Stoneman Dolomiti – Etappe 1

von Sillian nach Sexten / Markus
56,61 km / 2524 hm / 11:28 Std.

Vor längerer Zeit, es ist bestimmt schon zwei Jahre her, hatte mir mein Arbeitskollege „Naz“ von dem Stoneman Dolomiti mit leuchtenden Augen erzählt. Ich war von Anfang an Feuer und Flamme und mir sicher, dass ich den auch mal fahren muss.
Begeistert berichtete ich Sonja vom Dolomiti und auch sie war sofort dabei. Es stand fest – irgendwann fahren wir den Stoneman und holen uns die Trophäe!
Dieses Jahr war es dann endlich soweit. Anfang des Jahres hatte ich die Strecke schon mal als GPX heruntergeladen und bearbeitet.
Außerdem begann ich schon mal unsere Planung der Übernachtungsmöglichkeiten, was sich als etwas schwierig gestaltete.
Aber letztlich habe ich es doch geschafft und wir fieberten dem Termin 4./5. Juli entgegen.

Am 03.07. machten wir uns an einem wolkenverhangenen Vormittag in Richtung Dolomiten mit dem Auto auf den Weg.
Je näher wir jedoch unserem Ziel kamen, um so schlechter wurde das Wetter und wir bangten ein wenig um unseren Start. Denn bei Gewitter und Starkregen kann es in den Bergen bei über 2500m Höhe sehr ungemütlich werden.
An unserer Startunterkunft jedoch angekommen wurden wir sehr herzlich begrüsst und wir konnten direkt zum Abendessen übergehen.
Das Zimmer war gemütlich und die Räder waren in einer abschließbaren Garage inkl. Schrauberecke sicher abgestellt. Ist eben auch ein Partnerbetrieb der Stoneman-Plattform.

Am Morgen des 04.07. gingen wir so zeitig es ging zum Frühstück, da wir wussten, dass wir einige Höhenmeter zu bewältigen hatten und die mit Sicherheit nicht nur fahrender Weise.
Bei einem kurzen Plausch nach dem Frühstück mit der Chefin des Hotels, versicherte uns diese, dass es am Vormittag und bis zum Nachmittag trocken bleiben wird. So war es gestern auch, meinte sie. Wenn wir bis 15:00 Uhr durch die Demutspassage wären, sei alles in Ordnung.
Die Demutspassage…..das große Schreckgespenst des Stoneman Dolomiti!
Aber 15.00 Uhr sollten wir schon lange durch sein. Also alles gut und wir starteten in die Tour.

Nach kurzer Einrollphase waren wir schnell am Ortsrand von Sillian und auf dem mit einem aufgesprühten, grünen Stoneman markierten Weg.
Es ging in den ersten langen Anstieg zur Sillianer Hütte. Sonja und ich hatten zuvor ausgemacht, dass wir alle 250 Hm eine kurze Trinkpause einlegen, einfach zur Lockerung der Muskulatur und weil wir Beide eine Trinkbehinderung haben, wenn wir in der Anstrengung sind.
Die ersten 800 Hm waren so auch kein Problem. Doch dann ging es langsam aus dem Wald heraus und der Anstieg wurde giftiger.
Ab hier mussten wir unsere Bikes immer wieder mal schieben oder tragen. Wo es ging, fuhren wir natürlich. Der ein oder andere Wanderer war auch unterwegs und beim Weg hinauf überholten uns auch mal ein paar E-Mountainbiker.
Aber das war egal, wir waren wieder mit unseren Bikes in den Bergen. Und wer unsere München-Venedig-Tour verfolgt hat weiß, dass ich mit einem komplett neuen Bike unterwegs war, da mein altes Corratec einen Rahmenbruch hatte.
Das Cube schlug sich aber super, denn es kletterte den Anstieg um einiges besser hinauf als mein reines Enduro. Nur mit der Einfach-Schaltung hatte ich noch ein wenig meine Probleme, da ich ständig die Sattelstütze runterlassen wollte, wenn ich einen Gang nach unten schaltete.
Nach ein paar Schaltvorgängen war aber auch das kein Problem mehr und ich konnte das neue Bike richtig genießen.
Und schließlich wartete auf uns oben die Sillianer Hütte, bei der wir unsere Rast geplant hatten, um uns mit was Leckerem zu stärken.

Doch als wir der Sillianer Hütte und auch unserer ersten Stempelstelle immer näher kamen, wurden auch die Leute immer mehr. Und nachdem wir unser erstes Mal die Karte gezwickt hatten, überlegten wir es uns mit der Verpflegung auf der Hütte. Hier wurden wohl gerade 3 Touristenbusse gleichzeitig abgeladen, was theoretisch eigentlich nicht möglich ist. Aber hier war die Hölle los und uns verging der Hunger mit dem Trubel. Also drückten wir uns schnell ein Gel rein und aßen einen Riegel und setzten den Weg weiter fort Richtung Demutspassage.

Da war es wieder – das Schreckgespenst.

Doch als wir dann dort waren, war es gar nicht so schlimm ausgesetzt und verblockt, wie wir es befürchtet hatten. Sicher, wir konnten nicht alles fahren. Aber das kann man eigentlich bei keinem AlpenX. Mit leichtem Hunger genossen wir die Aussicht und freuten uns schon auf die laut Höhenprofil angesagte, lange Abfahrt. Doch irgendwie kam und kam die Abfahrt nicht und der Passo Silvella mit der nächsten Stempelstelle wollte sich auch noch nicht zeigen. Und so ließen wir Meter für Meter enorm Körner und ich merkte schon bald, dass ich jetzt dringend nochmal Kalorien zu mir nehmen musste, sonst würde ich eingehen wie eine Priemel.
Und spätestens hier war ich demütig!
Also machten wir irgendwo oben auf dem Weg eine Pause. Nachdem das flaue Gefühl im Magen halbwegs weg war, konnten wir weiter fahren.
Und dann kam die Abfahrt – und was für eine!!!
Super schön in den Berg gefräst zog sich der technisch nicht ganz untückische Weg nach unten Richtung Padola. Das war geil, auch wenn man auf die Fahrrinnen aufpassen musste, die ab und an auch noch einen versteckten Drop oder ein Loch als Überraschung für uns hatten.
Aber bis auf einen kleinen Abstieg über den Lenker von Sonja, kamen wir gut unten an.
Nachdem wir einen Supermarkt gestürmt und uns einfach auf dem Bordstein sitzend verpflegt hatten, machten wir uns auf die Suche nach der nächsten Knipserstelle. Diese fanden wir dann bei der Touristeninfo am Marktplatz von Padola. Jetzt hatten wir drei von vier ausgestanzte Symbole auf unserer Karte für heute. Morgen würde dann noch das letzte Symbol auf uns warten.

Aber dafür mussten wir erst einmal von Padola über den Kreuzbergpass und den Rotwandwiesen nach Sexten, wo unsere nächste Unterkunft auf uns wartete.
Bis jetzt hatte die Wettervorhersage unserer ersten Hotelbesitzerin gestimmt. Aber nun zog sich der Himmel so langsam zu. Und wir mussten von jetzt ungefähr 1250 Hm wieder auf fast 2000 Hm klettern. Und die taten richtig weh. Die Oberschenkel meldeten sich immer öfter und Sonja verzweifelte fast an ihrer ständig schleifenden Bremsscheibe, die für zusätzlichen Rollwiderstand sorgte.
Als es nun anfing zu tröpfeln, war unser Tiefpunkt erreicht. Es war zwar nicht viel. Aber aufgrund der Anstrengungen und der Feuchtigkeit kühlte uns der aufkommende Wind noch aus. Die eigentlich schöne Strecke durch den Wald nahm ich nicht mehr wirklich war. Und als wir plötzlich an einem großen Haus mit der Aufschrift „Kreuzbergpass“ vorbei fuhren, dachte ich nur „Verdammt, hier sind wir erst!“.
Ganz oben bei den Rotwandwiesen angekommen war eine zur Zeit stillgelegte Seilbahn, bei der unsere vierte Stempelstelle stand. Schnell abgeknipst und dann hinunter ins Tal. Denn so langsam wurde die Zeit knapp für unseren Check in.
Wobei schnell relativ ist. Bei mir wurden die Finger immer klammer und Sonja musste wegen ihrer Bremse langsamer machen. Und ich dachte nur „Hoffentlich hält die bis runter, sonst haben wir ein Problem“. Aber wir kamen gut unten an und fuhren auch direkt an unserem Hotel vorbei.
Mittlerweile schlotternd suchte ich dann verzweifelt die Rezeption, die ich dann nach einigem Hin und Her in dem gegenüberliegenden und zum Hotel gehörigen Restaurant fand.

Nach einer heißen Blitzdusche sprinteten wir förmlich in das Restaurant, da es bei der Anmeldung hieß, dass es nur bis 20:30 Uhr warme Küche gibt. Bis die Bedienung bei uns war, zeigte meine Uhr kurz nach halb neun Uhr… Shit…
Auf zaghafte Nachfrage, ob es noch was Warmes zu essen gibt, meinte die Bedienung nur „Sicher, so genau nehmen wir das hier nicht“. Puh, Schwein gehabt. Und dass in zweierlei Hinsicht. Erstens hatten wir was Gescheites im Magen dringend nötig und zweitens ist das Restaurant der Grünen Laterne sehr zu empfehlen. Das Essen war super lecker und die Bedienungen ausnahmslos sehr aufmerksam und freundlich – und dass, obwohl das Haus brechend voll war.
Mit vollem Bauch schleppten wir uns dann erschöpft auf unser schönes Zimmer mit Balkon, den wir auch noch ein wenig ausnutzten.
Doch nicht zu lange, denn am nächsten Morgen mussten wir ja wieder früh los… Auch wenn wir „nur“ noch einen Berg vor uns hatten.

Unterkünfte:
Vortag:
Hotel Bergland
204€/Ü, HP, inklusive zwei Startpakete für den Stoneman Dolomiti
Zentrum 93
9920 Sillian, Österreich

Etappenunterkunft:
Hotel Grüne Laterne
119,80€/Ü, F
Waldheimweg 10
39030 Sexten, Italien

Die Preise verstehen sich pro Zimmer und nicht pro Person!

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