangen, nette Unterhaltung im tiroler Slang, fantastisches Essen und einen 14 jährigen Hund namens Aragorn. Abends die müffelnde Wäsche gewaschen bekommen und morgens zum Frühstück frisch durftend angezogen. Einfach nur perfekt!

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AX Etappe 3 | Gries – Niederdorf

| 108.78 km | 7:33:39 | 14.4 km/h | 1,179 hm

Nach einer herzlichen Verabschiedung konnten wir es an diesem Morgen gemütlich die abends zuvor erstrampelten Höhenmeter nach unten rollen lassen und traten erfrischt die Höhenmeter zum Brenner an.

Ich hatte enorme Probleme mit meinen wund gescheuerten Stellen, aber nach einer gewissen Überwindungsphase, war auch das dann egal. Die Straße neben der Brennerautobahn war ebenfalls weniger schlimm als befürchtet. Der Verkehr hielt sich in Grenzen, die Steigung war moderat. Alles in allem kam der Brennerübergang dann doch recht fix und der erste Fotostopp war obligatorisch.

Der Radweg, eine alte Bahntrasse, welche recht frisch asphaltiert war, konnte uns allen leuchtende Augen und ein strahlendes Grinsen in die Gesichter zaubern. Man konnte es rollen lassen, hatte einen tollen Ausblick und der Gegenverkehr waren auch überschaubar. Immer wieder fuhren wir durch Tunnel durch die Berge und langsam ging der Weg in eine Mischung aus Schotter und Asphalt über und führte uns durch diverse Dörfer und Innenstädte.

Wir versorgten uns mal wieder in einem kleinen Spar und es zog uns Richtung Brixen. Dorthin wurde meine mentale und physische Geduld auf eine harte Probe gestellt und ich denke, meinen zwei Mitradlern ging es nicht anders. Ständig musste man kurze Anstiege bergauf treten, um anschließend wieder langsam bergab zu rollen…dies in einem stetigen sinnlosen Wechsel, ohne wirklich an Höhe zu gewinnen war zumindest für mich Nerven zehrend. Ich fahre gern bergauf, aber dann bitte, weil es dort oben etwas zu holen gibt. Sei es ein toller Ausblick in meine geliebten Berge, oder eben einen Kaiserschmarrn. Aber so hatte ich ein wenig einen Tiefpunkt auf dieser Tour und hoffte inständig, dass es bald ein Ende nehmen würde.

Zu allem Überfluss ging das Trinken aus und wir sahen keine Chance, die Vorräte wieder aufzufüllen. Die trölfmillionen E-Biker, welche einen überholten oder auch entgegenschossen machten es nicht besser und ich grummelte in mich hinein.

Die Pause in einer Wiese neben dem Radweg war somit mehr als nötig und die selbstgemachten Riegel von Markus und Michaels Blätterteigschneckal versöhnten mich wieder.

Auch hier kämpften wir uns stetig bergauf zur Unterkunft. Unsere Radl sicher im Schupfen hinterm Haus angekettet, machten wir uns frisch geduscht auf dem Weg zu einer Pizzeria. Diese war gut besucht (da auch derzeit die einzige Pizzeria weit und breit) und die Kellner völlig überfordert. Wir warteten ewig auf unser Essen, welches zwar gut, aber recht trocken verlief. Unser bestelltes Radler kam auch nach der 3. Aufforderung nicht. So zogen wir ohne Trinkgeld zu geben wieder von Dannen und freuten uns nach einem kleinen Fußmarsch auf unsere Betten.

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AX Etappe 4 | Niederdorf – Carpesica

| 147.61 km | 9:16:28 | 15.9 km/h | 1,132 hm

Heute sollte es die Königsetappe mit 140km+ werden. Ich war durchaus ehrfürchtig, denn 140km mit dem Enduro waren eine Ansage. Doch wenigstens durften es ja eigentlich nicht mehr so viele Höhenmeter werden und nach den ersten Kilometern bergauf sollte eine lange Asphaltsause auf uns warten…Sollte! …Eigentlich…

Denn es kam leider komplett anders.

Aber zuerst das Erfreuliche: Die ersten 20km gingen zwar bergauf, aber es waren tolle Höhenmeter. Schotter knirschte unter meinen 2.4er Reifen, die Sonne schien, aber dennoch ergatterten wir ein wenig Schatten durch die Bäume und immer wieder dieser herrliche Blick auf die Dolomiten und die 3 Zinnen. Ich war seelig und wusste, dass ich sie bald wieder besuchen würde. So fühlte ich mich pudelwohl und auch Michael schwärmte in den höchsten Tönen von der Aussicht. Ich freute mich, weil er sich so freute und wusste, wie er sich fühlte. Denn so war es bei mir nicht anders, als ich zum ersten Mal mit dem Rad in die Berge fuhr und ich war froh, dass es ihm genauso erging. Markus und ich sinnierten in diversen Erinnerungen und freuten uns darauf, in weniger als einer Woche wieder in den Dolomiten sein zu dürfen.

Doch dann verflog die Freude rasch, als wir endlich, endlich unsere ersehnte Asphaltsause wähnten, aber der unglaubliche Gegenwind uns wie ein Föhn die Hitze ins Gesicht blies und wir bergab tatsächlich in die Pedale treten mussten, damit wir vom Fleck kamen. Wir schwitzten und fluchten und Rennradler rasten uns mit 30 Sachen den Berg hinauf entgegen. Völlig verdrehte Welt und wir waren sehr stark gefrustet. Diese Bergabsequenz war essentiell bei der Planung des Alpencross gewesen. Denn nur durch sie hatten wir uns diese Mammutetappe mit 140km angetan. Und nun hatten wir keine Erholungsphase, sondern demmelten den verfluchten Berg nach unten.

Die Gegend war durchaus schön, aber der Blick dafür war einfach getrübt. Radwege waren oft gesperrt und wir mussten uns im italienischen Autoverkehr eine gefährliche Orientierung zumuten.

Auch schwante mir, dass diese Höhenmeterangaben auf der Homepage für die München-Venedig Tour einfach nicht passen konnten. Wir waren jetzt schon weit über den 3000 hm, welche veranschlagt waren.

Wir überfielen 3 mal einen Supermarkt, tranken mehr als 9 Liter Wasser und mussten dennoch nicht aufs Klo. Es war verrückt.

Dann, bei Restkilometer 24 endlich die ersehnte, wirklich echte Asphaltsause! Zwar immer wieder mit Gegenanstiegen, aber diese ließen sich leichter hinauftreten, wenn man anschließend wieder mit knapp 60 Sachen nach unten schießen konnte.

Wir erreichten nach kurzem Anstieg endlich Abends unsere eigene kleine Ferienwohnung. Wir wurden herzlich begrüßt durch die Eigentümerin. Müde und glücklich, diese Wahnsinnsetappe geschafft zu haben, ließen wir uns unser selbstgemachtes Abendessen (Rührei mit Speck und Brot) und Radler und Bier schmecken.

Leider war an Schlaf in dieser Nacht nicht zu denken, denn es war so brütend heiß, dass auch der Ventilator keine Abhilfe schaffen konnte.

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AX Etappe 5 | Carpesica – Mestre

| 108.17 km | 6:34:26 | 16.5 km/h | 240 hm

Der letzte Tag startete gemütlich und entspannt. Wir verzichteten auf das typische italienische Frühstück mit abgepackten Süßkram, sondern versorgten uns lieber in einem Supermarkt an der Frischtheke mit frisch belegten und sorgfältig gepackten Sandwiches.

Wir rollten viel bergab auf Asphalt und auch der Straßenverkehr war sehr entspannt. Ab und an kamen wir durch größere Städtchen durch und ein Park diente uns als Picknickort.

An einer Eisdiele versorgten wir uns mit selbstgemachtem Eis und rollten immer mal wieder an Supermärkten vorbei, welche uns als Wasserstation dienten. Heiß war es immer noch enorm und der Flüssigkeitsbedarf nach wie vor erhöht, trotz fehlender Höhenmeter.

Markus und ich hatten bei der Vorabdurchsicht der Karten ein wenig die Bedenken, dass der letzte Tag viel auf stark befahrenen Straßen und Städte bzw. Ortschaften sein würde. Das kam dann glücklicherweise ganz anders und so fuhren wir auch einmal auf Schotter durch ein tolles Naturschutzgebiet am Fluss entlang. Dort gab es Tiere und Dinge en Masse zu sehen. Von Schildkröten über Schwärme an Schwänen war alles dabei und so waren die letzten 108 km wirklich schnell und abwechslungsreich.

Es war zwar einmal ein größerer Umweg zu verbuchen, da der Weg versperrt war, den die GPX Route eigentlich fahren wollte, aber auch das war zu verschmerzen.

Letztendlich hat alles gut geklappt und wir konnten auf den letzten 17km sogar nochmal Leistung abrufen und sind in unseren Windschattenmodus mit Mountainbikes gefallen.

Erschöpft aber glücklich kamen wir in Mestre am Hotel Aaron an und freuten uns auf einen Extra Tag in Venedig!

Fazit:

Auch diese Art der Alpenüberquerung ist durchaus eine Herausforderung. Ja, ich bevorzuge die Berge mit Tragepassagen, Höhenmetern und Gipfelhöhen über 2.500m+. Aber auch der Weg von München nach Venedig hatte einiges zu bieten. Sowohl an konditioneller Forderung, als auch an Ausblick und seelischem Wohl.

Alles in allem waren wir schon eine lustige Heldentruppe:

Markus mit immer wieder abstürzendem GPS Gerät und notgedrungen mit Hardtail und abgefahrenen Reifen unterwegs.

Michael, der an die 300kg Gepäck mit sich rumwuchtete und obwohl er grundsätzlich derjenige mit dem perfekten Radl für diese Tour gewesen wäre, somit im wahrsten Sinne des Wortes eine Erschwerniszulage verdient hatte.

Und dann noch ich, mit einem Enduro Mountainbike und 2.4er Schlappen, welche am Rahmen rieben. Und die mit schleifenden und quietschenden Bremsen (Kanarienvogel) die manchmal vorhandene Stille schrill durchbrach.

Aber irgendwie machen halt genau diese Dinge die Tour zu einer besonderen Tour.

Merci euch!

Aber: Nie wieder Rückfahrt von Italien mit dem Zug!

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