Stoneman Dolomiti Etappe 2

49,5 km 1384 hm

Stoneman Etappe 2

Nach einer wieder einmal herzlichen Verabschiedung und dem Tipp, oben ab Marchkinkele einen anderen Trail bergab nach Sillian zu nehmen, rollten wir auf Asphalt und ein wenig Schotter gen Toblach. Hier kamen uns auf dem Fahrradweg Unmengen an anderen Fahrradfahrern entgegen und ich freute mich schon, wenn es wieder bergauf auf Schotter durch Wälder und deutlich einsamer zugehen würde.

Toblach kam dann recht zügig und ab dort auch der Anstieg Richtung Strickberg. Zunächst noch auf der nicht ganz so arg befahrenen Straße, danach dann bald auf Schotter und einem Bachlauf entlang. Ich stieg irgendwann entnervt ab und versuchte meine verbogene Bremsscheibe wieder gerade zu rücken, da es langsam wirklich mühselig wurde, gegen diesen Widerstand anzufahren und ich dafür definitiv keine Körner übrig hatte.

Heute sollte es zwar nur noch einen einzigen Knipps zu fangen geben, aber auch der hatte ein paar Höhenmeter für uns parat. So wurde schon auch gerne mal geschoben, obwohl die Forstautobahn es gütig mit den Mountainbikestollen meinte. Aber von Zeit zu Zeit war eine andere Belastung der Muskulatur wirklich willkommen und unsere Hintern dankten es uns auch. Waren da ja doch schon über 570km noch aus Venedig mit im Gepäck.

Das Wetter war nun auch wieder auf warmen Celsius unterwegs und der Bachlauf diente uns als Abkühlung.

Auf der gut besuchten Silversteralm bekamen wir wirklich leckere Penne mit Tomate und Pilzen, zwei alkoholfreie Weißbier und als wir uns bereit dafür fühlten, blickten wir gespannt auf den Weg zum Strickberg auf. Der Hüttenwirt bestätigte uns, dass es heute ein gutes Wetter dafür wäre, aber die ein oder andere graue Wolke schob sich schon an den Baumwipfeln vorbei. Ich hoffte, dass er mit seiner Wetterprognose recht behielt, auch wenn man diese einheimischen Vorhersagen eigentlich  nie anzweifeln sollte. Die Leute hier kennen ihren Berg halt!

Aber ohne meinen letzten Stempel auf der Karte geh ich hier aus der Region nicht weg, selbst wenn ich das Radl am Baum anketten und mich nach oben robben muss! Aber soweit sollte es ja nun doch nicht kommen. Zwar stiegen wir immer mal wieder ab und schoben lange Höhenmeter nach oben, aber ich fühlte mich nicht wirklich als Versager. Zum Einen war der Blick auf die Berge auf jeder linken Serpetinenseite einfach gigantisch und zum Anderen ging es nicht nur uns so. Auch die zwei fitten Hardtailer, welche uns unten am Berg noch überholten, stiegen ab und zu mal ab. Und auch zwei weitere Herren, welche doch eine längere Zeit vor uns losfuhren, trafen wir in einer Serpentine wieder, als sie ihre Verschnaufpause machten.

Ein eBiker überholte uns lautlos und überraschend in einer Schiebephase und blieb, ausgebremst durch uns, ein Stück auf unserer Höhe. Wir kamen ins Gespräch und so erzählte er uns, dass er hier aus der Region käme und sein Sohn und er immer wieder versuchten, den Berg mit einer Akkuladung voll bis ganz nach oben zu fahren. Aber leider hätte er jetzt kaum mehr Akku, aber es wären noch 6km. Er befürchtete, dass er das nicht schaffen würde.

Und so kam es, dass er uns wenige Minuten später grinsend und feixend wieder entgegen kam, ohne den Gipfel erreicht zu haben. Dafür mit viel Schadenfreude seitens der Hardtailer, welche ihm oben begegneten. Er nahm es mit viel Humor und wir grinsten mit ihm.

Auch er gab uns den Hinweis, dass wir nicht den gleichen offiziellen Weg wieder die Schotterserpentinen hier zurück nehmen, sondern rechts am Marchkinkele vorbei einen anderen langen Trail nehmen sollten, welcher direkt nach Sillian lotste.

So waren wir also doch angefixt von der Aussicht, auf einen weiteren schönen Trail am Berg entlang und behielten diese Option im Hinterkopf.

Wir kamen sogar fahrend oben an der letzten Knippsstelle an. Das Gefühl, was dieser 5te Stanzer in der Karte in mir auslöste, lässt sich nicht beschreiben. Zusätzlich noch zu dem herrlichen Ausblick auf die Berge, waren wir kaputt, erleichtert, froh und traurig zugleich und unbändig stolz. Wir hatten den Stoneman Silber!

Klar, wir mussten erstmal noch nach Sillian runter und wir beschlossen tatsächlich nach längerem Scanen des gegenüberliegenden Berges es zu wagen. Man erkannte noch die alten Markierungen vom Stoneman. Offensichtlich ging der Weg früher mal tatsächlich dort lang.

Das schlechte Gewissen knabberte also weniger mit dem Wissen, dass dies ja mal so gedacht war. Dennoch ist ab hier kein offizielles Nachfahren der Strecke mehr empfohlen!

Der Weg war auch in deutlich schlechterer Verfassung. Steinschläge und ausgebrochene Stellen waren im Trail zu sehen. Aber nichts, was für uns nicht machbar war.

Wir kamen an alten Kasernen vorbei und erkannten in der Ferne weidende Pferde und Kühe. Diese fanden es auch gar nicht so lustig, dass wir uns da am Rande ihres Essens nach unten arbeiteten, aber das versuchten wir mit einfühlsamen Vorantasten am stellenweise trickreichen Trail mit Spitzkehren auszugleichen.

Faszinierend für mich war, dass mein Kopf viel weniger mitmachte, als gestern noch. Ich hatte aus Faulheit auf das Anziehen der Knieschoner verzichtet und schon war ein großes Stück Selbstsicherheit flöten gegangen. Ich stieg weit häufiger ab, als ich eigentlich müsste. Was so a bisserl Schaumstoff an den Haxn so alles bewirken kann…

Auch auf der anschließenden Schotterautobahn hätte es mich beinahe zweimal abgeworfen. Einmal, als ich einen Sprung (okay, Sprüngchen!) nicht hoch genug einschätzte und mein schräg gestelltes Vorderrad fast nicht mehr gerade bekam. Das andere Mal rutschte mein Vorderrad in der Kurve durch einen Stein zur Seite weg und ich konnte es mit dem Fußstopp um die Kurve herumschlitternd gerade noch abfangen. Mit meinen Klickpedalen hätte das wohl nicht mehr funktioniert, lach. Magped sei Dank.

Nachdem wir uns einmal etwas verfranzten, gelang es uns mit Hilfe eines jungen Burschen doch noch, den Wanderweg über eine steile, rutschige Wiese Richtung Sillian runter zu schlittern und wir gingen in das heroische Einrollen zur Bergland Unterkunft, unserem Ziel über.

Egal, dass vor uns es schon Hunderte geschafft hatten. Egal, dass vermutlich 99,9% davon schneller waren als wir. Egal, dass es Wahnsinnige gibt, die das alles an einem Tag fahren, um am nächsten Tag dann das Gleiche mit dem Rennradl nochmal zu fahren.

WIR hatten es geschafft! Stolz die Trophäe in den jeweils zwei Kartons haltend, gingen wir zum Auto.

Der Stoneman Taurista wurde dann leider auf Grund wackeliger Wetteraussichten doch nichts mehr.

Diese Entscheidung fiel uns nicht leicht und jeder, der schon mal in diese Situation gekommen ist, weiß wie sehr die Zweifel an einem nagen: Wäre es vielleicht nicht doch gegangen?

Aber das Wetter bestätigte sich und so blieb nur ein wenig Wehmut übrig. Das Wissen, sich richtig entschieden zu haben war nur ein kleines Trostpflaster.

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