Megamarsch Frankfurt 2019

#wirgehenweiter – 100km in 24 Stunden – von Eschborn Süd nach Langen / Garmin – Link
Distanz: 100 km – Zeit: 22.41 Std. – 536 Höhenmeter

Sonja und ich sind vor längerer Zeit über die Homepage vom Megamarsch „gestolpert“ und taten es anfangs relativ schnell ab.
Da ich die Idee aber doch lustig fand, schrieb ich meiner Cousine dann just for fun, ob das nicht doch etwas für uns wäre und wir eventuell als Gruppe starten wollen.
Annika war sofort dabei und organisierte relativ zügig noch eine Mitläuferin.
Die Idee war geboren und so meldeten wir uns an. Bei mir war auch ein wenig Nostalgie mit dabei, da ich zehn Jahre in Frankfurt gearbeitet hatte.
Im Kollegenkreis nachgefragt, fand sich ebenfalls noch ein Verrückter (ich wusste, dass er zusagen würde).
Der originale Schriftverkehr über WhatsApp lautete in etwa so.
ICH: „Hi Jona. Lust am Megamarsch in Frankfurt mitzumachen? 100 km in 24 Stunden wandern!“
ER: „Warum sollte ich so etwas tun? Hört sich doch verdammt dumm an! Ich bin dabei!“ Genau so hatte ich ihn eingeschätzt.
Somit war unsere Gruppe nun 5 Mann/Frau stark!
Bis zum Start Mitte Oktober ging dann doch noch etwas Zeit ins Land und Annika musste sich einer Knie-OP unterziehen. Somit war sie für den Megamarsch raus! Leider. Auch ihre Mitläuferin verabschiedete sich dann, was durchaus verständlich war, schließlich kannte sie keinen von uns. Als dann Jona aus privaten Gründen ebenfalls die Segel streichen musste, bestand unsere Gruppe wieder nur aus zwei Personen. Sonja und mich – also die üblichen Verdächtigen.
Gut! Die Tickets waren ja schon seit langem gekauft und so gab es keine Ausreden mehr. Nach ein paar Trainingsläufen über 35 und 50 km zum Test der richtigen Ausrüstung ging es im Oktober nach Frankfurt zum Megamarsch.

Über Booking.com hatte ich bereits ein Hotel in Langen, dem Zielort, gebucht. Wir reisten einen Tag vorher an, damit wir uns wenigstens die Strapazen der Anreise sparten. Wir sollten ja noch lange genug während des Megamarsches auf den Beinen sein.
Das Hotelzimmer am Freitag war, sagen wir ok, und nur ca. 3 km entfernt vom Zielort. Das sollte nach dem Zieleinlauf ja zu machen sein. Das war der Plan!
Wir gingen am Abend noch schön in Langen im Asia Palace essen (viel Sushi) und schlugen uns die Bäuche voll… Sozusagen eine Henkersmahlzeit. Das Restaurant war wirklich riesig. Mit rundumlaufendem Wassergraben mit Fischen sowie live Pianomusik. Und geschmeckt hat es auch noch super. Kann ich echt nur empfehlen.

Nach einer relativ unruhigen Nacht aufgrund der quietschenden, gestärkten Bettwäsche 🙂 genossen wir das wirklich leckere Frühstück ausgiebig und so langsam wuchs auch die Anspannung, was da wohl auf uns zukommen sollte.
Nach dem Frühstück machten wir uns fertig, überprüften nochmals unsere Rucksäcke und die Ausrüstung und begaben uns zur S-Bahnstation Langen-Flugsicherung. Von hier fuhren wir in knapp einer halben Stunde zum Startort nach Eschborn Süd, welches im Nordwesten von Frankfurt liegt. Wir waren noch relativ früh dran und so war auch noch nicht viel los und auch noch nicht alles fertig aufgebaut.
Mit der Zeit füllte sich der Platz und die Anspannung stieg. Als dann gegen vierzehn Uhr der Check-in geöffnet wurde, um seinen Wanderpass zu empfangen, war ich über die Entscheidung am Vortag schon bei Globetrotter das Startpaket geholt zu haben, sehr froh. Denn die Schlange am Check-in für Teilnehmer ohne Startpaket war immens lang. Der Check-in für Teilnehmer, die sich das Startpaket schon vorher geholt hatten, war dafür fast leer! Alles richtig gemacht!

Man kam mit dem einen oder anderen Teilnehmer immer wieder mal ins Gespräch und man konnte toll die Leute beobachten. Es war erstaunlich wie unterschiedlich das Starterfeld vom Alter, der Ausrüstung und der optischen körperlichen Fitness war. So verstrich die Zeit und die erste Startergruppe begab sich in die Box. Punkt sechzehn Uhr verließ die erste Gruppe den Start.
Das Abenteuer hatte begonnen.

Wir starteten in der dritten Gruppe. Direkt nach dem Start musste man erst einmal durch eine Engstelle und anschließend einen schmalen Weg entlang. Dadurch staute sich das gesamte Feld doch enorm zurück und der vorgenommene Schnitt für die Geschwindigkeit war vorerst dahin.
Da Sonja und ich nicht so der Fan von Menschenmassen sind, zogen wir das Tempo, sobald es möglich war, an. Der eigentlich vorgenommene Schnitt von ca. 5-5,5 km/h war da ebenfalls schnell dahin, da wir durch die ständigen Überholmanöver uns zwischen 6 und 7 km/h einpendelten. Dieses Tempo hielten wir dann auch bis zum ersten Versorgungspunkt. Ein Angehöriger der Bundeswehr, der mit seinem Hund unterwegs war, war in etwa in dem selben Tempo unterwegs. Da sein Hund aus dem Zugsport kam, war dem unsere Geschwindigkeit zu langsam. Und so zog er sein Herrchen ständig voran, dass dieser schon hoffte, dass der Hund am Abend etwas ruhiger wird.
Die Zeit mit ihm war sehr kurzweilig und wir führten viele Gespräche. Außerdem konnte man immer wieder von verschiedenen Punkten die Skyline von Frankfurt bewundern.
Am Versorgungspunkt 1 angekommen wechselte ich dann meine Schuhe. Die leichten Trekkingstiefel von Salomon mussten meinen Laufschuhen von Brooks weichen. Die Verpflegung selbst ließen wir bei Station 1 links liegen, da wir beide noch keinen Hunger hatten und auch viel zu viele Teilnehmer rumwuselten. In der Hoffnung auf weniger Betrieb setzten wir den Marsch relativ zügig fort. Dabei verloren wir unseren Begleiter mit Hund.

Ein bissl Gas rausnehmend ging der Marsch weiter. Der Sonnenuntergang war wirklich schön und langsam wurde es dunkel. Aber aufgrund des Vollmondes war es nie wirklich stockdunkel und meines Erachtens auch ein psychologischer Vorteil. Man musste nicht ständig im Lichtkegel von Taschen- oder Stirnlampe laufen und konnte trotzdem noch die Konturen erkennen. Der einsetzende kurze Nieselregen machte uns auch nicht wirklich was aus und so kamen wir gut voran. Die Kilometer schmolzen dahin und es lief bei uns wirklich gut.
Auf der Strecke wurden die ersten Blasen durch die eingesetzten Malteser Rettungskräfte verarbeitet und auch das eine oder andere Kreislaufproblem behandelt. Die Jungs haben echt einen guten Job gemacht und man fühlte sich immer gut aufgehoben. Danke dafür!

Kurz vor Kilometer 40 kam der zweite Verpflegungspunkt. Ich hatte zwar Hunger und Durst, aber auch ein anderes Problem. Irgendwie hatte ich wohl die neuen Riegel nicht so toll vertragen und es rumorte schon seit ein paar Kilometern in meinem Darm. Da wir ständig in Begleitung von Teilnehmern waren, konnte ich auch nicht einfach mal Luft „ablassen“. Also suchte ich mir bei Station 2 dann ein ruhiges Plätzchen und wollte mal in Ruhe pupsen… Das wäre dann fast wortwörtlich in die Hose gegangen und so suchte ich erst einmal das nächste WC auf. Offensichtlich war ich nicht der Einzige mit derartigen Problemen und vor und hinter mir standen einige mit Magengrummeln.
Nachdem ich mich erleichtert hatte, ging es mir um einiges besser und ich konnte meinen angerührten Instant-Kaffee genießen. Zurück an der Sitzbank versorgte Sonja bereits ihre ersten Blasen. Immerhin hatte es bis km 38 ungefähr gehalten. Und zum Glück war ich bisher verschont geblieben.

Nach einer etwas längeren Pause gingen wir weiter und ich hoffte, dass ich von weiteren Darmproblemen verschont bleiben würde.
So stapften wir durch die Nacht und überholten immer wieder Personengruppen, die teils leise miteinander redeten oder laute Ballermann-Musik hörten und damit das gesamte Feld beschallten. Diese Gruppen versuchten wir immer schnell hinter uns zu lassen, da wir doch eher die Ruhe genossen. Ich hatte zwar auch Kopfhörer eingepackt, die jedoch ungenutzt im Rucksack blieben.
Als wir auf ein Stuttgarter Pärchen aufliefen, kam auch laute Musik aus der Box. Doch hier handelte es sich um richtig guten Rock und so blieben wir ein wenig dahinter und nach einem kurzen Gespräch zogen wir vorbei. So konnte man wieder ein paar Kilometer marschieren, ohne sie wirklich zu merken. Mit aufmunternden Worten, dass wir das locker schaffen werden, ließen sie uns ziehen.
Mittlerweile waren wir bei der Hälfte der Strecke angelangt und nun bekam ich auch eine Blase auf der Sohle. Sie war noch klein und ich hoffte, dass das auch so blieb. Leider war dem nicht so und so wuchs sie beständig an und machte sich immer wieder mal mehr, mal weniger bemerkbar.
Mental ging es mir gut. Die Wanderung durch die Nacht machte mir nicht zu schaffen und auch die Müdigkeit spürte ich aufgrund der angenehmen Temperaturen nicht. Aber die Beine wurden langsam schwer und die Knöchel fingen an ein bissl zu zicken. Und auch mein Darm meldete sich wieder zu Wort. Mist!
Da wir aber unseren Streckenrekord mittlerweile eingestellt hatten, unterdrückten wir euphorisch unsere Zipperlein und gingen frohen Mutes auf den Verpflegungspunkt drei zu. Aufgrund einer Streckenänderung zog sich der restliche Weg bis dorthin aber unendlich und es kam uns ewig vor. Jedes Mal, wenn wir dachten, da kommt er jetzt, war er es doch nicht. Stattdessen kam zuerst noch eine Sonderstation von YFood, bei der wir uns mit einem echt leckeren Shake versorgten. Leider setzten wir uns kurz auf eine Bank. Doch das war keine gute Idee! Denn die ersten Schritte fielen jetzt echt schwer.
Bei Hanau Wilhelmsbad mit seinem schönen Schloss und dem dazugehörigen Park war eigentlich der einzige schlecht ausgeschilderte Punkt, denn hier fehlte bei einem Abzweig schlicht und einfach die Beschilderung. Dadurch gingen einige Teilnehmer ungewollt extra Meter, die bestimmt auch extra weh getan haben. Zum Glück zeigte mir ein Blick auf mein da noch funktionierendes Navi, dass wir rechts abbiegen mussten und so kamen wir nach ein paar weiteren Kilometern auch endlich am Verpflegungspunkt drei an.

Nach meinem Toilettengang versorgte ich mich wieder mit Instant-Kaffee und frischem Obst, das an den Stationen verteilt wurde.Außerdem gab es Gatorate. Man hörte einige kritische Stimmen, die sich über den weiten Weg bis zur dritten Verpflegungsstation beschwerten. Also ging es nicht nur uns so, dass uns der Weg ewig vorkam.
Nach der Stärkung ging es auf die vorletzte Etappe Richtung Verpflegungsstation 4 bei km 80.
Ab hier ließen die immer wieder über WhatsApp geschickten Nachrichten zur Aufmunterung von unseren Freunden und ausgefallenen Mitstreitern langsam nach, schließlich mussten die ja auch mal irgendwann ins Bett. Die stetigen Nachrichten pushten uns immer ein bissl mehr voran. Nun mussten wir aber eine Zeit lang alleine weiterkommen.
Wir stapften weiter durch die Nacht und die Beine wurden schwerer, die Blasen wurden größer und auch mehr und meine Sprunggelenke fühlten sich wie versteift an. Der Kopf wollte irgendwann auch nicht mehr so und daher kämpfte ich mich Meter für Meter, Kilometer für Kilometer voran. Und auch die Worte unseres Begleiters mit Hund, dass km 70 die Hälfte der Strecke ist, kamen mir wieder in den Sinn. Ich hatte das zwar schon mal irgendwo gelesen, aber es stimmte wirklich. Alles kam einem plötzlich doppelt so weit, doppelt so schwierig vor. Und selbst der beginnende Sonnenaufgang und das Morgengrauen konnte mich nicht mehr wirklich aufpeppeln.

Meine ersten Gedanken ans Aufgeben, spätestens bei km 80, kamen mir in den Sinn und fraßen sich in mein Hirn. Als wir dann endlich irgendwann an der vierten Verpflegungsstation angekommen waren, war mein Kopf leer, meine Füße taten verdammt weh und ich hatte schon fast abgeschlossen. Ich dachte ans Aufgeben!
Doch Sonja redete mir Mut zu und eigentlich hatten wir vor dem Start ausgemacht, dass km 60 unser Ziel ist. Alles weitere ist Bonus. Sollten wir es aber bis km 80 schaffen, kriechen wir notfalls auf allen Vieren bis ins Ziel. Das ich das fast wörtlich nehmen musste, war mir nicht bewusst…
Sonja, die selbst mit sich zu kämpfen hatte, holte mir eine Cola und brachte deftige Wurstenden mit.
Ich versuchte es nochmals mit einem Schuhtausch und zog die Wanderstiefel wieder an, um durch den hohen Schaft etwas mehr Unterstützung im Bereich der Knöchel zu haben. Vielleicht half es ja. Nachdem ich mich nochmals zum Klo geschleppt hatte, rappelten wir uns auf und machten uns auf die Schlussetappe. So einfach wollte ich mich nicht geschlagen geben! Und aussteigen konnte ich ja unterwegs immer noch.

Nach den ersten wirklich schweren Schritten kamen wir langsam (und auch das meine ich wörtlich) wieder in Tritt und krochen mit einem vierer Schnitt etwa Richtung Ziel. Alle 15 Minuten schafften wir einen Kilometer. Eine kurze Hochrechnung in meinem müden Hirn ergab, dass wir dann gegen 15:00 Uhr im Ziel sein würden. Also hatten wir auch noch einen kleinen Puffer von einer Stunde, um ins Ziel zu gelangen – notfalls mit einer weiteren Pause.
Es ging nun viel durch Wald und über Schotterwege. Zuvor hatten wir uns diese herbeigesehnt, denn Frankfurt hat einen extrem hohen Asphaltanteil, was wir in dem Maße nicht so gewohnt sind. Aber mit den Blasen an den Füßen fanden wir den Wald- und Schotterboden nun nicht mehr so lustig. Jeder Stein und jede Wurzel drückte schmerzhaft in die Blasen und erschwerte nochmals die Wanderung.
Aber so schafften wir nun km 85 und km 90. Ab jetzt sollte in 1-km-Schritten heruntergezählt werden und waren endlich einstellig! PUH.
Mir taten zwar höllisch die Füße und die Beine insgesamt weh, aber irgendwie hat es 10km vor Schluss bei mir einen Hebel im Kopf umgelegt. Ich schaute nur noch direkt vor meine Füße, stach meine Wanderstecken neben mich in die Erde und stolperte langsam vorwärts. Alles andere um mich herum nahm ich nicht mehr so wirklich wahr. Tunnelblick!
Ab und an legten wir mal eine Zwangspause ein, da mittlerweile Sonja ihren Tiefpunkt hatte und schwer mit sich kämpfte. Die hielten wir so kurz es ging, da wir ja wussten, wie schwierig es war wieder in Tritt zu kommen.

Es wurde nun auch immer wärmer und die Sonne schien vom Himmel. Immer wieder kamen uns nun auch Leute entgegen, die uns anfeuerten.
Auch unsere Freunde waren mittlerweile wieder wach und schickten uns fleißig Nachrichten, die wir aber nicht mehr alle beantworten konnten, da wir mit uns selbst kämpften.
Eine Videobotschaft von den beiden Kindern unserer Freunde ließ uns fast losheulen. Es war alles extrem emotional plötzlich.
Dann waren es nur noch drei Kilometer.
Ein Blick auf die Uhr und meine enormen Rechenkünste ließen mich plötzlich im Stich. Hatte ich mich verrechnet? Haben die bei der Beschilderung etwas verhauen?
Sonja meinte nur: „Dann kommen wir ja erst um Viertel nach drei an!“ und uns beiden kam die Viertel Stunde bzw. der eine Kilometer mehr plötzlich unbezwingbar vor.
Und als wir dann das Schild 99km erhofften und auf dem Schild 98 km stand, wären wir fast vom Glauben abgefallen. Hammer, wie einem der Kopf da verrückt spielt.
Wir stolperten weiter und waren nach der Wanderung entlang der befahrenen Hauptstraße (der zweite Kritikpunkt an das Megamarsch-Team) plötzlich wieder in einer Art Schrebergarten-Siedlung. Hier kam dann auch relativ schnell das Schild 99km.
Wir hatten es fast geschafft. Nur noch ein bescheidener Kilometer. Das muss doch noch zu schaffen sein.

Und dann biegst du um die Ecke und Kinder, die ihre Kindersitze zu Trommeln umfunktioniert haben, feuern dich an. Die Eltern klatschen und versuchen dich anzufeuern und aufzumuntern… und wieder sind wir den Tränen nahe!!!
500 Meter vor dem Ziel kommst du dir plötzlich vor wie bei der Zieleinfahrt der Tour de France. Durch einen Spalier von Leuten, Zuschauern und Angehörigen der Teilnehmer wird man klatschend durchgeschleust und plötzlich hat man kaum noch Schmerzen. Beziehungsweise denkt man kurzfristig nicht mehr dran. Man kann hören, wie vor uns welche durchs Ziel gehen und dort von allen beklatscht und bejubelt werden!

Und dann gehen wir durch ein letztes kleines Tor (wie von einer alten Stadtmauer) und können den Zielbereich sehen. Erleichterung macht sich bei mir breit, ich nehme Sonja an der Hand und wieder muss ich einen Kloß im Hals runterschlucken.
Wir haben es geschafft. 100km – zu Fuß – und wir waren plötzlich vor unserer Zeit. 22 Stunden und 41 Minuten. Entweder hatte ich mich verrechnet oder die Stimmung hat uns zum Schluss doch noch einmal etwas schneller werden lassen.
EGAL. Wir waren fast im Ziel.
Auf den letzen Metern kam mir der Gedanke, dass ich Sonja auf jeden Fall vor mir durch das Ziel gehen lasse, da ich ohne sie vermutlich bei km 80 abgebrochen hätte. Da ich meine Partnerin kenne und wusste, dass sie das nicht machen würde, gab ich ihr beim letzten Schritt vor der Ziellinie einen „kleinen“ Schubs.
Ups, der war nicht mehr ganz so koordiniert, wie geplant und so wären wir fast ins Ziel gepurzelt.
Im Ziel bekamen wir unter Applaus unsere Medaille umgehängt und anschließend suchten wir uns einen Platz, wo wir endlich unseren Rucksack abnehmen und uns hinsetzen konnten. Am Krombacher-Stand holte ich uns dann noch unser verdientes Finisher-Bier und wir stießen zusammen an auf die erbrachte Leistung.
Körperlich wie mental!

Das war mit Abstand das Härteste, was ich bis jetzt unternommen hatte.
Und wir waren uns beide einig, dass wir einen 100km – Marsch nicht nochmal machen müssen. Wir hatten ihn beim ersten Versuch geschafft – das reicht. Vielleicht einen Fünfziger, aber auf gar keinen Fall mehr einen Hunderter. Wir sind ja nicht verrückt…

Nach einer längeren Verschnaufpause wollte ich dann noch etwas zu trinken holen gehen. Aber es gab nichts mehr. Weder gratis noch gegen Geld! Hier war Volksfeststimmung und es gab nix zu trinken! (Dritter Kritikpunkt)

Zum Glück fiel mir ein, dass ich ja für den Fall der Fälle meinen Ardbeg-Flachmann, gefüllt mit leckerem BenRiach-Whisky dabei hatte.
So holte ich meinen Rucksack unter dem Tisch hervor und kramte den Flachmann heraus. Bei gefühlten 25 Grad in der Sonne und fast nüchternen Magen tranken wir dann nach einem kräftigen „Slainte“ einen Whisky…und der hätte uns dann fast umgehauen.

Und uns fiel ein, dass wir ja noch drei Kilometer bis zum Hotel hatten.
Niemals! Nein! Das gehen wir nicht zu Fuß! Da waren wir uns einig.
Telefon raus und ein Taxi bestellt, das kurz darauf auch eintraf. Wir nahmen noch ein Pärchen zum Bahnhof mit, die auch nicht mehr fähig waren die Strecke zu Fuß zu bewältigen. Kurz darauf „hüpften“ wir beim Hotel aus dem Taxi, checkten erneut ein und fuhren wider unserer Überzeugung, mit dem Aufzug in den zweiten Stock.
Dieses Zimmer war viel größer und moderner als das vor zwei Tagen. Wir befanden uns aber immer noch im selben Hotel.
Wir fielen beide erschöpft auf den kühlen Boden und blieben eine Weile dort liegen.
Keinen Schritt mehr weiter. Später vielleicht noch unter die Dusche und dann ohne Essen ins Bett. Schlafen – immerhin waren wir seit über dreißig Stunden wach bzw. unterwegs.
Wenn da nicht der Durst nach einem kühlen Weißbier gewesen wäre. Unter Aufbringung der letzten Reserven schleppte ich mich wieder zum Fahrstuhl und fuhr hinunter zur Hotelbar. Dort ergatterte ich unter mitleidigem Blick der Bediensteten zwei Weißbier und watschelte wieder hinauf ins Zimmer.
Das war ein leckerer Abschluss eines erfolgreich absolvierten Events!

Und nachdem wir eine Nacht darüber geschlafen hatten, fanden wir es dann doch nicht mehr so unmöglich, vielleicht doch nochmal einen 100er zu marschieren.
München soll ja sooo eine schöne Strecke haben…. 🙂 Sind wir vielleicht doch verrückt?

Und wenn 70 km die Hälfte von 100 km waren… Dann hatte ich bei 90 km noch mindestens ein Viertel der Strecke vor mir…. zumindest gefühlt!

Keine Ahnung, warum die Zeit, die Kilometer und auch die Geschwindigkeit spinnen. Aber es gibt einen schönen Eindruck über die Strecke
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