Ehrwald – Coburger Hütte

Über den Hohen Gang zum Seebensee auf die Hütte und über den Immensteig wieder zurück

| 16,4km | 1090hm |

Endlich war es wieder soweit. Nach langer Durststrecke von nahezu einem Jahr war es mehr als notwendig, die Berge mal wieder von der Nähe zu betrachten. Meine Laune ging seit den Schwierigkeiten für Gesundheit und Grenzverkehr von Woche zu Woche bergab, waren doch die Berge und die damit verbundene körperliche Anstrengung mein (und vieler anderer auch) Neustart-Knopf für den Alltag.

Markus hat sich letztes Jahr einen neuen fahrbaren Untersatz zugelegt. Der Opel Zafira Life…Ozl genannt. Leider hatten wir zwar noch keine Biber-Box zum Nächtigen verbaut, aber bereits im Vorfeld schon mal bei einem Ausflug getestet, wie man auf der Schaumstoffunterlage auf dem Boden des Autos schlafen konnte.

Also ging es recht spontan an einem Freitagabend mit Sack und Pack im Ozl Richtung Ehrwald, dem Startpunkt unseres aller ersten AlpenX 2016. Ich war aufgeregt wie noch nie, freute mich wie ein Kind auf’s Christkind: Sollte es tatsächlich wahr werden und wir wandern auf einen Berg…einen richtigen echten Berg?!

Bedenken gab es wegen dem Wetter und der Schneelage, aber wir waren so ausgehungert, dass wir auch ein eventuelles Abbrechen der Tour in Kauf nahmen. Hauptsache wir versuchten es…und wurden dafür entlohnt!

Freitag fanden wir einen recht einsamen Platz, an dem wir ungestört für uns und auch für die Natur nächtigen konnten. Allerdings war die Nacht dann doch nicht so erholsam wie gedacht. Sei es, weil wir beide doch etwas aufgeregt waren, oder sei es, weil man mit halbem Ohr doch immer die Umgebung überwacht. Tatsache war, dass wir zwar um 06:00 Uhr bereits aufstanden, aber dennoch recht zerwürfelt waren.

Allerdings tat es der Laune keinen Abbruch: Aufstehen, Tür auf und der Blick fällt auf das Wettersteingebirge und die Mieminger Kette. Dazu noch einen frisch aufgebrühten Kaffee und Haferflockenbrei und ich war bereits selig im Einklang.

Wir brauchten eine geschlagene Stunde, bis wir dann soweit waren und gen Coburger Hütte stapfen konnten. Da merkte man, dass wir noch nicht Ozl-Camper erfahren genug waren, aber wir diskutierten bereits rege, was man alles verbessern und optimieren könnte.

Der Weg zum „Hohen Gang“, welcher uns über den Seebensee zur Coburger Hütte führen würde, war uns bereits bekannt. 2016 gingen wir dort schon eine kleine Tour zum damals sehr trockenen Wasserfall, als wir einen Tag zu früh anreisten. Die Wiesen waren dieses Jahr wunderbar mit Blumen bewachsen und wir schwelgten in Erinnerungen an den Eindrücken unserer ersten alpinen MTB Mehrtagestour.  

Bald jedoch wurde der Weg durch den Wald wurzeliger, ausgesetzter und die Stufen höher, so dass man mehr damit beschäftigt war, zu atmen statt zu schwelgen.

Langsam lichteten sich die Baumkronen und wichen schroffer Vegetation. Und wir mussten uns eingestehen: Unsere Bergwanderkondition lässt ganz schön zu wünschen übrig. Wir haben uns den Winter über zwar in Sachen Radfahren recht fit gehalten, so dass wir diesmal besser trainiert in unser AlpenCross 2021 Vorhaben starten würden…hoffentlich. Aber die Muskelgruppen beim Bergwandern/-steigen sind dann doch nochmal was anderes. Wir beschlossen, den geplanten Mahdlgupf Klettersteig erstmal zu verschieben und vorher lieber noch ein paar „normale“ Bergtouren zu gehen.

Nichts desto trotz liebte ich diese Anstrengung. Auch wenn ich sicherlich schon mal schneller war, ich war glückselig, endlich wieder Alpenluft zu schnuppern. Wir bewunderten die Pflanzen und Blumen am Wegesrand, blickten über verschneite Berggipfel und als es dann in einer Art Talschneise Richtung Seebensee ging, waren wir uns einig: DAS ist einfach Bergglück pur! Unglaublich, wie sehr ich alle Eindrücke in mich einsog. Ich wollte so viel wie möglich mit nach unten nehmen, wenn die Berge wieder in weiter Ferne liegen und die nächste Tour auf sich warten lassen würde.

Der Seebensee (1657m ü.A.) ist ein absolutes Highlight und zu dieser Zeit noch wenig besucht gewesen. Links und rechts lagen meterhohe Schneefelder und der Blick geradeaus zeigte uns den Weg zur Coburger Hütte. Da uns auch schon sehr leicht bekleidete Wanderer entgegenkamen und sichtbar keine Ausrüstung dabei hatten, wagten wir es durch den Schnee nach oben.

Es war nicht immer einfach, den richtigen Weg zu finden, aber alleine waren wir mittlerweile nicht mehr. Einige, welche oben übernachtet hatten, stiegen bereits wieder ab, da dort oben auf Grund der Schneemenge ohne Ausrüstung und Erfahrung kaum Touren zu gehen waren.

So rutschten uns einige mal mehr und mal weniger geschickt entgegen, wohingegen wir uns aufwärts oft nicht immer den anderen anschlossen, sondern teils unseren eigenen erahnten Weg gingen. Es klappte jedoch wunderbar und bald tauchte die Coburger Hütte, welche sich schon ein paar Kehren vorher mit leckeren Kaiserschmarrn Geruch ankündigte, auf.

Auf 1917m liegt die Hütte knapp oberhalb des Drachensees. Dieser war jedoch nach wie vor zugefroren, so dass man das blaue Wasser nur ganz am Rand spärlich erahnen konnte. Dennoch war die Aussicht fantastisch, auch wenn der Apfelstrudel, nebst Kaffee und alkoholfreiem Weißbier recht schnell inhaliert wurde, denn langsam zogen sich die angekündigten Wolken auf.

Auf anraten eines Einheimischen gingen wir auch nicht die geplante Runde über die Biberwierer Scharte, welche wohl doch noch sehr stark von Felssturz und Schneemassen betroffen war, sondern stiegen bis zum Seebensee den mehr oder weniger gleichen Weg wieder ab. Zwischenzeitlich ging es auf dem Hosenboden (geplant) etwas schneller voran. Ab und zu auch auf den Knien (eher ungeplant). Am See angelangt hielten wir uns auf dem rechten Pfad in Richtung Seebenalm. Dort wollten wir, die Karte studierend, uns links haltend nicht der Forstautobahn hingeben, sondern einen Steig bergab gehen.

Ein Wanderer in Klettersteigausrüstung und hochrotem Kopf schaute uns noch verwundert nach mit der Warnung, dass es da aber eigentlich nicht mehr weiter geht. Wir stiegen dennoch weiter ab und landeten auch prompt vor dem Ausstieg eines Klettersteigs. Noch ein kurzer bewundernder Blick senkrecht nach unten (ja, den gucken wir uns mal von der anderen Seite aus an!) und schon stapften wir bald ebenfalls mit hochrotem Kopf wieder nach oben zurück zur Alm.

Dort nahmen wir dann zerknirscht doch die Forstautobahn, wobei wir diesmal die Karte etwas genauer studierten und auf etwaige Klettersteigzeichen achteten.

Dennoch fanden wir wenig später noch einen schönen Abstieg im Immensteig, der mit absoluter alpiner Erfahrung und Trittsicherheit deklariert, aber gut ausgeschildert war. So schlimm fanden wir ihn dann jedoch auch nicht; in etwa wie der Hohe Gang nach oben. Ab und zu mal etwas seilversichert, aber alles in allem recht gut begehbar und viel interessanter als Schotterboden.

Und dann trafen wir auch schon auf die Ehrwalder Almbahn und zurück auf unserem Weg dem Gaisbach entlang zum Auto. Leider, musste man schon fast sagen, aber genau rechtzeitig. Ein Blick nach oben verriet uns, dass unsere netten Bekanntschaften auf dem Weg es leider nicht mehr trocken auf die Coburger Hütter nach oben schaffen würden. Auch wir verzogen uns schnell ins warme Auto und fuhren wehmütig wieder nach Hause.

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