DAV-Trailwochenende rund um Garmisch

In der DAV-Zeitschrift Panorama fanden Sonja und ich eine angebotene MTB-Tour über zwei Tage im Raum Garmisch-Partenkirchen. Laut Beschreibung sollte es am ersten Tag zur Reintalangerhütte am Fuße der Zugspitze und am zweiten Tag auf die Esterbergalm und zum Gschwandtnerbauern gehen. Da wir beide schon die Reintalangerhütte mit dem Bike besucht haben und uns die Tour in guter Erinnerung geblieben war, beschlossen wir kurzerhand nachzusehen, ob wir noch zwei Plätze ergattern können.

Johann schrieb uns auch relativ schnell zurück, dass er die Platzreservierung bestätigt und er sich nochmal meldet wegen den Einzelheiten wo bzw. wann wir uns treffen! So machten sich Sonja und ich am 14.09. in der Früh nach Garmisch-Partenkirchen auf, um uns dort mit unseren 5 weiteren Mitstreitern und Johann, dem Guide, am Skistadion zu treffen.
Kurz nach Ankunft suchte ich erst einmal das Café direkt am Skistadion auf, da ich noch nichts gefrühstückt hatte.

Die Mitarbeiterin des Cafés erkundigte sich nach unserer Tour. Sie meinte dann mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht, dass ich mich am zweiten Tag sicher an sie erinnern werde, da es dort drüben hochging. Mit einem Fingerzeig in die Richtung meinte sie dann nur: „Steil, sehr steil – aber fahrbar. Und es lohnt sich“
Hm…. Das machte Mut auf den nächsten Tag. Und ich dachte, dass das der leichtere der beiden Tage sei.

TAG 1 – Fahrt zur Reintalangerhütte

( Distanz: 37,71 km / Zeit: 3:42 Std. / 1223 Hm )

Nachdem wir alle gut angekommen und uns erst einmal vorgestellt hatten, führte Johann mit uns den obligatorischen Bike Check durch.
Da bei allen die Bikes gut in Schuss waren, konnte er recht zügig dazu übergehen uns die Streckencharakteristik und das Höhenprofil zu erklären und ließ dazu auch eine kleine Übersichtskarte des Höhenprofils aus dem Moser-Guide rumgehen.
Die angepriesenen Zahlen auf der Moser-Karte ließ uns ehrfürchtig in Richtung Wald blicken, wo unser Startpunkt sein sollte.
Und auch in Sonjas und meinem Gedächtnis war von unserer damaligen Tour noch in Erinnerung, dass wir bei weitem nicht alles gefahren waren aufgrund der Steilheit.
Aber wir hatten ja Zeit und in der Gruppe fährt es sich gleich viel leichter.
Zumal Hans uns immer wieder prägnante Punkte nannte, an der sich die Gruppe wieder zusammenfinden sollte!

Unsere Erinnerung hatte uns nicht getäuscht. Es ging hinter dem Skistadion sofort ordentlich in langen Rampen immer weiter nach oben.
Das Feld zog sich zunehmend auseinander und man konnte sofort erkennen, dass Gertraud, Hans und Veit (der Jüngste und die beiden Ältesten) am Berg der absolute Hammer waren. Sie fuhren die Rampen hinauf, als wäre das nichts.
Sonja, Flo und ich hechelten hinterher und unser Guide Johann hielt sich immer im mittleren bis hinteren Drittel, um die Gruppe zusammen zu halten.
Nachdem wir die Bockhütte passiert hatten, lichtete sich so langsam der Wald und der Weg wurde schmaler. Es ging ins Reintal. Herrlich.
Sobald man sich auf den schmalen Pfaden durch das Tal bewegt muss man zwar ein wenig auf die Wanderer aufpassen, aber durch gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt konnten wir die Tour ohne größere Zwischenfälle gut meistern.
Kurz vor der Hütte gab es dann noch die eine oder andere Stelle, bei der wir unsere Bikes schieben mussten, da zu viele bzw. zu große Steine im Weg lagen. Sonja und mir fiel auf, dass an den Stellen, wo sich damals tolles türkisfarbenes Wasser in Gumpen gesammelt hatte, jetzt nur noch leere Löcher waren.
Laut Johann hatten diese sich nach dem letzten Hochwasser nicht mehr gefüllt bzw. die Gumpen (Becken) waren wohl dabei kaputtgegangen. Schade!

Bei Ankunft an der Hütte mussten wir feststellen, dass diese sehr gut besucht war. Die Terrasse war voll besetzt.
Da wir aber noch kurz ausdünsten und unsere Bikes halbwegs sicher abstellen wollten, benötigten wir noch ein paar Minuten. Als wir endlich soweit waren, hatte sich auch der eine oder andere Wanderer bzw. Biker wieder auf den Weg gemacht und wir fanden an einem Tisch auf der Terrasse Platz.
Bei Speis und Trank erklärte uns Johann, dass wir nicht ganz den selben Weg zurück nehmen, wie wir gekommen waren.
Er erklärte uns den Weg und anschließend fachsimpelten wir ein wenig über verschiedene Navigationsgeräte und wieder mal den Moser-Guide.
Nachdem sich alle gestärkt hatten, machten wir uns auf den Rückweg.
Wir cruisten wieder durch das Reintal und manche bekamen die Kurve nicht ganz so wie geplant und fuhren in die Botanik. Aber es blieben alle unverletzt und so erreichten wir schließlich die Gabelung, an der wir den anderen Weg nehmen wollten.
Unser Guide erklärte uns, dass wir die Fortsautobahn bis runter an den Fluss nehmen und uns unten wieder treffen.
Wir brausten hinab und man musste immer wieder höllisch aufpassen.

Einmal hätte es dann fast auch mich erwischt, da mir mein Vorderrad auf dem geschotterten Weg weggerutscht war. Das Hinterrad folgte und ich hatte Glück, dass ich mittlerweile mit Magnetpedalen fahre. Ansonsten hätte es mich ziemlich zerbröselt auf dem Weg, denn ich konnte gerade noch einen Fuß auf den Boden bringen und mich zwei Mal abstoßen….und das bei einer Geschwindigkeit von 30-35 km/h.
Mit meinen alten Klickpedalen hätte ich wohl Bekanntschaft mit dem Schotterweg gemacht.
Nach dem kurzen Adrenalinkick fuhr ich wieder aufmerksamer und alle kamen unten wohlbehalten an.
Da wir aber eine andere Route nahmen wie beim Hinweg, lag nochmal eine Steigung vor uns mit Stufen, die zur Umgehung der Partnachklamm gebaut wurde. Wir trugen und schoben unsere Bikes nach oben und kamen schließlich oben an einem Gasthof an, wo wir unseren Durst stillten.
Nun mussten wir nur noch zurück zu unseren Autos radeln, um geschlossen zu der gebuchten Jugendherberge in Burgrain zu fahren.

In der Herberge angekommen, bezogen wir unsere Zimmer, duschten uns und trafen uns anschließend im Eingangsbereich.
Denn der Hunger nagte bereits an allen und Johann hatte zum Glück schon eine Pizzeria in Farchant für uns reserviert.
Wir ließen den Tag beim Essen Revue passieren und lernten uns alle noch ein wenig besser kennen.
Zurück in der Herberge nahmen wir alle noch ein Gute-Nacht-Bierchen und der Tag klang gemütlich aus.

TAG 2 – Rundkurs über die Esterbergalm und dem Geschwandtnerbauern mit vielen Trails ( Distanz: 25,03km / Zeit: 3:08 Std. / 904hm )

Am zweiten Tag trafen wir uns alle nach dem sehr ausgiebigen Frühstück an den Autos, um gemeinsam zu unserem Startpunkt zu fahren.
Der Parkplatz der Wankbahn war schon gegen 09:00 Uhr sehr gut gefüllt.
Beim Abladen bzw. Ausladen der Fahrräder stellte unser Guide fest, dass er offensichtlich am Vortag sein vorderes Laufrad vergessen hatte einzuladen.
Er fuhr sofort wieder zurück, um nachzusehen, ob es doch noch ehrliche Finder gab.

In der Zwischenzeit blockierten wir mit unserem Gepäck und den Rädern den frei gewordenen Parkplatz, ansonsten hätte Johann bei seiner Rückkehr das nächste Problem. Wir kassierten zwar den einen oder anderen missbilligenden Blick, aber das Vorhaben gelang. Und auch unser Guide hatte mit seinem Laufrad Glück gehabt.
Tatsächlich hatte jemand das Vorderrad gefunden und bei dem Cafe am Parkplatz abgegeben.
So startete unsere Gruppe mit ein klein wenig Verspätung in die Tour.
Doch vorher machten wir an der Übersichtskarte noch einmal Halt und ließen wieder die Streckenbeschreibung vom Moser rumgehen.
Wir schauten uns das Höhenprofil an und staunten nicht schlecht.
Unser Tour-Leiter hatte zwar erwähnt, dass drei giftige Rampen vor uns liegen, aber wenn man es dann schwarz auf weiß sieht….
Die erste Rampe hatte 21 Prozent, die zweite Steigung 23 Prozent und die Letzte schließlich 26 Prozent.
Aber am Schluss der Steigungen sollte uns die Esterbergalm erwarten.

Eine Einrollphase vom Parkplatz weg war Fehlanzeige. Es ging sofort in die erste Rampe und die Oberschenkel waren sofort aufgeblasen.So fuhren und schoben wir teilweise die Rampen nach oben….außer Gertraud und Veit, die wieder alles hoch traten….Und auch Gertrauds Mann ließ sich nicht lumpen. Respekt.
Flo hatte bei einem der Anstiege dann einen technischen Defekt, da sich eine Schraube an der Schwinge seines Hinterrades gelöst hatte. Zum Glück hat er es beim bergauf fahren bemerkt. Nicht auszudenken, was bei einer rasanten Abfahrt passiert wäre, wenn die Schwinge kollabiert wäre….
Nachdem die drei Rampen dann schwitzend und schnaufend geschafft waren, erschloss sich ein traumhaftes Hochplateau vor uns, das uns direkt zur Esterbergalm führte.
Wir machten einen kurzen Verpflegungsstopp und setzten unsere Fahrt weiter fort.

Auch hier kam nochmal eine 16-prozentige Steigung auf uns zu.
Diese sollte uns zu zwei wunderschönen technischen Trails führen, die zum Geschwandtnerbauern führten.
Am Einstieg des ersten Tails machten wir zuerst noch eine kleine Pause, um sich zu konzentrieren und damit wir unsere Knieschoner anziehen konnten.
Komplett ausgerüstet stürzten wir uns in den genialen Trail, der aufgrund der vielen Steine und Stufen technisch herausfordernd war. Hier und da war auch der Weg weggebrochen und deshalb musste man sich seine Linienwahl gut überlegen.
Holpernd kamen wir an einer Wegegabelung zum Stehen und Johann meinte, dass es hier zwei Varianten gibt, die man fahren konnte.

Eine normale und eine etwas ruppigere, die dann richtig steil bergab ging.
So teilten wir die Gruppe auf, wer sich zutraute den heftigeren Weg zu fahren und setzten unseren Trailspaß fort.
Sonja und ich entschieden sich für die ruppigere Variante und stellten fest, dass es eigentlich nur um eine Schlüsselstelle ging. Denn steil waren beide Abfahrten. Bei der Schlüsselstelle musste man jedoch ordentlich den Hintern hinter den Sattel setzen, sonst hätte man ein Problem.
Unten angekommen wichen wir dann von der Moser-Route ab und folgten einem weiteren Waldtrail von Johann. Auch dieser ließ sich schön fahren und so erreichten wir nach einem sehr kurzen Anstieg den Geschandtnerbauern…

Das Kuchenbuffet ließ keine Wünsche offen und so konnte ich mich nicht entscheiden und futterte zwei Stücke Kuchen.
Hatten wir uns ja schließlich verdient.
Nach ausgiebiger Rast hüpften wir wieder auf unsere Bikes und fuhren hinunter ins Tal nach Garmisch-Partenkirchen.
Am Parkplatz angekommen tauschten wir alle noch unsere Nummern aus, damit die gemachten Fotos an den Mann (oder Frau) kommen konnten.
Wir verabschiedeten uns alle voneinander und kamen alle zum gleichen Ergebnis – das war ein tolles und anspruchsvolles Trailwochenende, bei dem wir wieder mal viele nette Menschen kennengelernt haben.

Ein großes Dankeschön geht auch nochmal von mir an unseren Guide Johann, der mit der Organisation und der Leitung der Gruppe einen guten Job gemacht hat!
Vielleicht sieht man sich demnächst ja wieder!

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