Stoneman Miriquidi

Etappe 1

Distanz: 86,18km / Dauer: 8,26 Std. / 2300Hm (+)

Garmin-Link

Nachdem wir 2019 den Stoneman Dolomiti in Silber absolviert hatten und der Stoneman Taurista leider wortwörtlich ins Wasser fiel, stand für dieses Jahr der Stoneman Miriquidi, ebenfalls in Silber (sprich: auf zwei Tage), auf unserer Agenda.
Dafür versuchten wir uns natürlich wieder etwas vorzubereiten, da wir ja die Eckdaten eines Stoneman kannten. Es sind immer so um die 130-150km und um die 4500 Höhenmeter.
Doch es kam wie es kommen musste und die Form war bei weitem nicht die, die wir haben wollten am Starttag. Aber es half nichts. Die Startplätze waren gekauft und die Hotels gebucht.
Dementsprechend fuhren wir am 31.07. mit dem Auto in Richtung Erzgebirge. Wir hatten wie üblich noch eine Übernachtung bevor wir in die Tour starteten, denn dafür ist die Anreise doch zu lang. Und es soll ja kein Stress sein, sondern eine Erholung. Denn das ist unsere Art Urlaub zu machen, einfach mal ein paar Tage körperlich wie seelisch an die Grenzen gehen….und manchmal auch ein wenig drüber. Den Kopf frei machen und abschalten können!
Das funktioniert bei uns beim Biken am besten!

Aber nun zur Tour…
Nach unserer Ankunft im Erzgebirge fuhren wir als Erstes zur Tourist-Information in Eibenstock und holten unser Startpaket ab. Dieses war wieder reichlich gefüllt mit diversen Bike-Utensilien (Kettenwachs, Radl-Flasche), Stoneman-Armband, reichlich Kartenmaterial und Kaffee aus der Gegend.
Nach einem kurzen Plausch mit dem Mitarbeiter bezüglich unserer bevorstehenden Tour und seiner vergangenen Radtour in und durch Passau, verabschiedeten wir uns und begaben uns zum Hotel.
Beim Hotel Carola angekommen bezogen wir zuerst einmal unser Zimmer. Wir lüfteten kurz das einfache, aber saubere Zimmer durch und gingen anschließend in den hinter dem Haus gelegenen, netten Gastgarten. Dort verköstigten wir die eine oder andere Bierspezialität aus der Region, schließlich hatten wir jetzt Urlaub!
Am Abend aßen wir noch eine Kleinigkeit, die wir uns zuvor aus dem Supermarkt gekauft hatten.

Da die Fenster leider keine Rollos hatten und die Zimmer somit nicht verdunkelt werden konnten, hatten wir beide eine relativ schlaflose Nacht. Also beste Voraussetzungen für eine tolle To(rt)ur!
Das Frühstück, welches von diversen Reisenden als besonders lecker bezeichnet wurde, war doch relativ spärlich und dem Preis nicht wirklich angemessen. Also hauten wir einfach ein paar Kalorien in uns rein, damit uns diese die erste Zeit mit Kraft versorgten.

Da uns der Mitarbeiter der Tourist-Information gestern den Tipp gab, dass wir das Auto gerne hinter dem Haus auf dem Parkplatz abstellen können, nahmen wir das Angebot an. Denn von der Tourist-Information (letzter Punkt des Stoneman) bis zu unserem Hotel Carola (Übernachtung vor der Heimfahrt) ging es doch stetig und nicht unerheblich bergauf. Und diese Höhenmeter wollten wir uns nach dem absolvierten Stoneman sparen…
Der Parkplatz war schnell gefunden und die Räder vom Träger montiert. Die Strecken nochmal auf den Navis gecheckt und so starteten wir am 01.08.2020, gegen halb neun Uhr in unseren zweiten Stoneman!!!

Der Stoneman Miriquidi wird gegen den Uhrzeigersinn gefahren. Das hieß für uns, dass es für uns Richtung erste Stempelstation am Auersberggipfel ging, immer den gut ersichtlichen gelben Beschilderung. Der Auersberg liegt auf 1019m Höhe. Bis zu seinem Gipfel ging es die meiste Zeit auf Waldwegen durch den dichten und absolut ruhigen Wald. Aus dem Wald heraus, stießen wir auf eine asphaltierte Straße, die Richtung Gipfel führte. Dieser folgend fuhren wir direkt auf eine große Radarstation zu, in dessen unmittelbarer Nähe das Auersberghaus sowie die erste Stempelstation lagen. Knipps!!! Das erste Loch war in unsere Karte gestanzt! Yeah. Jetzt kam so langsam das Feeling des Stoneman wieder auf!
Also schnell die Karte wieder im Rucksack verstaut und weiter durch den Wald. Wir passierten dabei Johanngeorgenstadt und fuhren durch eine malerische Landschaft. Nach einer kurzen Asphaltsause erreichten wir die zweite Stempelstation in Rittersgrün (672m). Auf die hatten wir uns schon sehr gefreut, da diese in einem privaten Garten aufgebaut und von den Besitzern bereitgestellt wurde. Im Garten standen für den erschöpften Radler dann auch Stühle, Schokoriegel und ein Kühlschrank mit kühlen Getränken bereit. Nach zwei kühlen, alkoholfreien Weißbier und aufgefüllten Wasserflaschen setzten wir die Fahrt fort.
Klasse und nochmals vielen Dank an die wirklich netten Leute in Rittersgrün. Und das beste daran war, dass wir an diesem Garten bei der Rücktour nochmals vorbeikommen würden 🙂

Leider fing dann irgendwann wieder Sonjas Bremse wieder zu schleifen an, während wir auf dem Weg zu Stempelstation drei waren, dem Fichtelberg. Dieser ist mit seinen 1215m sozusagen die Königsetappe des Stoneman Miriquidi. Dementsprechend kämpften wir uns einen steilen Schotterweg durch den Wald nach oben….und das mit ordentlich Steigung. Doch zuvor fuhren wir noch einen tollen Trail durch den Wald bergab. Unten angekommen orientierten wir uns kurz und Sonja meinte plötzlich: „Ich glaube, mein Reifen verliert Luft!“. Kurz nachgeschaut und tatsächlich. Auf dem Trail hatte sich Sonja etwas in den Hinterreifen gefahren, so dass dieser Luft verlor. Schlauchwechsel war angesagt. Eine Gruppe Biker, die vorbeikamen fragten kurz, ob wir Hilfe benötigen und fuhren weiter, als wir meinten, dass alles ok sei.
Als die Panne behoben war, fuhren auch wir weiter. Sonja war jedenfalls erstmal bedient…

Waren wir im Wald noch relativ alleine, bekamen wir nach der Abzweigung und beim Erreichen des Gipfels des Fichtelberg förmlich einen Schock. Menschenmassen, die mit Bussen, Autos und Motorrädern zu dem höchsten Gipfel der Umgebung gekarrt wurden bzw. gefahren sind. Und dann noch der eine oder andere Wanderer oder Biker, der sich den Gipfel und die Aussicht „verdient“ hatten.
Trotz allem kamen wir in ein sehr nettes Gespräch mit einem anderen Biker, der den Stoneman schon vier oder fünf Mal absolviert hat. Dieser berichtete uns von dem schwierigen Abschnitt auf der tschechischen Seite, der aber dieses Jahr aufgrund von Corona nicht befahren wurde. Irgendwann hatten wir dann alle die Nase voll von den Menschenmassen. Nachdem wir unser drittes Loch in die Karte gestempelt hatten, fuhren wir weiter in Richtung Oberwiesenthal, der Heimat von Jens Weißflog, der dort auch ein Hotel betreibt. Auf der Fahrt bergab befuhren wir zu Teilen die alte und stillgelegte Bobbahn, das war eine Gaudi.
Schnell wurde Oberwiesenthal erreicht und passiert. Entlang der tschechischen Grenze fuhren wir nun in Richtung Talsperre Cranzahl und dem Gipfel des Bärenstein auf 898m.

Die Fahrt führte uns wieder zum größten Teil auf Waldwegen zu unserer vierten Stempelstelle. Nur das letzte Stück war wieder auf Asphalt und brachte uns zu den hier in der Region typischen Häuser (Türme) auf den Gipfeln der Berge. Dem Namen entsprechend war auch eine große Bärenskulptur aus Holz direkt neben unserem Stoneman-Schild! Zack! Das vierte Loch für heute war geschafft.
Jetzt fehlte uns nur noch eine Station für heute! Und das gute daran war, dass wir direkt in einem dieser Gipfelhäuser auf dem Pöhlberg Quartier gefunden hatten. Über Feld-, Wald- und Wiesenwege fuhren wir an Brettmühle vorbei und kämpften uns den letzten, echt heftigen Anstieg nach oben. Das letzte Stück mussten wir schieben. Hammer! Völlig fertig auf 832m angekommen, stempelten wir unsere Karte und tranken erst einmal ein kühles Blondes! Da doch relativ viel Betrieb war, bestellten wir, bevor wir das Zimmer aufsuchten, schon mal unser Abendessen und reservierten uns den Platz, auf dem wir gerade saßen. Das war alles kein Problem für die Mitarbeiter des Restaurants – im Gegenteil, eigentlich war es sogar die Idee der Bedienung.
Als die Gläser geleert und die Räder in der Garage verstaut waren, kletterten wir die Stufen im Turm nach oben zu unserem Zimmer – echt uriges Haus.
Gespannt, was uns für ein Zimmer erwartet, waren wir nach Öffnen der Tür echt überrascht. Ein riesiges Zimmer lag vor uns, modern und doch sehr gemütlich mit einer großen Regendusche. Hier hatten wir genug Platz unsere stinkigen Klamotten auszulüften.
Nach dem Duschen nahmen wir im Gastgarten wieder auf unseren zuvor reservierten Plätzen Platz und schaufelten die leckere Roulade mit Knödel und Rotkraut in uns hinein, die uns prompt vor die Nase gestellt wurde. Das nenne ich Service. Wir ließen es uns gut gehen und genossen noch eine Weile den Sonnenuntergang!

Der erste Tag war geschafft…

Taschen sind gepackt!
« 1 von 32 »


Etappe 2

Distanz: 76,69km / Dauer: 8:17 Std. / 1972Hm (+)

Garmin-Link

Nach einer guten Nacht und einem noch besseren Frühstück mit allem, was das Herz begehrt, starteten wir gegen Viertel nach acht Uhr in die zweite Etappe.
Unser erster Stopp sollte der Scheibenberg auf 807m Höhe sein. Dieses Mal war der Asphaltanteil etwas höher, was uns aber in den Anstiegen nicht sonderlich störte. Schließlich hatten wir dadurch mehr Grip, konnten aber auch hier nicht alles fahren. Die Rampen waren teilweise echt giftig. Die Landschaft war schroff mit großen Felsen, dichtem Wald und dann wieder große Wildblumenwiesen. Einfach schön hier.

Heute freuten wir uns am meisten auf das Trailcenter Rabenberg, relativ am Ende unseres heutigen Tages. Doch zuvor mussten noch der eine oder andere Berg bezwungen werden. Beim Anstieg zum Scheibenberg fing es just an zu regnen. Nachdem wir unseren Stanzloch am Scheibenberg erledigt und uns sowie die Ausrüstung wetterfest gemacht hatten, folgten wir der Strecke entlang dem Unterbecken und dem Oberbecken in Markersbach. Wie die Namen vermuten lassen, ging es auch hier wieder bergauf!
Und nach diversen Anstiegen im Wald und auf der Straße brausten wir wieder eine Asphaltstraße hinunter und standen plötzlich wieder vor der Pausenstelle im Garten in Rittersgrün.
Auch heute schmeckte uns das kühle Alkoholfreie gut, aber auch die Schokoriegel wussten zu gefallen. Wussten wir doch, dass wir die Stärkung noch brauchen werden. Dementsprechend fiel die Pause auch etwas länger aus. Hier lässt es sich aber auch aushalten!!!

Doch auch irgendwann mussten auch wir weiter – schließlich lag nun das Trailcenter Rabenberg vor uns. Doch zuvor mussten wir erst auf 913m klettern, da wir nach Rittergrün runter wieder ordentlich Höhenmeter verbrannt hatten.
Die Strecke verlief zunächst entlang der deutsch/tschechischen Grenze, die Grenzmarkierung immer sichtbar neben dem Weg.
Kurz vor Rabenberg passierten wir dann auch einen ehemaligen Grenzübergang im Wald, der auf vergangene Zeiten mit Grenzkontrollen aufmerksam machte.
Dann lag es vor uns! Das Trailcenter Rabenberg. Wie wird es sein? Wieviel werden wir fahren können? Fragen, die wir gleich beantworten bekommen würden… Doch zuvor kamen wir noch an einer Stelle vorbei, die an einer steilen Kante endete. Eine Schulklasse stand da und freute sich, als wieder mit unseren Bikes kamen….ganz in der Hoffnung, dass wir dort hinunterbrettern. Dies ließen sie uns auch wissen und feuerten uns lautstark an!
Puh! Da ging es wirklich steil runter und unten angekommen wäre eine Monsterkompression. Die musste man schon ordentlich erwischen. Nach kurzer Bedenkzeit sagte Sonja, dass sie heute die Angsthasen-Route wählt und fuhr die Umfahrung.
Ich drehte noch eine Runde mit dem Bike, setzte nochmal neu an (sehr zur Begeisterung der Schüler) und brach wieder an der Kante ab…
auch ich traute mich heute nicht die steile Rampe hinunter. Nicht mit einem schweren Rucksack und ohne Protektoren. Also auch für mich die Angsthasen-Route. Aber das Ego war angeknackst…

Zum Glück hatte es wieder aufgehört zu regnen, als wir dann endlich an der Stempelstelle beim Trailcenter standen. Schnell das Loch in die Karte gedrückt, kurz orientiert, welcher Trail der unsere ist, die Sattelstütze heruntergelassen und LOS!!!
In wunderschön angelegten Naturtrails ging es immer bergab oder gerade dahin. Über wurzelige und steinige Passagen, tollen Kurven, kleinen Sprüngen. Nach kurzer Zeit wurde in einen anderen Trail gewechselt, der sich technisch etwas schwieriger gestaltete. Aber auch hier war alles kein Problem. Nur unachtsam durfte man nicht werden. Und anstrengend war es auch. So waren wir immer froh, wenn man an eine Stelle kam, wo es in einem anderen Trail weiter ging, um kurz verschnaufen zu können.
Dann kam noch eine steile, steinige Schotterpassage hinunter Richtung Erlabrunn. Dies war eine schwarze Strecke und rüttelte uns kräftig durch. Hier möchte ich nicht vom Bike abfliegen, alleine schon wegen der ganzen Steine…und der Geschwindigkeit, die wir mittlerweile drauf hatten.

Unten angekommen mussten wir erstmal unsere Hände ausschütteln. Denn durch das ständige Bremsen und Schütteln hatten die Muskeln gut zu gemacht und wollten erst wieder gelockert werden.
Durch die kleine Ortschaft fuhren wir langsam aber sicher Richtung Talsperre Sosa. Mittlerweile hatte es wieder zu regnen begonnen. Der Meinung, dass es bald wieder aufhört, beschlossen wir erst mal die Regenkleidung im Rucksack zu lassen. Aber das Wetter tat uns den Gefallen nicht und der Regen wurde kräftiger. Mittlerweile waren wir so nass, dass die Regenjacke auch nichts mehr gebracht hätte. Also fuhren wir weiter im mittlerweile strömenden Regen und stempelten unsere Karte an der sehenswerten Talsperre in Sosa ab. Die Stempelstelle war hier notdürftig angebracht, wodurch sich die Stanze etwa 10 cm über Bodenhöhe befand. Also mit den müden Knochen runter und stempeln.
Da das Radeln auf der Wehrmauer verboten ist, schoben wir unsere Bikes und genossen die Aussicht… erinnerte uns irgendwie an die Trinkwassertalsperre Frauenau in unserer Heimat.
Danach mussten wir die Bikes noch ein steiles Stück nach oben schieben, um dann wieder in den Sattel zu steigen. Ab durch den Wald zur letzten Stelle in Eibenstock. Dort angekommen waren wir nass wie sonst was und froren. Schnell abgestempelt und auf Asphalt in den Ort gebraust.

Schnatternd kamen wir hinter der Tourist-Information an unserem Auto an. Mit klammen Fingern bauten wir den Radträger und dann die Radel wieder ans Auto, legten uns Handtücher unter und fuhren klatschnass nach Schönheide zurück zum Hotel Carola.
Nach einer heißen Dusche aßen wir dort zu Abend und waren froh alles unbeschadet überstanden zu haben! So langsam kam es uns, dass wir den zweiten Stoneman gerockt hatten!

Am nächsten Morgen fuhren wir dann gleich wieder nach Eibenstock zur Tourist-Information, um dort unsere Stempelkarten vorzuzeigen als Beweis, dass wir die Strecke gefinisht hatten und um unseren zweiten Stein für die Stoneman-Trophäe abzuholen.

Nachdem wir unseren Stein empfangen hatten, fuhren wir mit glücklichen Gesichtern und geschundenen Knochen gen Passau!
Das war wieder ein tolles Erlebnis und wir werden auf jeden Fall noch den einen oder anderen Stoneman fahren! Vielleicht dann auch mit einer besseren Vorbereitung!!! 🙂

« 1 von 15 »

Unterkünfte:
Hotel Carola, Hauptstraße 183, 08304 Schönheide, Preis: 56€ / DZ, ohne Frühstück
Hotel Pöhlberg, Ernst-Roch-Straße 10, 09456 Annaberg-Buchholz, Preis: 98€ / DZ, inkl. Frühstück

Das könnte dich auch interessieren …