TrailX: Nauders | Vinschgau | Sölden

Auch dieses Jahr starteten wir bei Tom zu Hause in aller Früh um 04:30 Uhr, nachdem ich am Vortag bereits mein Radl zu ihm gebracht habe. Gemeinsam fanden wir uns  diesmal schneller zurecht, wie man diese 3 Radl, allesamt mit Boost Naben und Gabel zusammenpferchen konnte.

Security Straps sei Dank wackelte auch so ziemlich gar nix mehr am Radlträger und Tom fuhr uns sicher und unproblematisch nach Garmisch, von dort wir dann zu Viert weiter nach Nauders wollten. Doch in Garmisch dann die Überraschung: Alex wartete nicht dort bei der OMV, sondern 50 Fahrminuten weiter nördlich an einer OMV direkt an der Autobahn. Okay, 50 Google Maps Fahrminuten, die Realität is ja meist dann etwas anders 😉

Wir hatten somit Zeit für ein Tankstellenfrühstück und bangen Gedanken, denn hier in Garmisch begann es gerade nicht unerheblich zu regnen. Generell stand das Vorhaben TrailX 2019 auf der Kippe, eben wegen diesem wechselhaften Wetter, welches Tom den AlpenX und uns den Stoneman Taurista durchkreuzt hatte. Aber so leicht wollten wir uns nicht geschlagen geben und nachdem Alex bei unserer OMV aufschlug und wir weiterfuhren, freuten wir uns über jedes noch so kleine Fitzelchen blauen Flecks am Himmel.

Wir entschieden uns für die Bergkastel Bahn in Nauders, welche uns gleich den Bunker-Trail bieten sollte. Johnny hatte uns im Vorfeld bereits mit Infomaterial in Form von YouTube Videos gefüttert und so waren wir gespannt auf die Panzersperren und verblockten Stellen.

Zunächst stellte sich aber die entscheidende Frage: Fullface Zeit oder Enduro Outfit? Noch waren wir zaghaft so aufgemotzt durch die Gegend zu fahren, also wanderte der Fullface wieder ins Auto. Außerdem heißen die Trails ja hier auch Enduro-Trails und boten ein paar Höhenmeter auch zum Strampeln an. Alex war sowieso puristisch unterwegs und grinste nur wegen unserer Knie- und Ellenbogenschoner.

Also ging es in die Bergkastelbahn und oben angekommen verzogen sich allmählich auch die hängenden Wolken. Der Bunker-/ Etschtrail war mit S1 und S2 ausgeschildert und für uns genau richtig. Genau richtig, um sich an manchen Stellen in die Hose zu bieseln und genau richtig, um anschließend mit fettem Grinsen am Zwischenstück anzukommen und sich zu freuen, dass man die ein oder andere verzwickte Stelle doch noch gemeistert hatte. Auch dass es doch einige Radler (ua. auch die eigene Crew😅) gab, die diesen Trail vor- oder hinter einem flüssiger und weitaus eleganter gemeistert hatten, so war ich mit meiner Leistung zumindest zufrieden. Klar, das mit dem Hinterrad Versetzen nervt mich immer noch und sollte mich auch im Laufe der nächsten Tage noch ein wenig ärgern, dass ich es nicht beherrsche. Aber wenigstens kann ich mich jetzt schon um so manche Spitzkehre zumindest herumzittern, wenn auch noch längst nicht um alle.

Der letzte Trail des Tages, es hatte pünktlich wie angekündigt um 13:00 Uhr wieder das Regnen angefangen, sollte dann der Bergkasteltrail sein. Wir hatten ihn schon aus der Gondel heraus beobachten können und wollten zum Abschluss nochmal etwas Flow. Mit S1 war es weitgehend flowig, auch wenn man durchaus hier den Unterschied zu „enduro flowig“ und „bikepark flowig“ machen muss. Und der Regen verwandelte unseren Trail teilweise in einen kleinen fließenden Bach. Und so kamen wir matschig, dreckig und durchnässt unten an der Bergbahn wieder an. Aus unseren dreckigen Gesichtern blitzte ein Grinsen und ein anschließendes Fotoshooting der dreckigen Hintern musste noch sein. Alex lieferte uns einen perfekten Bikewash und auch unsere restlichen Klamotten bekamen eine Schlauchdusche ab.

Wir sparten uns das Puzzelspiel am Radlträger von Tom und mein XS-Rahmen-Canyon kuschelte sich zusammen mit Alex‘  Leihfully auf dessen Pickup. Zum Glück hatte sich die Sonne wieder gegen den Regen durchgesetzt und unsere Aufräumaktion verlief im Trockenen.

Wir verzichteten auf den Klamottenwechsel und die gute alte Pferdedecke über Vordersitze, bzw. ein Handtuch für Johnny am Rücksitz mussten die Polster vom Gröbsten fernhalten. Auch wenn uns die Decke über Fahrer- und Beifahrersitz in eine zweideutige Bredouille brachte („Heb a moi deinen Rock a wengal o, der is zu eng, I triff ned nei“), konnten wir uns dennoch anschnallen, ohne die Sitze mit Schlamm einzuweichen. Auch wenn es „a wengal a komisch’s Gfui ja scho is…oiso so vom Popo her!“ (gell Tom)

Und er traf es mit den richtigen Worten: „Also mögen muass ma des ja scho, so vom Dreck her!“

Abends gab’s im Stammhotel der Krenns noch ein ungeduschtes Bier auf dem Balkon und eine geduschte Pizza im Restaurant. Perfekter Ausklang, dad I moi song, so vom Ambiente her 😊

Der heilige Hans und der Barbarossa

Holy Hansen: Seit gut 3 Jahren ziehen Tom, Alex und Johnny mir mit diesem klangvollen Namen die Zähne lang. Und heute war es endlich so weit. Das Wetter zeichnete sich am Vormittag wohlwollend und wir versicherten uns, dass der Trail auch bei nächtlichem Regenguss noch gut fahrbar war.

So ging es mit Michi’s Bikeshuttle und diesmal von ihm höchstpersönlich zum Trail Startpunkt. Ca. 950 Tiefenmeter Trailspaß warteten auf uns, da machten die 50 hm zum Einstieg überhaupt keine Probleme. Diesmal war Fullface Zeit angesagt…bis auf Alex. Der fuhr immer noch puristisch und grinste sich eins.

Tom machte uns schon seit der Anfahrt verrückt, wegen einer gewissen Stelle, die er bisher nur mit Schieben bewältigen konnte: Eine besonders verblockte Stelle, welche sich in eine enge, scharfe Rechts-Links-Kombi steil nach unten zog. Und er schaffte es, zumindest mich und auch Jonas ein wenig damit zu verunsichern. Mehrmals rutschte es aus ihm heraus: „Etz kimmts glei, etz kimmts glei!“. Und als er dann, nachdem wir einen bisher wirklich coolen, anspruchsvollen aber nicht überfordernden Trail meistern durften mir zurief: „Sonja, jetzt kommt die Stelle!“ rutschte es aus mir heraus und ich schimpfte halb lachend, halb murrend: „Ach, halt doch die Klappe!“ Aber es war zu spät. Zu spät um anzuhalten und zu spät um darauf zu reagieren, dass Tom am Felsen festhing. Ich hätte die Kurve aber eh nie gekratzt, und so blieb ich mit meinem Vorderrad an seinem Hinterrad hängen und entschied mich für eine kurzfristige Trennung zwischen Radl und mir.

Jonas zeigte uns nach ein paar Anläufen, wie man es richtig machte und ich konnte so sehr mit ihm mitfühlen, als er es packte. Sauber, Johnny, des war stark!

Später fand ich auf YouTube ein Video, wie zwei Radler den direkten Weg über den Stein ohne Kurve nahmen. Pfff…so kanns ja jeder 😉

Wir nahmen noch so die ein oder andere verzwickte Stelle, einmal mit mehr, einmal mit weniger Anlauf und kamen dann doch viel zu früh in Göflan wieder raus.

Nach einem kühlen Getränk in der „Chill Out Area“ trennten sich leider die Wege zwischen Alex und Tom, Jonas und mir. Er hatte noch anderweitig Verpflichtungen und noch einen weiten Heimreiseweg. Schade, denn der anschließende Barbarossa Trail und die Bikerepublic Sölden wäre mit Alex auch noch lustig gewesen.  

Also machten wir uns wieder zu dritt auf zum Sessellift Tarscher Alm und hatten es mal wieder mit einem zeitlichen Wettkampf zwischen uns und dem Wetter zu tun. Am späten Nachmittag sollte es bereits wieder regnen und wollten wir den Barbarossa zweimal bezwingen, so mussten wir uns sputen. Aber unsere Ankunft war früh genug dafür, wir konnten in Ruhe die Radl vom Auto montieren und Jonas Dämpfer noch kurz optimieren. Denn es war ja noch nicht mal 13:00 Uhr. Zeit genug also. Dachten wir!

Womit wir nicht gerechnet hatten, war die akkurate Einhaltung der Mittagspause des Liftbetreibers. Um 12:30 Uhr gingen bei ihm die Läden zu…um 12:32 Uhr standen wir vor seinem Fenster: „Sorry, Mittagspause!“ Klack…

So saßen wir bis 14:00 Uhr motzend und kopfschüttelnd vor seinem Kabuff und beschäftigten uns mit Klanghölzern und dem Beobachten der Bogenschützen, welche sich mal mehr oder mal weniger gut mit dem Bogen auf die Ziele einstellen konnten.

Aber alles war halb so schlimm: Der Liftbetreiber öffnete ein paar Minuten eher und war im Endeffekt total freundlich und nett. Mei, mir warn halt zu spät. Pech g’habt!

Und so ging es dem Barbarossa Trail entgegen. Im Sessellift hatte man genug Zeit sich das Ausmaß an Sturm- und/oder Borkenkäfer Schäden des Waldes anzusehen. Aber auch einen Blick auf so manche Anliegerkurve des Trails konnte man erhaschen.

Oben angekommen verstanden Johnny und ich zunächst das System des „Über die Weidezaunabsperrung gelassen Werdens“ von Tom nicht, als er das Band flach auf den Boden abgelegt hatte. Erst beim vierten Mal verstanden wir: Wir sollten drüber fahren und er macht es wieder zu, statt das Plastikteil von Hand zu Hand zu reichen. Mei, Tom, was soll ich sagen: Wenn’s mal wieder länger dauert! 😊

Als ich es ihm beim zweiten Mal gleichtun wollte, bekam ich gleich mal sauber Eine gewischt. Hoffentlich hat’s keiner gemerkt, lach.

Der Trail war spaßig und schön angelegt. Für uns keine Stelle, die nicht fahrbar oder übermäßig herausfordernd war. Letztendlich war es dem matschigen Untergrund und meinem zugeschmodderten Reifenprofil zu verdanken, dass ich die ein oder andere Anliegerkurve nicht ganz so elegant mitnahm. Ein Blick auf die Reifen meiner Mitstreiter verriet mir, dass es wohl am Hersteller lag. Wobei ich sonst gegen meine Contis wirklich nichts kommen lassen möchte. Oder aber ich fuhr zu passiv und der Matsch hatte bei mir gar keine Möglichkeit sich aus dem Profil zu schleudern!

Wir stellten fest, dass wir die Trailbauer einfach nur bewunderten. Sie schufen einen Pfad in einen Berghang, der durchdacht und spaßig zu fahren ist. Einzig die Sperrung des unteren Trails war ein wenig enttäuschend, da man die restlichen Tiefenmeter auf einer breiten Waldautobahn nach unten knirschen musste. Aber wir wagten es dennoch nicht die Absperrung zu umfahren. Wir wussten ja, dass das nicht immer gut ausgehen musste.

Nach der zweiten Runde aber hieß es für uns wieder die Radl zu verstauen, dreckig wie sie waren, und den Weg nach Sölden anzutreten. Der war, von Meran abgesehen, mit dem Weg durch das Vinschgau und über das Timmelsjoch wieder einmal ein geschichtsträchtiges Highlight. Erinnerungen und ein wenig Wehmut begleiteten uns nach Sölden.

Dort bekamen wir bei Onkel Tom eine der besten Pizzas, die ich je gegessen hatte. Zum ersten Mal konnte ich eine Thunfischpizza ohne Zwiebeln genießen, da man sich hier seine Pizza selbst zusammenstellen konnte! Daumen hoch, das war echt klasse. Und die Bedienung super nett und der Schnaps lecker.

So konnte der Tag ausklingen.

Bikerepublic Sölden

Hier beschränke ich mich eigentlich in meiner Berichterstattung, denn im Prinzip gibt es nicht so sehr viel Neues im Gegensatz zum letzten Jahr zu berichten. Wir nahmen die Trails vielleicht von vornherein etwas schneller und direkter. Wir verzichteten auf Fotostopps und ballerten die Trails angehend durch. Wenn nicht gerade von ein paar Kühen ausgebremst, die sich im Übrigen nicht im Geringsten an uns Bikern störten und sich im Gegenteil noch kurz die Nase im Vorbeifahren kraulen ließen. (Nur mal so am Rande bemerkt, wegen dieser ganzen Diskussion im Netz) Und irgendwann wich man auch den Hinterlassenschaften derer nicht mehr aus, sondern nahm sie mit in den Stollen auf und wandelte alles in ein Gemisch aus Matsch, Steinen und Kuhfladen. Auch wenn’s dann mal vom Handschuh ins Gesicht wandert, gell Tom?

Kuhtreiben

Ein paar wenige neue Trails waren dabei, aber wir kehrten immer wieder zu unseren Standards zurück. Ein Standard allerdings brachte Tom mal kurz aus der Bahn. Um nicht zu sagen über die Bahn. Ich kann mir nicht erklären wie und warum, aber auf einer fast geraden Strecke am Hang entlang sah ich ihn nur noch vornüber eintauchen und einen Negativfelgaufschwung über den Lenker nach vorne machen. Es sah heftig aus und er brauchte auch ein paar Minütchen zum Durchschnaufen. Aber zum Glück war nicht viel passiert, außer ein paar Schrammen am Schienbein (das war ja irgendwie auch schon ein Klassiker bei ihm) und nem Pferdekuss am Oberschenkel. Das Radl war mit einem vermutlich leicht verbogenen Schaltauge auch relativ glimpflich davongekommen.

Fullface Zeit

Wir trafen im Vorbeifahren auf unserer letzten Fahrt noch unsere Holländer, welche wir im Restaurant getroffen hatten und dann war es auch schon wieder vorbei, unser Trail Abenteuer.

Wir gondelten nach Hause: ungeduscht, verschwitzt und dreckig und freuten uns auf unsere Daheimgebliebenen.

Ja, ma muass scho ming, den Dreck und so!

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